Psycho-Thriller mit nur zwei Protagonisten haben es von Natur aus besonders schwer, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Oft stimmt das Pacing nicht, Spannung fehlt oder der Schauplatz begrenzt sich auf nur einen Raum und schon können durchschnittliche 90 Minuten verdammt lang erscheinen.
Regisseur Couto hat es mit seinem Erstling wesentlich besser gemacht, denn er variiert die Handlung mit möglichen „Was wäre, wenn…“- Ideen und hält nicht ausschließlich an einer geradlinigen Erzählweise fest.
Die Arbeitskollegen kennen sich seit fünf Jahren und heute nimmt der rundliche und gemütlich wirkende Teddy den in Eile geratenen Richard mit zur Arbeit. Dabei fahren sie einen Umweg über „Angels Crest“, ein großflächiges und einsam gelegenes Waldgebiet.
Teddy hält an, um Richard einen schönen Aussichtspunkt zu zeigen, doch urplötzlich wird Richard niedergeschlagen und findet sich kurz darauf an einen Baum gefesselt wieder. Teddy verkündet ihm, dass er nur noch 36 Minuten zu leben habe…
Das Motiv ist Rache. Rache für eine Tat, die Jahre zurückliegt und für die es noch nicht einmal Beweise für Richards Schuld gibt. Doch Teddy gibt sich unbeirrt, beinahe gottesfürchtig, denn dass diese Aktion hier und heute geschehe, sei kosmische Gerechtigkeit, pure Vorhersehung.
Richard versucht indes herauszufinden, warum die seit Jahren bestehende Freundschaft mit einem Schlag nichts mehr zählt und beginnt, Teddy mit allerlei Überzeugungsarbeit zum Losbinden zu bewegen. Auf die einfühlsame, die hoffnungslose, aber auch auf die brachiale Tour.
Die Erzählung belässt es jedoch nicht bei einem straighten Vorgehen, sondern wirft Zeitsprünge ein, die zunächst ein wenig verwirren. Nachdem Richard an den Baum gefesselt wurde, sieht man ihn phasenweise durch den Wald hetzen (reale Befreiung oder Wunschdenken?), dann der Bruch zu einer Szene vertrauten Gespräches und man weiß teilweise nicht mehr, wie diese Momente zeitlich einzuordnen sind und ob sie nicht doch einer Vision des verletzten Richard entspringen.
Anderweitig wird so Spannung aufrecht erhalten, vor allem, weil der komplette Hergang in einer zweiten, nun mittlerweile wesentlich aufmerksamer machenden Szenerie noch mal von vorn wiederholt wird. Wobei man nunmehr Teddys Pläne kennt und umso genauer auf dessen Verhalten achtet.
Infolgedessen fokussiert sich „Broken“ keineswegs auf Folter oder blutige Gewaltakte, denn die bleiben, bis auf kurzes Strangulieren und dem Schlag auf den Hinterkopf aus.
Vielmehr ist es das simple Taktieren zweier unterschiedlicher Männer, die in Bezug auf ihre Kindheit eine Menge Philosophien teilen und beide Figuren wirken deshalb durchaus interessant und glaubhaft.
Schlussendlich vermag man für beide Charaktere mehr oder weniger Sympathien aufbringen, zumal lange Zeit ungewiss ist, worauf die Sache am Ende hinaus läuft und wer final die größere Schuld auf sich lädt (sofern vorhanden).
Prinzipiell ist es ein minimaler Aufwand, den Regisseur und Autor Couto betreibt, - die fast unwesentliche, dritte Rolle in Form eines Tankwarts übernimmt er selbst und überlässt seinen solide performenden Darstellern Chris Bauer (Teddy) und Currie Graham (Richard) das Feld.
Zwar hätte man das Psycho-Duell allein auf der Dialog-Ebene noch ein wenig auf die Spitze treiben können und gegen Ende ruhig noch ein alternatives Ende mehr ins Spiel bringen dürften, doch eben jener minimaler Aufwand zahlt sich binnen kurzer 78 Minuten voll aus.
Da überzeugt selbst die visuelle Präsentation, mit wenigen aber eindrucksvollen Kniffen, sowie der einfach gehaltene Score, der überwiegend der Stille des Waldes den Vorrang lässt, aber ordentlich abgeht, sobald Tempo im Spiel ist.
Kleiner und simpler, aber auch effektiv unterhaltsamer Psycho-Thriller.
7 von 10