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„The Chaser“ wurde als Festivalhit gefeiert, bekam gute Mundpropaganda – doch bei Ansehen steckt erstaunlich wenig dahinter.
Dabei ist die Prämisse durchaus interessant: Ex-Cop Jung-ho Eom (Kim Yoon-seok) arbeitet als Zuhälter und ist ein echter Kotzbrocken, zwingt er doch seine Mädels selbst bei Krankheit zur Arbeit. Mittlerweile sind ihm auch schon Damen abhanden gekommen, was ihn zu der Annahme verleitet ein Rivale habe ihm die Prostituierten gestohlen. Andere Optionen schließt er aus, Sorge kennt er nicht und schickt anschließend die kranke Mutter Mi-jin Kim (Seo Yeong-hee) zur Arbeit.
Der Kunde ist jedoch ein Killer, der bereits mehrere Prostituierte gekillt hat und auch Mi-jin ans Leder will. Doch er wird gestört, muss die verletzte Mi-jin zurücklassen und wird nach einem Verkehrsunfall, ausgerechnet mit Jung-ho, eingebuchtet. Als er sich verdächtig macht, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit…

Oder sagen wir eher Wettschleichen, denn Tempo darf man im Falle von „The Chaser“ besser nicht erwarten. Trotz der stattlichen Lauflänge von rund zwei Stunden passiert herzlich wenig, da der Film immer wieder Themen aufgreift und anreißt, aber nicht verfolgt. Da kommt ein Psychologe und unterstellt dem Killer Impotenz und Frauenhass, aus diesem Ansatz erarbeitet der Film aber nie ein Motiv. Der Killer hat halt einen an der Waffel und tötet, vielleicht lag der Psychologe richtig, vielleicht auch nicht – den Film interessiert das nicht und den Zuschauer bald auch nicht mehr.
Regelrecht lächerlich wird es dann bei der Darstellung der Ermittlungen. Die Polizei versagt bei einer Suche mit zig Männern, Jung-ho kann im Alleingang mit simpelsten Methoden mehr erreichen. Das Ganze wird dann noch in vordergründige Kritik am Polizeiapparat verpackt, die aber auch nach ner Weile nicht mehr zieht: Wenn man geständige Killer laufen lässt, Polizeibrutalität hin oder her, dann verabschiedet sich Kollege Realismus auch ganz schnell. Dafür darf Freund Zufall öfters Pate stehen, um die Handlung durch konstruierte Begegnungen am Laufen zu halten, man denke an die Szene mit der Ladenbesitzerin und der Killer. Man ganz abgesehen davon, dass die Szene in sich nicht gerade logisch ist: Der Killer will eifrig sein Werk beenden, aber zum Kippenkaufen ist noch Zeit, ja sicher.
Wesentlich interessanter ist da die Wandlung der Hauptfigur, die man aber auch aus zig anderen Filmen kennt: Vom Kotzbrocken zum guten Menschen, da gab es ja noch nie. Und natürlich spielt ein Kind bei der Wandlung eine große Rolle. Immerhin stellt „The Chaser“ besagte Wandlung ausgesprochen überzeugend dar, sodass der Film hier wesentlich interessanter wirkt als bei den schleppend in Szene gesetzten Ermittlungsarbeiten.

Immerhin macht die Regie ihre Sache wesentlich besser als das Script, denn die düsteren, teilweise verregneten Bildern transportieren eine kalte, abweisende Grundstimmung, die das Schicksal der Personen wunderbar widerspiegelt: Der desillusionierte Ex-Cop, die schwerverletzte Prostituierte, der von den Cops verprügelte Killer – sonderlich glücklich ist keiner. Konsequent ist da das recht negative Ende, ebenso der Verzicht auf größere Actionszenen – warum man dann die überlange, wenig spektakuläre Schlussprügelei dann so auswalzen muss, wird da nicht klar.
Schade ist es dabei um die tollen Darsteller. Gerade Kim Yoon-seok als desillusionierter Ex-Cop ist ein echter Gewinn und verkörpert seinen zynischen Antihelden sehr charismatisch. Auch Seo Yeong-hee holt viel aus einer Rolle raus, die den größten Teil des Films nur schwer verletzt am Boden liegend verbringen muss. Ha Jeong-Woo als kranker Killer ist ganz ordentlich, wirkt aber immer etwas blass, wenn er sich mit Kim Yoon-seok muss, der ihn einfach an die Wand spielt.

Wunderbar in Szene gesetzt, schön gespielt – und trotzdem ebenso lahm wie unglaubwürdig. Ein komplett auf Zufälle bauendes Script, diverse Unglaubwürdigkeiten in der Kritik an der Polizei und das Fehlen von Tempo schmälern die Qualitäten von „The Chaser“ leider. Wäre das Ganze ein US-Film, vermutlich hätte man verhaltener drauf reagiert.

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