Ein Anti-Terror-Film oder gar US-Propaganda im Gewand des zeitgenössischen Torture-Porns?
Natürlich nur bedingt, denn bereits seit einigen Jahren kennen wir TV-Bilder, wie Terroristen Geiseln halten und diese Streams ins World Wide Web übertragen werden.
Dass das Internet für diverse Ideologien missbraucht wird, ist seit Erfindung dessen nicht neu und auch hier dient es mehr als nicht näher eingebundenes Vakuum, einen Geschäftsmann über Wochen gefangen zu halten und zu foltern.
Insofern bleibt die ganze Verpackung, der Hintergrund recht vage. Geschäftsmann Elliot Gast (Jason Behr) wird nach einem internationalen Abendessen gekidnappt, er erwacht in karg eingerichteten Räumen und wird per Folter nach und nach seiner Sinne beraubt.
Doch wann werden die Entführer endlich befriedigt sein und Elliot in die Freiheit entlassen und was kann er selbst tun, der Folter, die via Internet Millionen Nutzer verfolgen, zu seinen Gunsten entgegen zu wirken?
Die Situation der Hauptfigur ist in der Tat von Beginn an aussichtslos. Panzerglas und Metalltüren und sobald ein Fluchtversuch auch nur angedeutet wird, umzingeln ihn gleich mehrere Männer, die Alien-Masken tragen. Als Sprecher fungiert ein dunkelbärtiger Kerl mit Piratentuch, der Elliot seine Beweggründe schildert: Er soll stellvertretend für sein Land leiden, für den US-Imperialismus, die Arroganz und die weltweite Wirtschaftskorruption.
Warum ausgerechnet Elliot der Auserkorene ist, wird in Ansätzen angerissen, dass Geldgier der mögliche Hintergrund der Verbrecher ist auch, doch weiter ausgeführt werden beide Punkte nicht und wo Motivationen Mangelware sind, überträgt sich dies auf das Mitfiebern gegenüber der Protagonisten.
Natürlich leidet man mit Elliot mit, wenn der als erstes seiner Geschmackssinne durch ein heißes Bügeleisen beraubt wird und man sich ausmalen kann, dass es nicht die letzte Attacke ist, die stets mit simplen Haushaltsartikeln durchgeführt werden.
Aber die Sache verläuft anders als in dem vergleichbaren „Five Fingers“, wo beide Parteien psychologisch durchleuchtet werden und man Beweggründe auf jeweiligen Seiten erfährt.
Hier läuft die Sache leider auf keinen Twist hinaus, noch kann man mit dem Ausgang zufrieden sein, denn trotz einiger Flashbacks zu Elliots Kindheit, erscheint die komplette Aktion recht willkürlich.
Nun könnte man meinen, das sei deshalb realitätsnah, weil Terroristen im wahren Leben ähnlich wahllos handeln, doch gerade für eine Verfilmung solcher Ereignisse benötigt es eben mehr, als schwammige Andeutungen.
Von daher punktet die Handlung eher durch die Zwischensequenzen außerhalb der Folterszenen. Wie Eliot sich der einzigen weiblichen Terroristin anvertraut, die als Sprachorgan zwischen den Parteien fungieren soll und von der man nie genau weiß, ob angesprochene Hilfe nur Mittel zur Beruhigung ist oder am Ende doch eine Möglichkeit zur Flucht geschaffen werden könnte oder seine diversen Appelle direkt in eine der Kameras.
Wirklich zynisch und als globale Medienschelte reflektierend gestaltet sich zuweilen das Verhalten des Anführers, der Elliot innerhalb seiner Qualen dazu animiert, noch lauter zu schreien, um das breite Publikum im Sinne des Mitleids auf seine Seite zu ziehen.
An diesen Stellen, die leider sehr selten sind, hält man dem Betrachter einen Spiegel vor, was leider nicht konsequent weiter geführt wird.
Inszenatorisch schlicht gehalten, kann sich die klaustrophobisch erdrückende Stimmung rasch auf den Zuschauer übertragen. Kontrastarme Bilder, diverse Handkameras und Einbindung aus Sicht der grobkörnigen Überwachungskameras sorgen für ein authentisches Feeling und auch der Verzicht auf vordergründige musikalische Untermalung ist effizient.
Auf darstellerischer Seite erweist sich Jason Behr als solide Wahl, - je schlechter es seiner Figur geht, umso glaubhafter agiert er und vor allem in den Zwischensequenzen, wenn er sein körperliches Befinden nach einem erneuten Eingriff erkundet, gestaltet sich als recht intensiv verkörpert.
Am Ende enttäuscht jedoch die unzulänglich ausgearbeitete Geschichte der an sich guten Idee.
Bei den teilweise recht derb zur Sache gehenden Gewaltszenen (Stichwort Tastsinn) leidet man zwar unweigerlich mit, doch warum eben jenes Leid stattfindet und welche Beweggründe hinter dieser Tortur stecken, - all das erzeugt kaum Thrill und trotz latent zynischer Note fehlt am Ende die Pointe.
Fazit: Der Aufhänger zeigt durchaus eine innovative Note, doch die sozialkritischen Ansätze werden nicht detailliert genug ausgearbeitet, um auf ganzer Linie betroffen zu machen. Es ist eher ein Folterfilm mit psychologisch glaubhaften Dramen-Anteilen, doch der politischen Brisanz seines Backgrounds wird er nicht gerecht.
6 von 10