Ich war bei dem Film ja anfänglich misstrauisch, schließlich waren die
Pixarfilme mit Autos und Robotern nicht so der Knüller. Aber hier haben
sie sich die Animationsexperten selbst übertroffen, ich würde sogar
wagen, nach Ratatouille vom besten Pixarfilm überhaupt zu sprechen.
Es geht um den Müllzerkleinerungsautomaten WALL-E, der der letzte noch
funktionstüchtige Roboter auf der menschen- und lebewesenleeren Erde
ist. Die Tagesabläufe von WALL-E sind dabei strukturiert: Mal fährt er
durch die verlassene Stadt auf der Suche nach Ersatzteilen, mal schaut
er wieder sein Lieblingsvideo "Hello Dolly!" - und mal geht er auch
seiner Aufgabe nach, Müll zu pressen. Doch wird der einsame Alltag des
kleinen Roboters plötzlich auf den Kopf gestellt, als ein gigantisches
Raumschiff landet, aus dem ein fliegender Suchdroid steigt. Schnell
versucht WALL-E, die unbekannte Roboterdame namens Eve für sich zu
begeistern – und verliebt sich schließlich in sie. Doch Eve hat einen
höher gestellten Auftrag, für den sie auf die Erde gekommen ist...
Schon der vorhergehende Kurzfilm, in dem ein weißes Kaninchen, dass aus
dem Hut gezaubert werden soll, dem Zauberer klar macht, dass es erst
eine Möhre haben will, ist mit Abstand der lustigste, den Pixar jemals
produziert hat. Aber mit WALL-E liefern sie dann eine derartig geniale
Satire auf die amerikansiche Gesellschaft ab, das man aus dem Lachen
gar nicht mehr herauskommt. Diese hat durch den ständigen Konsum,
gepaart mit der immer moderneren Technologie, das Laufen verlernt und
verbringt ihr Leben daher auf einem riesigen Raumschiff in fahrenden
Stühlen, kommuniziert nur noch per Sprachchat und wird von Robotern
gefüttert.
Den größten Respekt verdienen die Macher aber dafür, wie sie es
schaffen, die Roboter so unfassbar menschlich zu gestalten. WALL-E
sieht aus wie ein Miniaturkettenfahrzeug mit Brille aber die ihm
gegebene Neugier und Liebenswürdigkeit lässt ihn mit jeder Bewegung
humaner erscheinen als alle organischen Bewohner der Raumstation. Eve
hingegen, die in ihrem Design von Apple stammen könnte und von WALL-E
immer Eva genannt wird, da er ihren richtigen "Namen" nicht aussprechen
kann, hat einen sehr resoluten Charakter verpasst bekommen; was ihr
komisch vorkommt, das pustet sie kurzer Hand einfach mit ihrer
Laserkanone weg. Ihre Interaktionen mir WALL-E auf der Erde bieten auch die lustigsten Einlagen.
Insgesamt hat der Film wohl weniger Dialoge als Arnie im ersten
Terminator (lässt man das "Walleeeeeee" und "E-va" mal außen vor). Die
Menschen in diesem Film spielen nur eine sehr untergeordnete Rolle,
lediglich der Captain des Raumschiffs bekommt ein wenig Screentime
eingeräumt, um ein bisschen minderbemittelten Quark von sich zu geben.
Aber gerade dadurch hebt sich der Film stark von den anderen
Pixarfilmen ab und entwickelt eine ganz eigene, fasziniernde Atmosphäre
und das Artdesign und die Animationen sind wie gewohnt auf oberstem
Niveau. Natürlich ist der Film kindgerecht und das Ende herzallerliebst
aber dieser Film sollten sich auch Erwachsene nicht engehen lassen.
9,5/10