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Das Disney in den letzten Jahren immer geldgieriger wurde kann man wohl kaum abstreiten. Während im Kino eigentlich immer das selbe Prinzip eines Animationsfilms in einer möglichst anderen Verpackung wiederholt wurde, sah es besonders auf dem Video- und DVD-Markt schwarz aus. Unzählige unnütze Fortsetzungen alter Disney-Klassiker wurdem im Minutenntakt auf den Markt geschossen, einer liebloser als der anderer. Zumindestens handelte es sich dabei meistens um Zeichentrickfilme, hätte man die Fortsetzung entsprechend der heutigen Zeit computeranimiert, hätte jeder Filmfan wohl das Recht gehabt, Disney zu verklagen. Aber wie dem auch sei, lange ließ ein wunderschöner Film Disneys auf sich warten, nachdem die ganzen letzten Kreationen auf einen möglichst kinderfreundlichen Humor bauten. Dann kam Wall-E, der Lebensbeweis aus dem Hause Disney.

Tatsächlich schuf man mit Wall-E entgültig wieder einen in sich wunderschönen Film, mit mehr Herz als alle anderen Animationsfilme davor zusammen. Es geht um den Roboter Wall-E, der anscheinend als einziger die Erde sprichwörtlich aufräumen muss, nachdem sich die Menschheit ins All zurückgezogen hat. So fristet Wall-E sein dasein mit dem stapeln von Müll-Würfeln. Eines Tages erscheint der weitaus modernere Roboter Eve auf der Erde und Wall-E verliebt sich offensichtlich. Fortan versucht er ihr "Herz" irgendwie zu gewinnen.

Die erste halbe Stunde des Films ist wirklich wunderbar. Beinahe ohne ein menschliches Wort läuft der Film seine Runden, amüsiert mit jedem erdenklichen Mittel und punktet mit dem Roboter Wall-E wirklich perfekt. Ich lehne mich aus dem Fenster und behaupte, dass Wall-E die wohl liebenswürdigste Animationsfigur des neuen Jahrtausends ist... und bleiben wird. Selten traf ein Charakter so zielsicher ins Herz, wenn er nur die Augen zu einem traurigen Blick verzehrt.

Sobald Eve auf die Erde kommt wird der Film auch spürbar schneller, bis die Reise schließlich ins All geht, zum dem Mutterschiff der Menschen, die hier seit unendlich vielen Jahren leben und darauf warten, dass die Erde wieder bewohnbar wird. Allerdings befindet sich in der zweiten Hälfte des Films genau da der Schwachpunkt: Die Menschen.
Die passen irgendwie gar nicht in das vorher angefertigte Bild des Films. Klar sind sie irgendwie nötig, nur ist es in dem Fall fast schon so, dass sich hier niveauvolle und weniger niveauvolle Charaktere gegenüberstehen. Während Wall-E spürbar weniger im Bild ist als zu Anfang des Films, wird die Linse immer weiter auf die Menschen gedreht, die alle gefühlt fetter geworden sind als es ihnen wahrscheinlich gut tut. Leider baut man mit gerade dieser Eigenschaft auch auf die weit weniger niveauvollen Passagen des Films. Während Wall-E und Eve weiterhin das Filmherz zum schlagen bringen, sind die Menschen anscheinend einfach nur zum lachen da. zwar ist die Kritik, die hier angesetzt wurde, durchaus spürbar, aber mitunter schon zu sehr herausgearbeitet. Es war schon ein einigermaßen netter Zug, die Menschen enorm fett werden zu lassen um damit zu zeigen, was alles passieren kann, aber man hätte es dabei belassen sollen. Stattdessen stellt man sie neben ihrer Dickleibigkeit beinahe empfindlich für alles und jeden da, sobald sie auf dem Boden liegen. Tatsächlich haben sie sogar das laufen nicht mal erlernt, sondern sind von Geburt an in ihren stilsicheren Fahrzeugen unterwegs. Aber was solls, solange Wall-E da ist, ist alles gut.

Ich habe auch schon desöfteren gelesen, dass Wall-E "offensichtlich" von Nr. 5 aus dem gleichnamigen Film abgeguckt sein soll. Ich möchte nun nicht sagen, dass dies nicht der Fall sei (Äußerliche Ähnlichkeiten gibt es tatsächlich), aber den Film gleich deswegen schlechter zu bewerten finde ich dann doch schon ein wenig zuviel des Guten. Ob nun Wall-E abgeguckt sein soll oder nicht, er ist trotzdem wunderschön animiert und zugleich mit einer inneren Wärme ausgestattet, die Nr. 5 nie erreicht hat. Allein deswegen bevorzuge ich Wall-E.
Eve ist in dem Zusammenhang nicht wirklich von irgendeiner Basis abgeguckt wurden. Das einzige was man ihr vorwerfen könnte wäre noch die Tatsache, dass sie aussieht wie ein fliegender iPod mit Augen.
Wirklich liebloser animiert sind hier durchweg die Menschen, die zwar mit Leben gefüllt sind, aber trotzdem eher aussehen wie aus einem Computerspiel übernommen. Offensichtlich wurde hier weit mehr Gewicht auf die Animation der Roboter gelegt.

So kann man zum Abschluss sagen, dass sich Disney mit Wall-E endlich mal wieder selbst übertroffen hat, nachdem man die Jahre davor eher auf dem selben Prinzip sitzen geblieben ist. Hierbei sollte noch gesagt werden, dass sehr kleine Kinder den Film wohl nicht vollends verstehen werden, denn er setzt eindeutig Kritik an der heutigen Menschheit und ihrer Umwelt und ob das ein Kind mit 5 Jahren schon versteht möchte ich in Frage stellen.

Fazit

Wunderschöner Animationsfilm, der sich wirklich nicht vor alten Disney-Klassikern zu verstecken braucht. Für jeden Disney-Fan ein Muss... eigentlich generell für jeden ein Muss, denn diesen Film wird man noch in 100 Jahren lieben.

9/10

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