Wall•E - Der letzte räumt die Erde auf (2008)
Pixar ging mit seinem neunten Kinofilm scheinbar neue Wege und machte den weitestgehend stummen Roboter Wall•E zum titelgebenden Helden. Dennoch kann man sich zum ersten mal in der Geschichte der Computeranimationsfilme tatsächlich mit einem Charakter identifizieren. Das sagt allerdings auch schon etwas über das Genre aus. Natürlich lag der Schwerpunkt, bis Wall•E kam, auf simplen Komödien die extrem kindgerecht sein mussten. Dennoch hatte ich fast immer das Gefühl, dass zuviel Geld für ködernde Animationen ausgegeben wurde und dabei die Story und Komik vernachlässsigt wurden. Lediglich Findet Nemo und Madagascar würde ich als gelungene Vertreter dieses Genres bezeichnen!
Story & Genre Teil 1: Die Erde wurde vor mehreren hundert Jahren von den Menschen verlassen und nun ist Wall•E der letzte verbliebene Roboter auf der Erde. Seine Aufgabe ist leicht zu erklären aber schwer zu meistern: Er soll nämlich den völlig verdreckten Planeten wieder auf Vordermann bringen und für die Rückkehr der Menschen vorbereiten. Bis auf eine einzelne Kakerlake gibt es kein Leben mehr auf der Erde, Flora und Fauna sind scheinbar völlig verstört (wie überlebt dann eine Kakerlake?). Es gibt zumindest "kein" Leben auf der Erde. Und um das abermals zu überprüfen schicken die Menschen ein "weibliches" Exemplar der neuen Robotergeneration EVE auf die Erde. Diesen doch recht gelungenen ersten Teil des Films macht vor allen Dingen die Sehnsucht Wall•Es nach emotionaler Nähe aus, die er in EVE scheinbar findet. Diese Sehnsucht wird häufig auch treffend dargestellt. Zum Beispiel wenn Wall•E versucht mit seinen vielen Sammlerstücken, welche er in den einsamen Jahren auf der Erde angesammelt hat, zu beeindrucken.
Im Gegensatz zur weit verbreiteten Begeisterung über die ausdrucksstarken und toll animierten Augen und die minimalistische Sounduntermalung bin ich gerade bei diesen Punkten extrem abgeneigt. Der Dackelblick zieht vielleicht zu Beginn des Films, doch wird die Mimik im Verlauf des Films einfach viel zu monoton. Und auf Dialoge wie "Wall•E" "EVE" "Wall•E" "EVE" "Wall•E" "EVE" kann ich dann auch gerne verzichten. Das nervt einfach zu schnell. Eigentlich seltsam, aber man hätte meiner Meinung nach auf noch weniger direkte "Dialoge" setzen sollen. 25/40
Story & Genre Teil 2: Ich will hier zwar nicht rumspoilern, muss allerdings sagen, dass bereits der Übrgang in die zweite Filmhälfte arg mies gemacht ist. Und auch die kleinen logischen Fehler fangen hier erst richtig an. Zwei kleine Beispiele: Blume im All und wenn das Raumschiff im All eine Kurve fliegt purzeln die Menschen wie Bowlingpins (denn genau danach sehen sie aus und grauenhaft schlecht animiert sind sie auch noch!) ohne dass schlussendlich was ernsthaftes passiert!
Im zweiten Part des Films wird die postmoderne Lifestyle-Konsum-Menschheit an den Pranger gestellt. Dies allerdings so überspitzt, dass es einfach nur noch lächerlich ist. Abneigung oder gar Ekel gegenüber der faulen, verweichlichten und verblödeten Spezies Mensch kommt, wie in so vielen Animationsfilmen, ausschließlich aufgrund der Animation der Menschen zustande. Offensichtlich ist Pixar immernochnicht in der Lage Menschen wenigstens akzeptabel zu animieren. Dass das schwer ist kann ich verstehen, allerdings wird durch dieses offensichtliche Manko auch deutlich warum man sich bei Pixar einen Blechkasten als Hauptcharakter ausgesucht hat. Denn so kann man ungestört bei der Minimalmimik übertreiben und die breite Masse findets einfach süß. So feinfühlig der erste Part des Films auch sein mag, so stupide und blass ist der zweite ,aufgrund der Flut an uninteressanten Charakteren, allemal. Und das Ende kam selbstverständlich auch sehr überraschend... Es stimmt einfach nichts mehr! 2/30
Animationen: Die Animationen sind im Grunde positiv zu bewerten und zeigen viele Liebe zum Detail seitens Pixar. Allerdings kommen im zweiten Teil dann ja die Menschen ins Spiel, welche eine gute Wertung schon fast zwangsläufig verhindern. 5/10
Kamera: Zu Beginn lässt sich der Film Zeit für lange und wirklich beeindruckende Kamerafahrten welche gut zur jeweiligen Stimmung passen und harmonisch erscheinen. Da zum Schluss allerdings nur noch auf simple, hektische Actionschnitte gesetzt wird unterstreicht Pixar auch hier die Zweischneidigkeit seines Werkes. 5/10
Sound: Die musikalische Untermalung ist unauffällig aber in Ordnung. Das hohe gepiepse und hohle Gelaber der Charaktere nervt allerdings so stark, dass auch diese Wertung deutlich in den Keller geht. 3/10
Fazit: Ich hab den Film zuerst in einer Sneakpreview gesehen (mit der ursprünglichen Absicht ihn nie zu sehen!) und ihm jetzt eine zweite Chance gegeben. Die Wertung fällt allerdings immernoch mies aus. Der Film hat definitiv auch gute und wirklich unterhaltsame Momente. Diese lassen mich allerdings nicht die letzte halbe Stunde des Films vergessen. Leider! Es bleibt mir nichts anderes übrig als zu sagen: Wall•E hätte ein echt guter Einstünder werden können;) 40/100