Review

Season 3

"Auf ein gutes Ende brauchen wir nicht mehr zu hoffen, oder?"

Spätestens ab der dritten Staffel von "Fringe - Grenzfälle des FBI" ist ein Quereinstieg in die Serie nicht mehr möglich. Zu komplex ist die durchgängige Handlung um eine Paralleldimension und die Zusammenhänge zu den Charakteren in der zweiten Staffel geworden. Die kurzen Rückblenden zu Beginn der Folgen sind gerade mal gut genug, um den treuen Zuschauer an vergangene Ereignisse zu erinnern, die folglich auch aufgegriffen werden. Die Serie um Grenzwissenschaften geht hier im Gegensatz zu konkurrierenden Mystery-Serien den richtigen Weg und bläht sein Universum immer mehr auf, anstatt es zu zerstückeln.

Staffel 3 gibt Antworten auf einige Fragen die sich im Laufe der Serie stellten, stellt wiederum aber auch neue. Der Verlauf der 22 Folgen ist hierbei ein wenig anders, als noch in den beiden vorherigen Staffeln.
Die ersten Episoden setzen das offene Ende der zweiten Staffel direkt fort. Die dabei hinzu kommende Neuerung ist ein vorübergehender Wechsel zwischen den beiden Universen. Jede Folge kündigt durch unterschiedlich farbige Vorspänne die jeweils betroffene Real- oder Parallelwelt an, die später durch verschiedene Zeitebenen noch vielschichtiger werden.
In etwa der Hälfte der Staffel bricht diese dynamische Erzählweise durch die priorisierte Erzählung der Ereignisse in der realen Welt etwas ein und findet erst in den letzten Folgen zu den anfänglichen Stärken zurück. Kaum überraschend ist dabei ein erneutes offenes Ende, welches zur vierten Staffel überleitet.

Nach wie vor fällt der enorme Aufwand in den einzelnen Folgen auf. Technisch und inszenatorisch befindet sich "Fringe" auf hohem Niveau. Gerade das futuristische Setting des parallelen Universums gibt der Mystery-Serie einige Science-Fiction Elemente, die erstaunlich ausgereift für eine TV-Produktion sind. Daneben glänzt "Fringe" mit geläufigen Zeitlupeneffekte und einer meist emotionalen, mitreißenden Erzählweise, traut sich ab und zu sogar zu drastischen Bildern, wie platzenden Köpfen.

Die durchgängige Handlung findet in jeder Episode zumindest eine Randbemerkung, wenn sie nicht ohnehin im Mittelpunkt steht und präsentiert sich enorm wendungsreich. Durch das öffnen der Perspektive auf zwei Welten erscheinen tot geglaubte Charaktere und deren Schauspieler erneut oder doppelt, eine Gewährleistung auf ihr Überleben gibt es aber nicht. So wie schon Staffel 2 scheut sich die dritte nicht sich von handlungstragenden Figuren zu trennen.
Neben diesem roten Faden finden sich besonders in der Mitte der Staffel durchdachte Geschichten über Reanimation, Vorhersehung, Zeitreisen, Verjüngung, Gedankenübertragung oder ewiges Leben. Für weitere Abwechslung sorgen variierende Kniffe, beispielsweise eine Folge, die sich an "Matrix" und "Inception" orientiert, und sich dann auch noch in grob animierter Cartoon-Optik präsentiert.

Neben dem Einbruch der Dynamik in der Hälfte der Staffel und wenigen sichtbaren Anschlussfehlern, führt das zähe Beziehungsdrama um die Hauptcharaktere Peter und Olivia zu schwankender Qualität. Über mehrere Episoden tritt die Handlung dadurch störend auf der Stelle.

Ansonsten bemüht sich "Fringe" seine Figuren überwiegend detailliert zu skizzieren. Gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass ein großer Teil nun doppelt vorhanden ist und durch unterschiedliche Umstände verschiedene Charakterzüge zeigen, sich im Wesentlichen aber gleichen.
Eine Herausforderung für John Noble, Joshua Jackson, Anna Torv, Lance Reddick sowie Jasika Nicole, die sie allerdings ohne sichtbare Probleme bewältigen. Die längerfristige Rückkehr von Kirk Acevedo ist erfreulich, ebenso der Ausbau des sich hinzu gesellenden Seth Gabel ("Jonah Hex"). Alle genannten spiegeln den Wandel ihrer Figuren oder die Doppelrollen glaubwürdig wieder.
Neben dem Standardpersonal lockern bekannte Gesichter, wie Ryan McDonald ("2012"), Brad Dourif ("Freeze - Alptraum Nachtwache", "Alien - Die Wiedergeburt") oder Anna Paquin ("X-Men"-Reihe), den Cast etwas auf.

Gerade die erste Hälfte der dritten Staffel von "Fringe" kann mit immenser Spannung und abwechslungsreichen Episoden punkten. Die Komplexität der Handlung und der Charaktere nimmt durch seine wendungsreiche, auf zwei Ebenen spielende Handlung noch weiter zu, sodass ein Quereinstieg nahezu unmöglich für das Verständnis ist. Zur Hälfte der Staffel bricht die aufwändig gestaltete Mystery-Serie durch Vernachlässigung seiner durchgehenden Handlung und langwierigem Charakterdrama etwas ein. Wie erwartet steigert sich das Niveau in den finalen Folgen aber wieder und hinterlässt einen Ausblick auf eine dystopische Zukunft.

9 / 10

Details
Ähnliche Filme