Der Splatter- und Slasherfilm war - mit Ausnahme Italiens - in den 70er Jahren besonders in den USA ein sehr beliebtes Genre. Im „Texas Chainsaw Massacre" durfte Leatherface und seine übliche degenerierte Hinterwäldlersippe munter die Kettensäge schwingen und junge Menschen bedrohen. Als dann der Trend mit Filmen wie „Coma" und „Das Haus mit dem Folterkeller" in Richtung OP-Thriller ging, konnte man mit „Fleisch" auch einen deutschen Beitrag zu diesem Genre verzeichnen, der jedoch trotz einer gewissen Originalität deutlich Versatzstücke erkennen lässt: Junges Pärchen, Sex, mysteriöse Bedrohung, ein abgelegener Ort in der amerikanischen Provinz als Schauplatz des Grauens.
Die Story: Die Deutsche Monika (Jutta Speidel) und Amerikaner Michael (Herbert Herrmann) sind frisch verheiratet und steigen in einem günstigen Hotel irgendwo im Bundesstaat New Mexico ab. Als kurz darauf ein ominöser Krankenwagen auftaucht, wird Michael von bewaffneten Sanitätern verschleppt, während Monika fliehen kann und schließlich im Trucker Bill (Wolf Roth) an jemanden gerät, der ihr hilft, ihren Ehemann wieder zu finden. Die beiden decken ein riesiges Netzwerk eines Organhändlerrings auf, der junge Menschen skrupellos entführt und buchstäblich ausschlachtet...
Organhandel und Ethik in der Medizin - zwei brisante und höchst komplexe Themen, welche vom Regisseur und Drehbuchautor Rainer Erler leider nur oberflächlich abgehandelt werden. Primär ist „Fleisch" nämlich ein nervenaufreibender, spannender Thriller geworden, der sich jedoch einige Auszeiten nimmt. So ist Monikas Flucht mit Bill zunächst zwar plausibel, aber redundant angesichts des späteren Entschlusses, den Entführern von Michael doch noch auf die Spur zu kommen, indem sie zum Hotel zurückkehren, da sie einzig dort Spuren finden können. Erst in der zweiten Hälfte des Films entwickelt sich ein gewisses Tempo, wobei auch einige Hintergründe des Organhandels aufgedeckt werden. Doch wo man jetzt klare Verantwortliche als Antagonisten sowie Einblick in medizinische Praktiken und dementsprechend auch etwas Splatter erwartet, spart Rainer Erler diese weitestgehend aus: Vorteil: der Film gerät niemals zum lächerlichen Splatterfest, bleibt seriös ein lebt von einer suggestiv-bedrohlichen Atmosphäre; Nachteil: eine allgemeine Oberflächlichkeit wird nie durchbrochen. Die Abhandlung der medizinethischen Fragen um die Verantwortung des Arztes kommen nie über eine platte, moralinsaure Dialoge mit dem erhobenen Zeigefinger hinaus und die Musikuntermalung versprüht sowohl eine suggestive Bedrohung (der Score von Eugen Thomass erinnert hierbei zum Teil an die Musik der Zombiefilme von Lucio Fulci zu der Zeit Ende der 70er Jahre), ist aber auch zum Teil schlicht unpassend (so der deplatziert ruhig wirkende „Worth of a Man"-Song).
Fazit: Ein spannender, aber etwas angestaubter Beitrag zum Thema Organhandel, welcher jedoch einige Defizite in Inszenierung und Intensität aufweist. Streckenweise mit Längen, zum Teil hoch spannend kann „Fleisch" leider nur als oberflächlicher, reißerischer Thriller, nicht jedoch als kritisches Statement zu ethischen Fragen und medizinischen Problemen überzeugen.