The Hero vs. The Serienkiller - der nächste Versuch!
Die Besonderheit hier: der Held ist vom Hals abwärts querschnittsgelähmt, hat einen Finger frei und macht trotzdem fett die Profilerarbeit im Fall eines Killers, der superkompliziert nach einem bestimmten Muster arbeitet. Das kann gut menscheln, das bringt Originalitätsbonus.
Aber auch wenig mehr. Denn beim "Knochenjäger" wurde mehr geändert als nur die Bedeutung des Titels (im Original ist das noch ein "Bone Collector", also ein Knochensammler), der ganze Roman findet nicht unbedingt Entsprechung in der Filmversion.
Für uns im Bett liegt Denzel Washington, der es schon immer verstand, Action mit Menscheln zu verbinden, ohne daß ihm dadurch ein absoluter Publikumserfolg beschieden gewesen wäre. Hier fragt man sich allerdings zu recht, weswegen es im gesamten Distrikt Manhattan niemanden in der Polizei gibt, der vielleicht halbwegs kompetent genug wäre, selbst auf das Schema zu kommen.
Doch, Michael Rooker als Ermittlungsleiter zeigt es uns ganz deutlich, hier sind die leitenden Polizisten allesamt Arschlöcher, die nur schnelle Ergebnisse wollen, und an feinsinniger Analyse kein Interesse haben. Deswegen muß der Euthanasiekandidat auch ran, um Licht in die Affäre zu bringen.
Da das natürlich statisch gewesen wäre, braucht er eine ausführende Hand und die gehört den aufgeplusterten Lippen von Angelina Jolie, die sich hier so lange widerstrebend gibt, bis wir an ihr Kindheitstrauma rangekommen sind (das haben die Macher aus dem "Schweigen der Lämmer"). Auch der geplante Selbstmord Washingtons kompliziert den Fall nur, der sich nur langsam entrollt, eben weil wir mit einem Behinderten nicht so viele Möglichkeiten haben.
Um wenigstens die Kompetenz des Gelähmten zu sichern, haben die Autoren dann das Motiv und Konstrukt des Killers so unendlich kompliziert gemacht, daß uns irgendwie nicht so ganz aufgehen will, warum er unbedingt nach diesem Schema handeln muß, außer daß da nur ein Spitzenmann draufkommen kann. Es bietet aber Miss Jolie ausreichend Gelegenheit in dunklen Tunneln und Löchern rumzuturnen und eine Leiche nach der anderen aufzufinden, bis der Täter Washington in den unbeweglichen Arsch beißt.
So lotet der action- und blutreiche Showdown zwar fast alle Möglichkeiten aus, die ein komplett Gelähmter allein gegen einen Mörder wahrnehmen könnte, erklärt uns aber nicht den Zufall, der ihn ohnehin schon mit ihm verbindet. Klar gibt es da eine Schuld aus der Vergangenheit, aber die unendliche und unlogische Mühe können nicht so ganz verstanden werden. Überdies ist es schon sehr auffällig, wenn ein relativ bekannter Schauspieler ausgewählt wird, um eine Rolle zu spielen, die anscheinend nur zweimal für wenige Sekunden im Bild ist.
Erfreulich immerhin das Wiedersehen mit "Al Bundy" Ed O'Neill als befreundeter Beamter, weniger erfreulich das unnötige Wegraspeln von diversen sympathischen und unsympathischen Nebenfiguren.
Einige starke Bilder und bizarre Ideen können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß man den abstrusen Schlußfolgerungen, die Washington aus den Spuren zieht, beim besten Willen nur mit Filmlogik folgen kann. (5/10)