Die Jungs (und Mädchen) von Pixar schaffen etwas, das sonst Niemandem in Hollywood vergönnt ist: Sie kreieren einen Kassenhit nach dem anderen. Immer wenn man denkt, besser geht es eigentlich nicht mehr, dann kommst spätestens 2 Jahre später ein mindestens ebenbürtiger Film heraus. In dieser Reihe mag es Ausnahmen oder auch einfach andere Meinungen geben, doch nichtsdestotrotz ist diese Leistung absolut bemwerkenswert! Vor allem dann, wenn man bedenkt, dass Pixar sogar nach dem grandiosen Langfilm-Meilenstein "Toy Story" vor dem Aus stand. Der hier vorliegende "Wall-E" ist nur einer der Gründe, warum man als Filmfan dankbar sein kann, dass es nie so weit gekommen ist.
Ob "Wall-E" wirklich eine Verbesserung zu "Ratatouille" darstellt ist eine streitbare Frage. Bestach die Story um die geniale Ratte Remy, die sich als Koch in Frankreich einen Namen macht durch eine wirklich witzige und aufregende Story und noch viel wichtiger: viel Herzenswärme, vermisste ich diese Attribute ein wenig in der ersten Hälfte von "Wall-E". Natürlich sind die beiden turtelnden Roboter sehr emotional animiert, nichtsdestrotz wirken in der Betrachtung der Beiden einige Liebesbekundungen aufgesetzt. Genau an dieser Stelle kann man als Zuschauer ins Zweifeln geraten, ob sich das Pixar-Team diesmal an ein Sujet wagt, dem es wirklich gewachsen ist. Die eigentliche Ausgangsidee ist eigentlich sehr gut: Ein kleiner und einsamer Roboter mit leicht rostiger "Nummer 5"-Optik geht unbeirrt seiner Aufgabe auf der mittlerweile verlassenen Erde nach: er räumt unbeirrbar auf. Diese Prämisse wirkt zum einen sehr erwachsen, wirft Fragen auf und deckt so ganz nebenbei viele Makel der Menschheit auf. Denn was Wall-E da so fleissig wegräumt ist nichts weiter als der Müll, den die unachtsame Menschheit auf ihrer einstigen Heimat zurückgelassen hat, um dann irgendwann das Weite zu suchen. Insofern hat man es bei "Wall-E" mit einer klassischen Endzeit-Thematik zu tun, die man in einem "Kinderfilm" wohl so nicht erwartet hat.
Bis dann die ultramoderne Drone Eve auftaucht und sich eine Turtelei zwischen den Maschinen entwickelt, hat man es mit dem "erwachsensten" (das ist hier weder positiv noch negativ gemeint) Pixar-Film zu tun. Schließlich verbreitet der Film trotz aller Putzigkeit des kleinen Roboterseine Atmosphäre, die den denkenden Zuschauer schaudern lassen sollte. Wenn dann jedoch der Fokus auf die Turtelei der beiden Maschinen gesetzt wird, verpufft diese Atmosphäre im Nichts. Gerade duch die Limitierung der sehr bescheidenen Ausdrucksmöglichkeiten der beiden wirken viele der Gesten übertrieben bemüht.
Zu voller storytechnischer Qualität entfaltet sich "Wall-E" erst, wenn die beiden auf dem zwischenzeitlichen Heimatschiff der Menschen angekommen sind. Dort wird weiter an der beinahe zynischen Zukunftsvision gearbeitet. Die Tatsache, dass die Menschen nahezu degeneriert und dickbäuchig auf ihren schwebenden Liegestühlen durch die Gegend gekarrt werden, um sich von Robotern von hinten und vorne bedienen zu lassen, wirkt auf die jüngeren Zuschauer sicherlich lustig genug, um sie zu unterhalten. Allerdings gibt diese Beobachtung der Zivilisation dem gereifteren Zuschauer wiederum Grund genug sich Gedanken zu machen. In diesem Zusammenhang fällt auch ein Novum auf: Die Videoaufnahmen der Menschen, die gerade in der ersten Filmhälfte eine große Rolle spielen, stammen von echten Menschen, während die "dicke Menschheit" pixartypisch animiert ist. Wirklich störend wirkt sich dies nicht aus, stellt aber wohl einen ungewohnten Bruch innerhalb des Filmes dar.
Technisch gesehen ist der Film wieder ein kleiner Schritt nach vorne. Perfektionierten die Filmemacher in "Ratatouille" ihren Stil mit wilden Kamerafahrten, tollen Animationen und bahnbrechendem Detailreichtum vollends, setzt "Wall-E" noch einen oben drauf. Sie verbessern die Perfektion, indem sie "filmtypische Imperfektionen" hinzufügen. So verrückt, wie das klingt, bereichern sie ihren Film, der sich nicht an die Grenzen der üblichen Kameraarbeit halten müsste, um genau diese Elemente. So sieht man kurze Unschärfen, Kameraschwenks und weitere Stilmittel, an die man sich als Filmschauer so gewöhnt hat. Mit welchem Aufwand Pixar so weiter an ihrem Stil arbeiten ist bezeichnend. So nahmen die Macher "Nachhilfeunterricht" bei einem echten Kameramann, der den Pixelspezialisten einen Crash-Kurs in klassischer Kameraarbeit und Beleuchtung gab. Das Ergebnis dieser Bemühungen fällt nur sehr aufmerksamen Beobachtern auf, ist aber wieder ein Mosaikstück, das die rein technische Komponente dieser Filme verbessert. Heraus kommt eine wirklich tolle Optik, die zum Einen die vermüllte Erde in ihren schmutzigen Erdtönen wunderbar auf die Leinwand zaubert, zum Anderen auch die klinische Atmosphäre des Raumschiffes darstellt. Beeindruckender wirkt im Vergleich dabei eindeutig die Darstellung der Erde, da man sich an klinisch perfekte Animationsfilme schon mehr als gewöhnt hat. Wenn die (immer noch) neue Technologie so eindrucksvoll genutzt wird, um Schmutz und Verfall darzustellen, wirkt dies um ein großes Stück beeindruckender.
Den kurzen Hänger in der Filmmitte kann man bei solch einem tollen und generationenübergreifend funktionierenden Film gut verschmerzen. Ansonsten macht "Wall-E" nämlich alles richtig, sowohl, was die Geschichte, als auch die technische Asuführung angeht. Allerdings muß sich "Wall-E" dem letzten Werk "Ratatouille" zumindest knapp geschlagen geben, da dieser ein ganzes Stück stringenter, zwingender und auch herzlicher war, als "Wall-E".
Fazit:
8 / 10