Review

The Chaser
(Ascot Elite/MFA+)

Das Regiedebüt des Koreaners Na Hong-jin zeigt auf beeindruckende Art und weise, was gutes und anspruchsvolles Kino für ein erwachsenes Publikum ausmacht. In seinem ersten Langfilm The Chaser beweist er, dass es möglich ist, mit einer ausgeklügelten Geschichte, hervorragenden Darstellen, spannenden Situationen und Dialogen auch ohne ein großes Budget möglich ist, einen der erfolgreichsten koreanischen Filme der letzten Jahre zu drehen.
Die Geschichte dreht sich um den ehemaligen Polizisten und jetzigen Zuhälter Jung-ho, dessen Mädchen von einem Unbekannten verschleppt werden. Sich nicht auf die örtliche Polizei und seine Ex-Kollegen verlassend forscht er auf eigen Faust nach, und stellt bald einen Mann, der ihm seit geraumer Zeit nach zu spionieren scheint. Im Verhör gesteht dieser plötzlich einige Morde. Ist Jung-ho einem Serienmörder auf die Spur gekommen?
Die Wandlungsfähigkeit des Hauptdarstellers Kim Yoon-seok ist beeindruckend, und zeigt das herausragende Talent dieses Mannes. Die Darstellung des Ex-Polizisten und jetzigem Zuhälter Jung-ho, der zu Beginn der Geschichte als zynischer und skrupelloser Mensch auftritt, sich im Laufe der Handlung jedoch als zwar immer unberechenbarer Charakter präsentiert, jedoch trotzdem die Gefühle der Zuschauer immer mehr auf seine Seite zieht.
Ihm gegenüber steht der Part des brutalen Serienmörders Young-min, überzeugend dargestellt von Ha Jung-woo (unter anderem in Kim Ki-duks Time und Breath zu sehen), der es mit seinen unberechenbaren Wechseln vom Sympathieträger zum absolut Bösen, der absolut emotionslos über die Beseitigung seiner Leichen berichtet, schafft, den Zuschauer immer tiefer in einen Sog der morbiden Faszination und Spannung zu ziehen. Überzugende Darsteller, und die Konzentration auf die Haupthandlung (Nebenhandlungen werden nahezu komplett ausgespart, so baut sich ein unglaublicher Spannungsbogen auf, der sich über die komplette Lauflänge nicht nur hält, sondern kontinuierlich höher schraubt!), dazu eine grandiose musikalisch Untermalung, lassen The Chaser für mich zu einem der besten koreanischen Filme der letzten Zeit werden, der beweist, dass das Potential des koreanischen Filmes noch lange nicht ausgeschöpft ist. Die Thematik des gewalttätigen Verhörs und der Selbstjustiz lösen beim Betrachter zwiespältige Gefühle aus, die die Auseinandersetzung mit diesem Film sehr spannend und nachhaltig machen.
Zahlreiche Auszeichnungen auf diversen Festivals (Midnight Screening in Cannes, 45. Grand Bell Awards, 16. Chunsa Film Awards Festival, Fantasy Film Festival, etc.) weltweit bestätigen die Qualität diese beeindruckenden Filmes, und lassen den geneigten Zuschauer auf weitere Filme des Regisseurs hoffen.
The Chaser richtet sich gezielt an ein erwachsenes, mitdenkendes Publikum. Zuschauer, die Freude an einem spannenden, teils sehr drastischen, immer gut gespielten und sehr realistischen Film haben, sollten sich definitiv auf The Chaser einlassen.

CFS

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