Review

Titten und Explosionen Vs. Authenzität und Anspruch - Ein ungleicher Kampf

Eigentlich ist es ja ab und zu doch ganz witzig, die ein oder andere schlechte Kritik für einen Film abzugeben, denn oft kann man auch in gekonnt vergurkten Filmen etwas positives sehen. So sind viele wirklich unterirdische Streifen eben genau so derart schlecht, dass sie wieder ein gefundenes Fressen für Trashfans und Freunde der ungewollten Komik sind. Doch leider gibt es auch immer wieder Filme über die man nicht mal lachen kann, weil sie einfach nur eine bodenlose Frecheit sind.

Womit wir dann auch bei der ProSieben-Produktion "Die Brücke" wären.
Es fällt mir schwer die passenden Worte zu finden, angesichts dieses unverschämten Remakes - zumindest sollte es wohl ursprünglich ein Remake werden. Dass man von einer Fernsehproduktion alles in allem nicht wirklich viel erwarten sollte, dürfte wohl niemanden überraschen. Aber gerade da liegt meines Erachtens der Hund begraben - Schließlich handelt es sich hier nicht um irgend einen Film und auch nicht um irgendein Thema, was man ohne große Bedenken versemmeln kann, sondern es geht um den sehr ernsten und kritischen Film "Die Brücke" von Bernhard Wicki - ein durchaus anspruchsvolles Kriegsdrama, welches sich mit erschreckenden Bildern in die Erinnerung des Zuschauers brennt und diesen mit der Frage nach übertriebenen Gehorsam, Heroismus, Sinnlosigkeit des Krieges (vor allem in einer aussichtslosen Lage wie in den letzten Tages des 2. WK) konfrontiert und zum Nachdenken anregt.
Einen solchen Film teeniegerecht und leicht verdaulich zumachen, in dem man von dem ursprünglichen Thema ein wenig Abstand nimmt und den Fokus lieber auf die neu hinzugefügte Liebesgeschichte und ordentliche 2nd-hand-Action setzt, ist gleich in zweierlei Hinsicht eine kaum noch zu übertreffende Frecheit. Erstens ist es eine Beleidigung für das wirklich gelungene Original, was allein ja nicht sooo schlimm wäre, da TV-Remakes aus dem Hause ProSieben und Freunde im Allgemeinen immer ein gehöriger Schlag ins Gesicht des entsprechenden Originals und in das eines jeden Filmfreundes sind. Um ein Vielfaches schlimmer finde ich dagegen - und damit sind wir auch schon bei Punkt 2 - den leichfertigen Umgang mit diesem sehr sensiblen Abschnitt deutscher Geschichte. Und diesbezüglich wurde wirklich soziemlich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen konnte - denn eine kitschige Soap-Liebesschnultze mit ensprechenden Schauspielern mit in die Story einzubinden kann der eigentlichen Dramaturgie wohl kaum zuträglich sein. Ebenfalls unerträglich sind die schon erwähnten unnötigen Action-/Baller-/Krachszenen, welche wahrscheinlich eher weniger der Abschreckung dienen sollen. Aber wofür sind sie dann? Wer hier mit dem Argument der schlichten Unterhaltung kommt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen, denn dies ist nun wahrlich das unpassenste Thema für reine Unterhaltung.  Aber wahrscheilich ist es wohl das einzige Mittel um die mentale Unterschicht - eben die ProSieben Hauptklientel - überhaupt an die Glotze zu bekommen. Mit Authenzität und Liebe zum Detail allein kommt man heute eben nicht mehr weit ...ist ja auch viel zu aufwendig...und Ohne gehts ja ganz offenbar auch...

Aber um noch mal kurz auf den Film zu kommen: Es fällt mir denklich schwer Argumente für den einen Punkt zu finden, den ich leider gezwungenermaßen geben muss. Wenn es nach mir ginge sind Null Punkte noch zuviel für diese Zeit-, Zelluloid- und Geldverschwendung!!!

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