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Waste Allocation Load Lifter Earth-Class

"WALL-E" ist der nunmehr neunte computeranimierte Kinofilm der Pixar Animation Studios, für den sich ein Großteil der Macher von "Findet Nemo" zusammengefunden haben.

Durch die zunehmende Umweltverschmutzung wurde die Erde unbewohnbar. Schon lange haben die Menschen die Erde verlassen und eine Vielzahl an Aufräumrobotern der Klasse WALL-E hinterlassen. Nach 700 Jahren ist nur noch einer von ihnen übrig der sich im Laufe der Zeit weiter entwickelt hat. So räumt er nicht nur die Erde auf sondern analysiert alles was er in seiner Umgebung findet, sucht sich selbstständig Ersatzteile und den Bezug zu den einst auf der Erde lebenden Menschen. Insgeheim sehnt sich der kleine Roboter nach etwas Zweisamkeit in seinem einsamen Leben, den ihm sein einziger Freund, eine Kakerlake, nicht geben kann. Eines Tages findet er in einem Müllhaufen das erste Anzeichen von neuem Leben in Form einer kleinen Pflanze.
Kurze Zeit später landet ein voll automatisiertes Raumschiff auf dem sich ein Roboter namens EVE befindet. Da sie sich primär um ihre vorgesehene Aufgabe kümmert, ignoriert sie WALL-E, der sie neugierig bei ihrem Tun beobachtet. Nachdem sie lange Zeit bei ihrer Suche erfolglos bleibt beginnt EVE mit WALL-E zu kommunizieren. Der einsame WALL-E verliebt sich sogleich in die Roboterdame und zeigt ihr sein Heim. Ausgerechnet dort findet sie wonach sie die ganze Zeit sucht und deaktiviert sich. WALL-E's versuche sie wieder zu aktivieren bleiben erfolglos. Nach ein paar Tagen erscheint das Raumschiff, das EVE auf die Erde gebracht hat erneut, um sie abzuholen. Kurzerhand entscheidet sich WALL-E EVE zu folgen und hängt sich an die Außenhülle des Raumschiffs.

Pixar wendet sich mit "WALL-E" einem erwachsenerem Publikum zu. Statt massenweise kindgerechtem Klamauk liegt der Schwerpunkt auf Anspruch und der Art Humor, den man vorwiegend erst im fortgeschrittenen jugendlichen Alter verstehen kann. Im Gegensatz zu "Die Unglaublichen" oder dem letztjährigen "Ratatouille" hält sich der Humor etwas mehr zurück, besonders in den ersten 40 Minuten wo die Handlung noch auf der apokalyptischen Erde stattfindet und es kaum Dialoge gibt. Stattdessen präsentiert der Film eine epische Zukunftsvision die detailverliebter nicht sein könnte. Dies beginnt mit dem an Nummer 5 erinnernden Aufräumroboter WALL-E, Ruinen alter Hochhäuser, stapelweise fachgerecht verarbeiteter Müllwürfel und endet bei Kleinigkeiten wie Sandstürmen, Staub- oder Feuereffekten.
Ein Stimmungswechsel findet mit der Reise WALL-E's zu einer Raumstation mit einer Vielzahl an Menschen Robotern statt. Die apokalyptische Atmosphäre weicht einer futuristisch-sterilen. Der Handlungsverlauf wechselt plötzlich von einer starren Geschichte um WALL-E und EVE zu einer weitaus vielfältigeren die sogar den Mut zur Sozialkritik beherbergt.

Die Romanze zwischen den beiden Hauptfiguren nimmt einen überschaubaren Teil der Handlung ein und dient vorzugsweise dem Charakterdesign. Dieses beschränkt sich leider einzig auf die beiden Hauptcharaktere, Figuren die später hinzu kommen werden recht stiefmütterlich behandelt. Glücklicherweise sind diese Nebencharaktere meist nur Schmückwerk und eher selten storyrelevant, werden stattdessen aber für die Weiterleitung eines Gags genutzt.

Das Animationsabenteuer ist eine wahre Hommage an zahlreiche Science-Fiction-Klassiker. So finden sich insbesondere ab dem mittleren Teil immer wieder Zitate oder Referenzen zu "Krieg der Sterne", der "Alien"-Reihe oder "2001: Odyssee im Weltraum". Beispielsweise findet Richard Strauss' "Also sprach Zarathustra" zu einem denkwürdigen Ereignis der "fortgeschrittenen" Menschheit Verwendung. Sonst hält sich der Soundtrack in den meisten Fällen zurück und unterstützt nur emotionale oder actionreichere Abschnitte durch orchestrale Klänge.
Pixar bietet mal wieder eine erstaunliche Leistung wenn es um die Vermenschlichung seiner Charaktere geht. Trotz minimalistischer Möglichkeiten durch Sprache oder Mimik gelingt die Zeichnung der menschlich wirkenden Roboter voll und ganz. Allein durch Pfeiftöne oder der Bewegung der Roboter erkennt man sofort in welcher Gefühlslage sich diese befinden. Dagegen wirken die später auftretenden Menschen schon beinahe zu einfach animiert.

Erstmalig finden auch kurze Passagen mit echten Schauspielern ihren Platz. Pixar verwendet diese in Hologrammnachrichten der einstigen Bevölkerung der Erde, entweder als Werbefläche oder Mitteilungen des einstigen Präsidenten.
Werbefläche bietet auch die Verwendung eines alten Apple iPod welcher die Beziehung von Pixar zu Apple untermauert. An der Gestaltung von EVE war zudem ein Designer von Apple beteiligt.

Wie zu erwarten schleichen sich im Laufe der Handlung ein paar Logiklöcher ein. Einige hätte man sicher vermeiden können, andere werden durch das futuristische Thema kaschiert. So überlebt beispielsweise eine Pflanze den minutenlangen Ausflug ins All ohne von der eisigen Kälte Schaden zu nehmen. Über diese Patzer sieht man aber gerne weg. Einzig das erzwungene Happy End möchte dann nicht mehr so ganz ins gesamte Bild passen.

Pixars "WALL-E" ist liebevoll, detailverliebt sowie vielseitig, insbesondere in den Bereichen der Hauptcharaktere, Animation sowie Handlung, ist technisch eine Augenweide und endlich mal wieder innovativ im Storytelling. Eine Meisterleistung die nicht zwingend für ein junges Publikum gedacht ist.

10 / 10

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