Das die Amis gerne asiatische Filme für ihr eigenes Publikum salonfähig machen, ist kein Geheimnis. Angefangen hat alles mit "The Ring", der auch wirklich perfekt den asiatischen Megaschocker ins amerikanische Gewand zwängen konnte, und nun läuft und läuft die Maschinerie immer weiter, obwohl die Ring-Qualität schon längst nicht mehr erreicht werden kann. Und nachdem bereits vor kurzem "The Unborn" derbe zerrissen wurde, kommt nun mit "Der Fluch der zwei Schwestern" schon der nächste Asia-Remake-Käse in die Kinos. Ein Film, den man wirklich nicht braucht, wenn da das Ende nicht wäre.
Vorab, ich kenne die Originalverfilmungen nicht, weshalb keinerlei Vergleiche von mir kommen werden. Das ein Remake aber auch ohne Kenntnis des Originals funktionieren muss, dürfte jedem klar sein, nur ist dem hier leider, mal wieder, nicht so. Dabei hat die Story deutliches Potenzial für ordentlichen Gruselstoff. Die junge Anna wird nach gut einem Jahr aus der Nervenheilanstalt entlassen und wohnt nun bei ihrem Vater und dessen neuer Freundin. Zusammen mit ihrer großen Schwester ist sie dicke Tinte, doch der schmerzliche Verlust ihrer Mutter macht den Mädchen immer noch zu schaffen. Diese ist nämlich bei einem Feuer ums Leben kommen. Nach einigen Recherchen stoßen die Mädels dabei auf Spuren, die zu Vaters neuer Freundin führen. Hat sie etwa den Brand damals gelegt, um sich an den Vater ranzumachen?... Auch wenn es nicht gerade innovationsvoll klingt, für eine ordentlich Portion Grusel, Grauen, Gänsehaut mag so ein Storyplot durchaus gut sein. Ein dunkles Geheimnis, ein mysteriöser Tod, merkwürdige Vorkommnisse und eine Verdächtige, die eh kaum jemand mag. Kurzum, die Zutaten für einen kleinen aber feinen Horrorstreifen sind ordentlich gelegt. Doch leider dauert es ungefähr geschlagene 70 Minuten (von ca. 87), bevor das Ganze interessant wird.
Denn abgesehen vom Ende hat der Film wirklich nichts zu bieten, was auch nur angehend Interesse erweckend wirkt. Die ganze Handlung zieht sich bereits von der ersten Minute hin wie ein Kaugummi und zeigt dem eingefleischten Horrorfan kaum etwas, was er nicht schon einmal gesehen hat. Von Innovationen oder gar eigenen Ideen ist nichts zu spüren, außer das wir zwei Schwestern bei ihrer Schnitzeljagd nach der ach so offensichtlichen Mörderin zusehen. Lange Zeit bleibt die Geschichte vorhersehbar, auch die Schockszenen riecht man zumeist schon Meilen gegen den Wind. Kurzum, lange Zeit hat man eher das Gefühl auf eine "leere Leinwand" zu starren, als auf eine lebhafte und knackig gestaltete Handlung.
Dieser Eindruck wird zudem verstärkt, weil die Regie-Gebrüder Guard absolut kein Gespür zu haben scheinen, das eh schon trockene Handlungsgerüst wenigstens in eine einigermaßen knisternde Atmosphäre zu verpacken. Die von ihnen eingesetzten Mittel dafür sind teils regelrecht erbärmlich und bieten ebenfalls kaum etwas Neues. Und das Altgediegene, was ja durchaus auch noch für Schauer über dem Rücken gut sein kann, wird so zaghaft und meist auch unpassend eingesetzt, dass man eher die Kälte der Kino-Klimaanlage im Genick spürt, als das einem vor lauter beissender Atmosphäre der Rücken klatschnass wird. Selbst als PG-13er hatten andere Horrorschocker ähnlicher Natur mehr zu bieten und sei es eben nur der besser getimte Schrecken.
Wer es allerdings schafft, nach 70 Minuten unfassbar seichter Handlung, welche zudem bis dahin auch nur selten wirklich logisch erscheint, trotzdem noch am Ball zu sein, der wird dann allerdings mit einem Plottwist überrascht, der sich gewaschen hat, zumindest wenn man das Original nicht kennt. Denn was man sich als "Aha"-Effekt ausgedacht hat toppt wirklich so einiges aus der letzten Zeit und lässt zudem auch schlagartig so manches Logikloch verschwinden. Auch wenn der Knaller, im Endeffekt, keine wirkliche Innovation darstellt, so wirkungsvoll wie hier, wünscht man sich so einen Knall eigentlich immer. Da fragt man sich gleich, warum das bisher eher stümperhafte Treiben dann plötzlich doch noch so knackig ausgehen kann. Deshalb sei nur jedem geraten unbedingt dranzubleiben, denn nicht nur das der Plottwist einschlägt wie eine Bombe, er wertet den Film zum Schluss dann doch spürbar auf.
Ein Lichtblick, welcher sich durch den kompletten Film zieht, sind allerdings die Darsteller. Die beiden Hauptdarstellerinnen Emily Browning und Arielle Kebbel sind nicht nur knackig anzusehen, sondern bewerkstelligen ihre Aufgabe auch mit Bravour. Auch wenn sie es nicht schaffen die Handlung einigermaßen aufzuwerten, ihrem Spiel sieht man dann doch recht gerne zu. Genauso sieht es auch bei Elizabeth Banks und David Strathairn aus, die ebenfalls zu überzeugen wissen. Na, immerhin etwas.
Fazit: Obs als Remake was taugt, keine Ahnung! Aber wohl eher nicht, denn als Film allein gesehen hat "Der Fluch der zwei Schwestern" überwiegend nicht mehr zu bieten, als einen seichten, uninteressanten und wirklich schon 1000 Mal gesehenen Handlungsverlauf, der nicht zu überzeugen weiß und auch in Sachen Spannung und Atmosphäre kaum etwas zu bieten hat. Doch dann kommt das Ende, welches zwar nicht neu ist, aber so perfekt das Treiben um 180 Grad dreht, dass man dann doch im Nachhinein zugeben muss, dass sich zumindest die klaffendsten Logiklücken plötzlich (fast) in Luft auflösen. Aber zu einem wirklich guten Film gehört unterm Strich dann eben trotzdem mehr als eine leere Leinwand, die erst kurz vor Schluss, auf beste Weise, gefüllt wird! Schade!
Wertung: 4,5/10 Punkte