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Schneider (Daniel Auteuil) ist ein total ausgebrannter Cop. Nachdem seine Tochter bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam durch den seine Frau zum Pflegefall wurde, gibt es für ihn keinen halt mehr im Leben. Ständig von grausamen Verbrechen und korrupten Kollegen umgeben ergibt er sich schliesslich dem Suff. 

Während Schneider schon mal sturzbesoffen mit der Pistole im Anschlag einen Bus kapert um nach Hause zu gelangen, leidet die junge Justine (Olivia Bonamy) andere Qualen. Als kleines Kind musste sie mitansehen wie ihre Eltern von Charles Subra (Phillipe Nahon) umgebracht wurden und dieses Trauma verfolgt sie noch immer. Subra ist zwar mittlerweile ein alter Mann und sitzt im Gefängnis, hat sich aber vom Saulus zum Paulus gewandelt und steht kurz vor seiner vorzeitigen Entlassung. 

Zur gleichen Zeit macht ein Serienkiller die Stadt unsicher und die Polizei tappt im Dunkeln. Erst dem zwischenzeitlich suspenierten Schneider gelingt es erste Hinweise auf dessen Identität zu finden.... 

Regisseur Olivier Marchal begibt sich hier auf die Spuren der ruhmreichen Geschichte des französischen Kriminalfilms ohne ihr allerdings ein neues, ebenso ruhmreiches Kapitel hinzuzufügen. 

"MR 73" ist  eine Art Krimi-Drama, dass den gepflegten Mittelweg zwischen dramatischen und spannenden Momenten über den grössten Teil seiner Spielzeit nicht findet. Über nahezu 80 Minuten wird man als Zuschauer mit den Leiden des kaputten Cops und der traumatisierten Justine konfrontiert, wobei man anmerken muß, dass deren Umsetzung nicht gerade innovativ wirkt.
Schneider ist der übliche kaputte und versoffene Cop, dessen Geschichte sich genauso wie die von Justine in Form immer wieder auftauchender Rückblenden erzählt. Diese werden dann immer mal wieder mit dem Verlauf der Serienkiller-Jagd und dem einen oder anderen Blick auf den im Knast sitzenden Subra unterbrochen. 

Die insgesamt vier Handlungsstränge weisen zwar ein paar Verknüpfungen auf, als Zuschauer wartet man aber sehr lange, bis diese endlich zu einer Story verwoben werden.Ungefähr nach 80 Minuten der Spielzeit ist dies dann endlich der Fall. Filmtechnisch wirkt alles zwar etwas holprig, aber man ist schliesslich schon froh, dass sich die Story wenigstens etwas entwickelt und voranschreitet. 

Mit Beginn des Schlussdrittels gelingt die Bindung zwischen Drama und Krimi dann besser und gipfelt in einem konsequenten und guten Ende, dass etwas über die vielen anfänglichen Längen hinwegtröstet. 
"MR 73" ist dennoch kein guter Film geworden. Dafür kann man vor allem Regie und Drehbuch verantwortlich machen. 

Das Drehbuch liefert zwar einen Mix aus Thriller und Drama, das Mischungsverhältnis ist aber ungefähr 30:70 und wenig ausgefeilt. Zu allem Überfluß wird auch noch die bei weitem interessanteste Figur des ganzen Scripts, nämlich Subra, ziemlich vernachlässigt. 

Gewisse bereits erwähnte Schwächen hätte vielleicht eine bessere Regie auszubügeln vermocht, aber auch hier herrscht Fehlanzeige, womit Olivier Marchal beweist, dass er als Regisseur und Drehbuchautor ungefähr gleich mittelmässig ist. 

Was gibt es neben dem durchschnittlichen Drehbuch und einer ebenso durchschnittlichen Regieleistung noch zu sehen? 

Etwas Action, die aber wenig spektakulär ausgefallen ist und zwei Kleinigkeiten, die dem ganzen Streifen eine deprimierende Note verleihen, die wenigstens etwas an grosse Vorbilder aus der anfangs zitierten französischen Krimi-Historie erinnern. Da wären zuerst mal die Locations, die allesamt baufällig, verratzt und niederschmetternd wirken. Dazu gesellt sich noch ein Nobody-Cast von Nebendarstellern, die mit ihren Hackfressen und ihrem Schmuddel-Look jeden Geist heulend aus der Geisterbahn vertreiben könnten. 

Zu den Darstellern möchte ich bloß sagen, dass der "Star", Daniel Auteuil seine Sache zwar ganz gut macht, insgesamt aber nicht allzu sehr gefordert wird.Wer hier wirklich auftrumpft ist Phillipe Nahon, der den Subra spielt. Seine wenigen Auftritte haben genau die Intensität, die dem restlichen Film komplett abgeht.  

Fazit: Von "MR 73" hätte ich mir deutlich mehr versprochen. Einige Zutaten für einen guten Film sind zwar vorhanden, insgesamt regiert hier aber wenig inspiriertes Mittelmaß, das man nicht gesehen haben muß.

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