Review

Season 4

"Nicht nur ihr habt Geheimnisse."

Die vierte Staffel der Mystery-Serie "Fringe" wechselt einmal mehr die Richtung. War der ins Auge stechende Wechsel zwischen den parallelen Welten und die dortigen Ereignisse in der dritten Staffel der Dreh- und Angelpunkt, sind es nun die Figurenkonstellationen, die durchgängige Handlung um Gestaltwandler und eine zukünftige Bedrohung. Gerade gegen Ende der vierten Staffel wird ersichtlich, dass das Finale der Serie in Form einer fünften Halbstaffel vorbereitet wird. Etwas verwunderlich dabei ist die schwankende Qualität einzelner Folgen.

Quereinsteiger seien einmal mehr gewarnt: Zwar sind manche, in sich geschlossene Folgen mit Fällen um Geistererscheinungen, Zeitanomalien, Vorhersehung und Gedankenübertragung ohne Vorwissen durchaus verständlich, aber auch dort finden sich immer wieder Verweise zur durchgängigen Handlung um die Gestaltwandler oder zu vergangenen Geschehnissen.
Selbst strikte Verfolger der Serie können nun durchaus den Überblick verlieren. Zwei Universen, eine alternative Zeitlinie, doppelte und dreifache Ausführungen der Charaktere, Zeitsprünge und vielfältige Wendungen in der Handlung bieten umfangreiche Möglichkeiten um das Publikum zu erschlagen. Eine sehr bunt gemischte Themensammlung, die in ihrer Gesamtheit dennoch erstaunlich konsistent wirkt.

Bislang waren die Fälle überwiegend mit wissenschaftlicher Methodik lösbar. Die vierte Staffel verlässt häufiger diesen Rahmen und begibt sich auf utopische Pfade. Weniger spannend sind die Folgen dadurch nicht, jedoch schwankt die Qualität in anderer Form.

Zu sehr verlässt sich "Fringe" diesmal auf seine Figuren und vernachlässigt seine eigentliche Handlung. Dadurch wirken die wenigen, in sich geschlossenen Folgen interessanter als der gemächlich fortgeführte, durchgängige Handlungsstrang. Besonders in der Mitte der Staffel bewegt sich die Serie erzählerisch nicht von der Stelle, erzählt gar vergangene Fälle auf andere Weise neu.

Erheblich besser fallen dafür die Charaktere aus. Es ist nicht nur spannend zu verfolgen, auf welche Weise Hauptpersonen pausiert werden, ganz ausscheiden oder plötzlich erneut auftreten. Sie profitieren auch von der persönlicheren Einbindung und dem psychologischen Ausbau. Dadurch bewegen die Folgen eher auf der emotionalen anstatt der erzählerischen Ebene.

Erheiternd ist der nach wie vor enthaltene, skurrile Humor, der zweckmäßig eingesetzt wird. Kniffe, wie ein erzählerischer Zeitsprung in die Zukunft, sorgen für weitere Abwechslung. Und auch die aufwendige Inszenierung findet sich erwartungsgemäß wieder.
Obwohl die vierte Staffel ähnlich wendungsreich wie die vorhergehenden ist, sind abschließende Ereignisse der Episoden mittlerweile vorhersehbar. Es finden sich weniger frische Ideen als zuvor wieder und das Staffelfinale ist zwar bombastisch, letztendlich aber etwas holprig und unrund präsentiert.

Von den eingespielten Darstellern Joshua Jackson, Anna Torv, Lance Reddick, Jasika Nicole, Seth Gabel, Blair Brown sowie John Noble tritt besonders letzterer hervor. Dank seines nuancierten Schauspiels wird seine Figur besonders plastisch. Eine freudige Dreingabe sind die erneuten Kurzauftritte von Leonard Nimoy, der eigentlich schon aus dem Schauspielgeschäft ausgestiegen war.

Die vierte Staffel ist wegen ihrer schwankenden Qualität die bisher schwächste der Serie. Zwar liegt die Technik und Inszenierung erneut auf einem hohen Niveau, das Erzähltempo bricht abhängig von einer Folge aber schon gerne Mal ein. "Fringe" bietet zu diesem Zeitpunkt mehr in Richtung Charakterdrama und riskiert dabei seine Mystery-Themen. Dank der Verwebung der Einzelfälle mit der Haupthandlung sowie der noch komplexer werdenden, durchgängigen Geschichte, ist der Anspruch weiterhin hoch und ein Quereinstieg nahezu undenkbar. Die Spannung ist stets hoch, auch wenn einige Wendungen nach dem Konsum von den drei bisherigen Staffeln nicht mehr ganz so überraschend ausfallen.

8 / 10

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