Storyline:
Nichts als Ärger mit den Bleichgesichtern. Sie besiedeln alles, verkaufen den Kriegern Gaga-machendes Feuerwasser, den Frauen teuer Eau de Cologne und zu allem Überfluß trampeln sie auch noch in schöner Regelmäßigkeit die Geranien vor dem Wigwam platt. - Aber Scherz beiseite: Häuptling schwarzer Falke ist auf jeden Fall auf die bleichen "Asylanten" in seinen Jagdgründen aus diversen Gründen nicht unbedingt gut zu sprechen. Deshalb, und weil man die ein oder andere Habseligkeit der Siedler so ganz gut gebrauchen kann, hat er es sich zur lieben Gewohnheit werden lassen, ihre Treks und Farmen auszurauben und zu brandschatzen. Just so ergeht es eines Tages auch dem Hof des jungen Landwirtes Ethan. Er und seine ganze Familie finden in dem so kurzen wie einseitigen Scharmützel den Tod, nur die beiden Mädchen lassen der Falke und seine Kumpane als Sklaven mitgehen.
Das wiederum schmeckt Ethan's Bruder, Cpt. Edwards (der gerade aus dem Bürgerkrieg heimgekehrt ist) natürlich überhaupt nicht. Zumal er ohnehin grundsätzlich einen profunden Hass gegen die rothäutige Minderheit scheibt. - Zusammen mit Marty, dem einzig überlebenden Sohn seines Bruders, macht er sich auf um dem Falken "zum Dank" den Scheitel mit der Flinte nachzuziehen...
Review:
Für seine Zeit ist the Searchers ( so der orig. Titel) ein durchaus bemerkenswehrtes Stück Film. Gekonnte Kameraführung, vielgelobte Landschaftsaufnahmen und ein gelungener Plot sorgten (zusammen mit Western-Allstar John Wayne) dafür, dass die Jagd auf den schwarzen Falken berechtigtermaßen zu einem der Klassiker des Genres wurde. - Auch hier mimt Wayne, wie so oft, einen eher zwiespältigen und in sich zerissenen Charackter, der neben seiner Heldenader auch durchaus eine dunkle Seite hat. So geht er, nach ursprünglicher Rettungsabsicht, nach einigen Jahren der "Jagd" dazu über, die entführte Debbie töten zu wollen, da er sie nun unter dem Einfluß der Chayenne als zur Indianerin "verkommen" ansieht. Der gute Geist, der ihn aus diesen düsteren Phasen stets wieder herauszureißen versteht ist der leicht naive, ihm aber treu ergeben folgende Marty, der sein eigenes Leben und selbst seine große Liebe auf's Spiel setzt, um die verlorene Halbschwester zurückzuholen.
Doch so gekonnt die Hatz auch in Szene gesetzt ist: Stellenweise ist mir der Film mit seinen hundertzwölf Minuten fast etwas zu ausführlich geraten. Etwas mehr Straffheit im Filmfluß hätte die Intensität meiner Meinung nach noch besser gehalten. Nichtsdestotrotz: Wir begegnen hier John Wayne in einer seiner Paraderollen, die er selbst sogar einmal als "seine beste" bezeichnet haben soll. Besetzung und Szenerie sind durchweg gelungen, ebenso die musikalische Unterhaltung. Der berühmte Hauptdarsteller lebt die bösen Seiten seiner Figur schauspielerisch und mit offensichtlichem Spaß an der Rolle aus. Man meint den Hass fast greifen zu können, wenn er bsp.-weise einem toten indianer die Augen ausschießt, um ihm so den Einzug in die ewigen Jagdgründe zu vergällen. - ungewohnt aus heutiger Sicht ist anbei erwähnt die fast durchweg (und gänzlich "politisch inkorrekt") negative Darstellung der Indianer als Mörder und Entführer. Doch auch dieser Trugschluß brökelt gen Ende des Films: Denn als Scar und Edwards schließlich aufeinanderprallen [Spoiler]gibt der Häuptling als Grund für seine Morde und Raubzüge an, die Weißen hätten ihm zwei Söhne getötet. Er handelt also im Grunde ironischerweise aus den selben Rachemotiven wie Antiheld Edwards.[/Spoiler]
Was dem englischkundigen Filmfan anbei erwähnt noch fast auffallen muß, sind die diversen Differenzen zwischen englischer und deutscher Version, die nicht immer ganz stimmig abgehen. Warum Häuptling Scar seinen Namen im Deutschen gegen "Schwarzer Falke" eintauschen mußte, leuchtet da noch am ehesten ein. Denn der Originaltitel des Films, the Searchers, hätte im Deutschen direkt übersetzt wohl nicht wirklich gut geklungen ("Die Suchenden"). So benannte man die Rothaut kurzerhand klangvoll um und mißbrauchte den Häuptling anschließend als Namensgeber der deutschen Version. Ein nicht unüblicher filmischer Taschenspielertrick, der hier auch ganz passabel funktioniert. Im Detail hat man dann allerdings geschludert. So findet sich im Verlaufe des Streifens eine Stelle, an der Edwards Marty zur raschen Weiterreise auffordert. Die Mexikaner hätten ihm von einem Indianer namens "Cicatriz" erzählt. Auf das saloppe "Na und?" seines jungen Gefährten gibt Wayne lässig zurück, das bedeute übersetzt "schwarzer Falke". Faktisch bedeutet das mexikanische Wort allerdings nach wie vor Narbe/Scar, was dem Spanischsprechenden die im Deutschen vorgenommene Umtaufung sogar unmittelbar im Filmverlauf offenkundig werden läßt. - Es ist des Weiteren gut möglich, ja sogar wahrscheinlich, dass den deutschen Synchronisateuren diese Unstimmigkeit durchaus bewußt war. Denn die "Chance" bzw. das Risiko dass im Deutschland der Fünfziger jemand Spanisch sprach oder man dort je der Originalversion ansichtig werden würde, war kalkulierbar gering. Der Fehler könnte also schlicht billigend in Kauf genommen worden sein, da er damals ohnehin einfach niemandem auffallen würde. Trotzdem: Man hätte doch in Gottes Namen schnell nachschlagen können, was "schwarzer Adler" auf Spanisch heißt ("Aguila negra").
F a z i t :
The searchers ist ein weiteres Juwel in der Filmographie von John Wayne. Western-Fans sollten ihn keinesfalls verpaßen, wenngleich er in meinen Augen leicht hinter den makellosen Qualitäten des legendären Rio Bravo zurückbleibt. Dennoch: Der zerissene Charakter des Protagonisten sowie sein fanatischer Hass auf den Feind machen den Streifen um Rächer Edwards zu einem sehenswehrten Unikat. Lediglich die schlußendliche Todesszene des so lange Verfolgten hätte ich mir rückblickend etwas spektakulärer gewünscht. Aufgrund kleinerer Defizite im Filmfluß sowie des sürftigen Abgangs von Scar vergebe ich hier nur acht von zehn Punkten, womit der Film aber immer noch stolz erhobenen Hauptes und als einer aus der Oberliga seines Genres vom Platz gehen kann.