"Früher haben wir Fringe-Fälle gelöst. Es ist an der Zeit selbst welche zu erschaffen."
Nachdem die vierte Staffel von "Fringe" einen etwas konfusen Handlungsbogen bot, macht es sich die finale Staffel sehr leicht. Sie setzt an eine bereits in der vierten Staffel gezeigte Episode an, die eine düstere Zukunft suggerierte. Tatsächlich bildet diese Zukunft und eine noch weiter fortgeschrittene den Rahmen für die Handlung und raubt der Serie die bisherige Dynamik.
Zu Beginn wirkt alles sehr neu und anders. Man befindet sich in einer totalitären Welt, die mehr an George Orwell, als an die bekannte und oft durchaus farbenfrohe Mysterwelt der bisher bekannten Serie erinnert. Die Themen werden schwerer und die Bedrohung ist unmittelbarer. Vorbei sind die Zeiten des charmanten Humors und unter den Figuren wird konsequent aufgeräumt.
Aufgrund der begrenzten Anzahl von nur 13 Episoden, wird die Handlung recht zügig vorangetrieben. Der Einstieg fällt dabei für Neulinge leichter, benötigen diese kaum Vorkenntnisse über die bisherigen Vorfälle der Serie. Fans müssen sich zunächst neu orientieren, denn der Mystery Aspekt weicht einer Science-Fiction Dystopie.
Technisch ist auch die finale Staffel auf hohem Niveau. Optisch bietet sich eine Fülle aus ansprechenden Kulissen und ansehlichen Effekten. Die nun häufiger auftretenden Actionszenen vermitteln annähernd Filmniveau.
Erzählerisch dagegen stolpern die Episoden ganz schön. Die Querverweise auf bereits vergangene Fälle sind zwar gut gemeint, vermitteln aber eher den Eindruck, eine ideenlose Nacherzählung zu erleben. Die Geschichte und auch die Figuren erhalten einen würdigen Abschluss, die Charakterisierung ist aber teils mit Längen verbunden. Zudem sorgen zahlreiche Logiklücken dafür, dass manche Folgen kurios wirken.
Die Hauptdarsteller halten sich auch in der fünften Staffel gut, erfahren aber keine Weiterentwicklung. Lance Reddick ("Jonah Hex") und Jasika Nicole treten handlungsbedingt etwas zurück. Der kurzfristige Neuzugang in Form von Georgina Haig funktioniert weniger gut, da sie nicht die nötige Erfahrung vorweist, glaubwürdig und spielfreudig quer in solch eine Serie einzusteigen.
Die finale Staffel von "Fringe" bereitet der Serie den notwendigen Abschluss, den die Serie auch tatsächlich verdient. Es ist jedoch überaus bedauerlich, dass die Handlung dafür ein unlogisches Konstrukt von Ereignissen wurde, die mühevoll erarbeitete Parallelwelt vollständig ignoriert wird und die mysteriöse Atmosphäre einer anstrengend endzeitlichen weicht.
So funktional die Leistungen der Schauspieler streckenweise waren, das Potenzial der Geschichte wurde nicht voll ausgeschöpft und kämpft teils mit Längen. Optisch dagegen gibt es nichts zu bemängeln. Von Anfang bis Ende hält "Fringe" sein hohes Niveau und den Anspruch an sich selbst. Auch aus moralischer Sicht. Knappe ...
7 / 10