kurz angerissen*
Nicolas Roegs Wien-Film - eine fast noch intensivere Erfahrung als sein berühmtes Venedig-Werk “Wenn die Gondeln Trauer tragen”. Entscheidend angetrieben vom Zusammenspiel des Musikers Art Garfunkel und der damals noch unerfahrenen Schauspielerin Theresa Russell, lässt der Regisseur einmal mehr die Spontaneität walten und setzt sie zu einem Mosaik zusammen, bei dessen Montage Unsauberkeiten nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern regelrecht herbeigeführt werden.
„Bad Timing“ ist folglich ein Originaltitel, der in jeder Hinsicht passt. Eine „Anatomie“, wie im deutschen Begleittitel vorweggenommen, ist die rückwärts gewandte Erzählung ebenfalls, obwohl ja gerade das Klinisch-Saubere, das man mit diesem Begriff verbindet, nicht zutrifft. Im Schwenk begriffen verschneidet Roeg immer wieder die hektische Gegenwart, die von einer Notfallsituation bestimmt wird, mit Fetzen einer Rekonstruktion des Tathergangs. Lässt vor allem die Drehorte Bedeutung nehmen mit ihren meist als Zwischenwelten gestalteten Sets (Grenzzölle, Treppenhäuser), auf denen meist Abschiede gefeiert werden. Schickt die Künstler des Soundtracks in einen Meta-Dialog, um die jederzeit zum Scheitern verdammte Handlung zu kommentieren.
Kein Wunder, dass die zeitgenössische Kritik überfordert war, stellen sich die Inhalte doch hauptsächlich wegen der strukturellen Herangehensweise als so obszön und schmutzig-intim dar. Jahre später entfaltete sich erst der wahre Wert dieser verschlungenen Beziehungstragödie. Das richtige Timing ist heute.
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