Kevin Kline spielt einen Architekten, der seinen Job verliert und gesagt bekommt, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat. Nun setzt er sich für den Rest seines Lebens ein neues Ziel: Er will mit seinem drogensüchtigen Sohn sein Traumhaus bauen und diesen dabei zurück auf den richtigen Weg bringen. Sein Sohn, der anfangs überhaupt nichts von der Idee hält, besiegt seinen Drogenkonsum und baut ein völlig neues Verhältnis zu seinem sterbenden Vater auf und verliebt sich sogar in ein Mädchen von nebenan.
Die Story ist wenig innovativ und entspricht alles in allem dem normalen Muster einer Tragi-Komödie. Wie bei vielen Filmen des Genres gibt es mal wieder eine Person, die in naher Zukunft stirbt, aber vorher alles zum Besseren wendet. Die Charaktere haben ein bisschen Tiefe, wobei man sich stellenweise dann doch zu vieler Klischees bedient. Das häufige Problem von Tragi-Komödien tritt auch hier wieder auf. Die Story verläuft einfach zu glatt und die Gefühle des Zuschauers werden somit viel zu offensichtlich und kalkulierend manipuliert. Die Wendungen sind somit leider sehr vorhersehbar, wodurch der Film weniger Spannung aufbaut und Potential verschenkt. Dennoch enthält der Film einige Nebenhandlungen und Einfälle über das 0815-Muster hinaus und kann eine geeignete Vorlage für eine solide Tragi-Komödie liefern.
Der Unterhaltungswert ist hoch. Der Film läuft erst einmal recht langsam an und lässt sich Zeit, die wichtigsten Figuren in aller Ruhe vorzustellen. Im Mittelteil kann er dann jedoch bestens unterhalten. Durch ein paar ordentliche und wohl bekömmliche Wortwitze wird der Film stellenweise amüsant und durch emotionale Wendungen erhöht er parallel die Dramatik. Die ganze Zeit über liegt ein gewisses Wohlgefühl in der Atmosphäre, dass auf den Zuschauer überspringen kann. Zum Ende hin wird "Das Haus am Meer" ein bisschen zu melancholisch und übertreibt es dann doch ein bisschen mit der Vermittlung von kalkulierten Gefühlen.
Regisseur Irwin Winkler ist bereits seit Jahren im Geschäft und produzierte Meisterwerke wie "Rocky", "Wie ein wilder Stier" oder "Der Stoff aus dem Helden sind", als Regisseur ist er noch nicht so lange tätig, inszenierte aber unter Anderem "Schuldig bei Verdacht" und "Das Netz" Entsprechend routiniert ist die Arbeit, die er leistet. Sein Erzähltempo ist perfekt und lässt die Handlung langsam und wohltuend ablaufen, ohne auch nur an einer Stelle gehetzt zu wirken, oder auf der Stelle zu treten. Die Musik ist die meiste Zeit melancholisch und kann somit vor allem die Dramatik steigern und die wohltuende, angenehme Atmosphäre untermauern. Die Kulisse ist wunderbar. Das Haus wird an einem malerischen Strand errichtet, der für den Zuschauer einige optische Reize bieten dürfte. Winkler holt wirklich alles aus dem Drehbuch heraus und verschenkt überhaupt nichts.
Kevin Kline ist in einer ungewohnt ernsten Rolle zu sehen. Nachdem er in "Ein Fisch namens Wanda" und "Wild, Wild West" in überaus amüsanten und lustigen Rollen zu sehen war, ist er hier im wahrsten Sinne des Wortes in einer todernsten Rolle zu sehen. Er bringt zwar ein paar Gags ein, bewahrt aber die ganze Zeit über Ruhe und Ernst, wodurch er den Anforderungen seiner Rolle in besonderem Maß gerecht wird. Gerade bei einem solchen Film braucht man gute Darsteller, die die Gefühle echt wirken lassen und Kline löst diese Aufgabe hervorragend. Hayden Christensen ist hier in einem seiner ersten Filme noch vor seiner bekannten "Star Wars"-Rolle zu sehen. Er kann als Junkie, der mit der Zeit wieder auf die richtige Bahn kommt beeindrucken. Der übrige Cast spielt ebenfalls überzeugend.
Fazit:
"Das Haus am Meer" ist keine überragende, aber auf jeden Fall eine gelungene Tragi-Komödie. Zu Lachen gibt es eher wenig, dafür ist der Film aufgrund seines langsamen Erzähltempos und seiner dramatischen und emotionalen Handlung sehr ergreifend und wohltuend. Leider trägt er stellenweise zu dick auf und vermittelt die Gefühle zu kalkuliert und zu übertrieben, wobei die guten Darsteller verhindern können, dass der Film zu kitschig wird. Auf jeden Fall empfehlenswert.