„Darth Vader“ als Problem-Teenager? Nachdem Hayden Christensen in „Star Wars: Episode II“ als Charakterdarsteller hinten herunter fiel, zeigt er in „Das Haus am Meer“ doch, dass er schauspielern kann. Dennoch hinterlässt der etwas zu rührselige Film ob kleiner Schwächen am Ende einen bleibenden Eindruck. Die Darsteller spielen gut und die Bilder könnten pittoresker nicht sein.
Zur Story: Architekt George (abgemagert aber brillant: Kevin Kline) hat Krebs im Endstadium. Nachdem er entlassen wird, beschließt er, vor seinem Tod noch ein Haus zu bauen und sich mit seiner Ex-Frau Robin (etwas zu weinerlich: Kristin Scott-Thomas, „Mord im Pfarrhaus“) und seinem wütend-widerspenstigen Sohn Sam (Hayden Christensen) auszusöhnen. Ein Kampf gegen die Zeit beginnt, den Georges Krebsleiden schreitet zusehends voran.
Altmeister-Regisseur Irwin Winkler beweist nach Filmen wie „Das Netz“, dass er auch gefühlvoll inszenieren kann. Die ruhige Erzählweise und die melancholische Szenerie sind neben den prachtvollen Bildern und kleinen ironischen Seitenhieben (der Running-Gag mit dem vom Hund genervten Nachbarn) die Stärken des Films. Auch wenn nicht selten die melodramatischen Klippen nur allzu eng umschifft wurden: der Film rührt an. Leider wurde aber bei den Charakterzeichnungen gespart: Über Robins neuen Mann erfährt man so gut wie überhaupt nichts und auch die Wut, die „Anakin“ Christensen im Bauch hat wird nur notdürftig erklärt und dessen Wandlung zum „lieben“ Sohn kommt letztendlich zu plötzlich. Einzig George und Robin dürfen durch lange intensive, aber auch rührselige Dialoge ihre ehemalige Beziehung auswerten. Aber auch das trägt kaum zu einer tieferen Charakterzeichnung bei – auch wenn sich Kevin Kline redlich in seiner Rolle als versöhnungswilliger Vater müht.
Fazit: „Das Haus am Meer“ ist etwas fürs Herz. Kitsch wird weitgehend ausgespart, auch wenn die teils arg gefühlsduselige Inszenierung zuweilen etwas anstrengt. Darstellerisch überzeugend, mit einigen Längen, bleiben vor allem der nachdenklich stimmende Schlussmonolog und die pittoresken Bilder im Gedächtnis.