"Anscheinend hört es niemals auf, dass alles noch verrückter wird."
Die zweite Staffel von "Fringe - Grenzfälle des FBI" hält an seinem bislang gelungenen Konzept fest, ohne viel neu zu erfinden. Nach wie vor enthalten die einzelnen Folgen zunächst unerklärliche Phänomene, die sich sich näher betrachtet durch wissenschaftliche Methoden analysieren und aufklären lassen. Hin und wieder scheinen die Themen diesmal etwas utopisch, widernatürliche Abnormitäten wie Geister oder Besucher aus dem Weltall sind aber auch diesmal nicht zu finden.
Nach wie vor werden Schauplätze durch große, letterhafte Buchstaben angekündigt und für gewöhnlich wartet ein unerklärlicher Todesfall darauf mit wissenschaftlichen Analysen gelöst zu werden. Das Spektrum der Themen erweist sich dabei als vielseitig, konzentriert sich aber insbesondere auf Formwandlungen, Mutationen, Zeitreisen oder Gedankenmanipulation.
Neu hinzu kommt eine sich durch die Staffel ziehende durchgängige Geschichte, die manch eine Folge durch ein übermäßiges Stück an Informationen überlädt. Im Gegensatz zur vergleichbaren Mystery-Serie "Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI" geht es hier aber nicht um Außerirdische, sondern eine Paralleldimension und den Bezug der Figuren zu dieser.
Erstaunlicherweise liegt der Schwerpunkt der Spannung nun nicht mehr auf den einzelnen Fällen. Die meisten erweisen sich in ihrer Auflösung als viel zu konventionell und vorhersehbar, oder werden als Ganzes betrachtet zu langwierig erklärt. Es ist die sich erst nach und nach ergebende durchgängige Handlung, die das Rätselraten interessant macht. Dadurch ist jedoch dranbleiben angesagt, denn wer eine Folge verpasst verliert unter Umständen die Übersicht.
Zu Beginn der zweiten Staffel werden ein paar neue Charaktere hinzu gezogen, deren Eingreifen in die Handlung aber schnell an Bedeutung verliert. Die Priorität liegt nach wie vor auf den drei Hauptfiguren Olivia Dunham, Walter und Peter Bishop. Allgemein geht die zweite Staffel nun ruppiger mit ihren Charakteren um. Auch dies steigert die Spannung, da das Überleben der Figuren nun nicht mehr garantiert scheint. Mehr Tiefe erlangt besonders die Figur des Walter Bishop, die für gewöhnlich in jedem zu lösendem Mysterium persönlich involviert ist.
Gegenüber der ersten Staffel von "Fringe" fällt die Präsentation nun ein wenig schwankender aus. Von Folge zu Folge sind Stunts und digitale Effekte unterschiedlicher Qualität, der charmante Witz wirkt teils erzwungen. Die Kreatureneffekte sind nach wie vor innovativ, die Horrorelemente eher selten, steigern jedoch in beliebiger Kombination die Atmosphäre.
Nach dem recht starken Start der Staffel, der die Paralleldimension in den Vordergrund stellt, verlaufen einige Folgen etwas mühseliger. Erst ab der Hälfte und einer episodenübergreifenden Informationsflut, reizt die Mystery-Serie ihre Möglichkeiten wieder völligst aus. Erfreulich ist dann besonders das fulminante Finale, dass optisch einem TV-Film in nichts nachsteht. Der offene Schluss überrascht dabei weniger.
Das mittlerweile eingespielte Ensemble bestehend aus John Noble, Joshua Jackson sowie Anna Torv hat sich spürbar an ihre Rollen gewöhnt und überzeugt durchgehend in ihren nunmehr wechselhafteren Figuren. Abseits von diesen treten Lance Reddick ("Lost") sowie Jasika Nicole ("Zu scharf, um wahr zu sein") ein wenig mehr in den Vordergrund, während Kirk Acevedo zwar nun kurzzeitig eine wichtigere Rolle übernimmt, dadurch gleichzeitig aber auch an visueller Präsenz einbüßt.
Leonard Nimoy ("Star Trek"-Reihe) ist seit dem Ende der ersten Staffel kein Überraschungsstar mehr und erhält drehbuchbedingt nun auch ein wenig mehr visuelle Präsenz. Bedingt durch das Finale und seinem schauspielerischen Rückzug Anfang 2010 könnte dies gleichzeitig einer seiner letzten Auftritte gewesen sein.
Auch die zweite Staffel von "Fringe - Grenzfälle des FBI" weiß trotz schwankenderer Qualität gegenüber der ersten Staffel zu gefallen. Da die einzelnen Fälle diesmal recht konventionell und teils nicht mehr ganz so wissenschaftlich greifbar geraten sind, liegt der Schwerpunkt auf der episodenübergreifenden Handlung, die ein striktes dranbleiben erzwingt. Die Charaktere und deren Schauspieler sind nach wie vor sympathisch und entwickeln sich weiter. Insbesonders die späteren Folgen schüren die Spannung immens an, wobei das erneut offene Staffelfinale nicht mehr ganz so überraschend ausfällt wie erwartet.
9 / 10