Review

Gesamtbesprechung

Mnemosyne ist in der griechischen Mythologie die Mutter der neun Musen und die Verkörperung der Erinnerung. Wer unsterblich ist, der sammelt im Laufe der Zeit unendliche Erinnerungen. Ist Unsterblichkeit noch eine schöne Vorstellung, wenn man gejagt wird und immer wieder grausame Schmerzen zugefügt bekommt? Wenn man eine geliebte Person zwangsläufig sterben sehen und eine Ewigkeit mit der Trauer um sie zubringen muss?

Der Baum Yggdrasill, in der nordischen Mythologie die Esche, die den Weltraum strukturiert - beim Weltuntergang wird sie verbrennen - erscheint hier als weitverzweigte, viele Früchte tragende Krone am Horizont; erinnernd an das Adern- oder das Nervengeflecht des menschlichen Gehirns. Von ihr aus schweben die Früchte, die Unsterblichkeit verleihen, wenn sie von einer Frau aufgenommen werden, unsichtbar durch die Luft. Wenn ein Mann sie aufnimmt, wird er ein Engel. Nicht unsterblich, aber von gewaltiger Kraft und von tödlicher Verführungskraft für unsterbliche Frauen.

Hauptfigur Rin Asougi lebt in dieser Anime-Serie als Privatdetektivin mit ihrer Freundin und Kollegin Mimi zusammen. Die beiden "jungen" Frauen verbindet überdies eine unverbindliche homoerotische Beziehung. Zumindest Computerfreak Mimi hat jedoch zahlreiche wechselnde Partnerinnen, oft auch nur, um an Informationen für ihre Ermittlungsarbeiten zu kommen. Über mehrere Generationen erstreckt sich die Geschichte, deren roter Faden - unter anderem - die konstante Bedrohung durch den ebenfalls unsterblichen Erzfeind Apos darstellt. Apos wird als gelangweilter Sadist gezeigt, dessen Hobby die Folter von ihm gefangen gehaltener unsterblicher Frauen ist. Die männlichen Figuren wechseln des Öfteren, da sich Rins und Mimis Existenz über viele Lebensalter hinzieht und zudem die Gefahr immer nah ist, dass die betreffenden Männer in Engel verwandelt werden, was für sie selbst sowie für Rin und Mimi äußerst gefährlich ist.

Die Stimmung der Serie ist melancholisch, wenn auch kleine humoristische Akzente ab und zu vorhanden sind. Insbesondere gegen Ende, angesiedelt in einem unterkühlten futuristischen Szenario, fühlt sich "Rin" an wie ein Treiben durchs Ungewisse, bevor mit der finalen Konfrontation mit Apos ein traditioneller Showdown geboten wird. Dieser hält jedoch die eine oder andere Überraschung bereit. "Rin" ist für ein reiferes Publikum konzipiert, bietet dezente Anklänge an SM-Erotik und einige fiese Gewaltszenen, wird aber nie so herb, dass die elegante stilistische Grundlinie verlassen wird.

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