Storyline:
Ach, wie ruhig war's doch bisher am Rio Bravo... Doch die relaxten Tage im Schaukelstuhl mit gemütlicher Zigarette im Mundwinkel sind für Sheriff Chance und seinen treuen Deputy Stumpy vorerst gezählt. Denn sie haben einen heiklen Fang gemacht: Der Bruder des mächtigen Großkriminellen und Grundbesitzers James Burdette sitzt wegen Mordes in ihrer Zelle ein und wartet auf seinen Abtransport gen Galgen durch den U.S.-Marshall. Der wird allerdings unangenehmerweise aber noch einige Tage auf sich warten lassen und so sind die beiden Gesetzeshüter, unterstützt durch Ex-Schützenass und Saufbruder "Dude" sowie den Jungen "Colorado", gezwungen zunächst alleine gegen die Ränke und Schergen des einflußreichen Bruders ihres Insassen anzutreten. Und die laßen nicht lange auf sich warten...
Review:
Schicken wir es gleich voraus: Rio Bravo ist mit das Beste, was die Welt des klassischen Western aufzubieten hat. Und das selbst noch fünfzig satte Lenze nach der Entstehung des Films. Die Genialität und Zeitlosigkeit des Werks beruht und resultiert dabei aus manigfaltigen Faktoren, die schließlich dass simmungsvolle, unvergeßliche Gesamtwerk ergeben. Anfangen will ich damit, dem (oder den) Caster(n) des Streifens mein ehrerbietiges Lob auszusprechen. In fast jedem Film heutiger Tage findet man mindestens einen Charakter, bei dessen Performance man unwillig die Augenbraue hebt und bei sich denkt: "Autsch, warum haben sie dafür ausgerechnet DEN genommen...". Bei Rio Bravo wird man nach Solchem durchweg vergebends suchen. Denn die Schauspieler passen nicht nur optisch bestens auf ihre Figuren, sondern ähneln diesen auch vom eigenen Charakter her so (oder spielen entsprechend gut), dass man ihnen jede Szene, jedes gesprochene Wort einhundertprozentig als "authentisch" abnimmt. Und Dieses reicht von der Starbesetzung (der damaligen Zeit) Ricky Nelson, Dean Martin und John Wayne bis hin zu selbst den kleinsten Nebenrollen.
Ein weiterer Garant für die Stimmung des Films sind die genial gestalteten Sets. Die staubige Westernstadt mit all ihren verstaubten Mauern, Werkzeugen, ja der gesamten detailverliebten Ausstaffierung wirkt dermaßen echt, dass man den Eindruck gewinnt der Regisseur habe die gesamte Crew zu Drehbeginn mal eben in eine Zeitmaschine verfrachtet. Kein Vergleich zu den lieblosen, oft befremdend sauberen und unnatürlichen Sets späterer Genrevertreter. - Und auch in der Machart und Inszenierung unterscheidet sich das Meisterwerk gänzlich von heutigen Vorgehensweisen sichtlich, entwickelt aber gerade dadurch aber auch einen großen Teil seines ihm eigenen, unnachahmlichen Charmes. (Welcher Filmemacher würde bsp.-weise heute schon noch diverse Minuten für Szenen opfern, in denen sich die Hauptcharaktere eines ruhigen Abends die Klampfe zur Hand nehmen um gemütlich ein paar Countrylieder zum besten zu geben?)
Doch womit jeder Film letzendlich steht oder fällt, das ist und bleibt unweigerlich der Plot. Und auch hier zeigt Rio Bravo einen gerade für seine Entstehungsära so völlig unkonventionellen wie genialen Ansatz. Denn die Helden um Sheriff Chance sind keineswegs die strahlenden, unangreifbaren Helden, wie sie in den späten Fünfzigern üblich waren. Nein, sie sind Menschen. Mit all den Stärken, Schwächen und Fehlern, wie sie ein Jeder von uns auch hat oder haben könnte. Dude (Dean Martin) ist ein Säufer, der mit sich selbst und gegen die Sucht ringt, Jailkeeper Stumpy (Walter Brennan) ist ein alter Krüppel und der Sheriff (John Wayne) selbst ein angegrauter Haudegen und Westman, der sich langsam aber sicher gewahr wird dass sein Stern im Sinken begriffen ist. Ein durch und durch sympathischer, rauhbeiniger Western-Antiheldentroß, der den Zuschauer sofort für sich einnimmt und den Kampf gegen den schmierig-gelackten Schurken Burdette und seine Handlanger noch interessanter macht und um einige interessante Aspekte und Happenings bereichert. Und wenn John Wayne dann erst mit der Rifle im Anschlag und auf die ihm unnachahmliche Weise läßig wie Oskar in's Bild watschelt, dann weiß der kundige Westernfan: "It's shooting time!" Ja, für Action ist wirklich durchgängig gesorgt und auch sonst gibt sich die Storyline keine Blößen durch Durststrecken oder sonstige Faux pas, sondern fesselt und unterhält durchgängig. Die Kugeln fliegen an allen Ecken durch die verschlafene Westernstadt, aber auch für humorige Momente unter den Waffengefährten, coole Sprüche und die ein oder andere Gesangseinlage nimmt man sich die Zeit heraus. Ebenso wie naturalmente für die filmisch obligatorische Romanze, die sich in diesem Falle zwischen Chance und der schönen Spielerin "Feathers" (Angie Dickinson) entspinnt.
F a z i t :
Was soll ich noch groß sagen? Wenn ich in meinem Leben nur noch einen einzigen Western sehen durfte, es wäre ohne Zweifel Rio Bravo. Howard Hawk schuf hier mit einer einmaligen Cast, bilderbuchhaften Westernszenarien und einem geglückten Plot ein historisches Stück Filmgeschichte, dass nicht nur John Wayne-Fans in seinen Bann ziehen wird. Ob alter Filmhase oder Rookie. Wer Westernstreifen nicht absolut hasst, der sollte diesen Klassiker des Genres unbedingt gesehen haben, weshalb ich diesem Werk auch die (von mir mehr als selten vegebenen) vollen zehn Wertungspunkte mehr als gerne zolle. - Ich persönlich würde ihn sogar noch vor dem so viel gerühmten schwarzen Falken (orig. The searchers) auf's Siegerpodest des verdienten und ewigen Ersten stellen.