Der Frieden zwischen der Welt der Menschen und einer unsichtbaren Welt des Fantastischen wird von einem jungen Prinzen, gespielt von Luke Goss, gebrochen, der nun eine unbesiegbare Armee zum Leben erwecken will. Da seine Schwester jedoch mit einem wichtigen Artefakt entkommen kann, ohne das er die Armee nicht kontrollieren kann, liegt es nun an Hellboy, gespielt von Ron Perlman, und seiner Truppe, diese zu schützen und zu verhindern, dass der Prinz das Artefakt findet.
Seit "Hellboy" und "Pans Labyrinth" hat sich Guillermo del Toro in Hollywoods Regie-Riege etabliert und zählt neben Christopher Nolan sicherlich zu einer der größten Entdeckungen der letzten Jahre und in Anbetracht der großen Anhängerschaft, die er sich mittlerweile aufbauen konnte, wird sein Weg zum Kultstatus wohl noch weiter anhalten. Und der Mann hat es definitiv verdient.
Zunächst einmal der Hinweis: Man muss sich schon auf den Film einlassen, wenn man ihn wirklich genießen will und wenn man wegen der Trailer mit Erwartungen an einen hirnlosen aber unterhaltsamen Blockbuster an "Hellboy - Die goldene Armee" herangeht, wird der Film eine Enttäuschung werden, dasselbe gilt auch für Zuschauer, die einen ähnlichen Film wie den ersten Teil erwarten, bzw. für die, die sich einen ähnlich düsteren und dramatischen Film wie "Pans Labyrinth" erhoffen. Für die, die "Hellboy 2" jedoch zu schätzen wissen und sich vorurteilsfrei auf den Film einlassen, hält Guillermo del Toro einige Überraschungen bereit.
Die Leidenschaft von del Toro ist in jeder Szene deutlich spürbar. Er kreiert dutzende verschiedene Figuren, die allesamt mit del Toros perfekter Ausstattung und der überragenden Maske sehr ansehnlich geworden sind. Die Kulissen sind mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt, egal ob in der Welt der Menschen, oder in der Welt der übrigen Gestalten, del Toros Fantasiewelten bieten zu jedem Zeitpunkt eine Optik, wie sie nur ganz wenige Film erreichen, man denke nur an die Szene auf dem Jahrmarkt der Trolle, die wohl keiner vergessen wird, der sie auf der Leinwand erleben durfte.
"Hellboy 2" überzeugt aber nicht nur durch seine abwechslungsreichen Masken und seine beeindruckenden Bilder, sondern auch mit dem, was dahinter steckt. Obwohl del Toro enorm viele verschiedene Wesen in seinen Film integriert und im Minutentakt neue Figuren ins Spiel kommen, ist "Hellboy 2" nicht die nervige Freakshow geworden, die die Trailer den pessimistischen Zuschauer haben erahnen lassen. Del Toro gibt sich bei der Charakterkonstruktion alle Mühe und vermeidet weitestgehend Gut-Böse-Klischees, da er sowohl Hellboy und seine Truppe, als auch die Gegenspieler mit Ecken und Kanten ausstattet und mit ihnen einige menschliche Charakterzüge widerspiegelt. Damit überzeugt "Hellboy 2" wortwörtlich vor und hinter der Fassade.
Um seine Charaktere so stark konstruieren zu können benötigt del Toro natürlich auch einige Minuten seiner Laufzeit und so ist das Sequel bei Weitem nicht so kurzweilig wie sein Vorgänger und tut sich anfangs leider auch ein wenig schwer, auf einen soliden Unterhaltungswert zu kommen. Für die, die sich einen Actionfilm erhoffen hält del Toro aber auch einiges bereit und findet über weite Strecken Kompromisse zwischen seiner persönlichen Fantasiewelt und den wichtigsten Aspekten des aktuellen Mainstreamkinos. Die Effekte sind optisch perfekt und entsprechen dem aktuellen Höchst-Niveau der amerikanischen Tricktechnik und sind von del Toro überzeugend und mit Übersicht in Szene gesetzt, auch wenn sie quantitativ ruhig ein bisschen höher dosiert sein könnten.
Wie bei seinem ersten Teil, hält del Toro neben seinen Action-Szenen auch noch den einen oder anderen Lacher parat. Da er seinen Figuren, auch dem nach außen so starken und ernsten Hellboy einige liebenswerte Fassetten lässt, kommt sein Humor sehr sympathisch und damit amüsant an, auch ohne die Verwendung von billigem Slapstick oder niveaulosem Fäkalhumor. Durch diesen liebenswerten Flair, den "Hellboy 2" die ganze Zeit über ausstrahlt, gelingt del Toro nur stellenweise eine düstere Atmosphäre und damit ein ordentlicher Spannungsbogen, der also noch höher hätte werden können. Aber man kann nun mal nicht alles haben und del Toros Entscheidung für eine liebenswerte und lustige Inszenierung hat definitiv einiges für sich. Darüber hinaus erzeugt die über weite Strecken unvorhersehbare Handlung auch so eine gewisse Spannung. Einzig und allein der unauffällige Score wäre noch zu bemängeln, denn der war im Trailer wesentlich besser als im Film.
Auch der Mann hinter der Maske, Ron Perlman, leistet ein zweites Mal sehr gute Arbeit. Nachdem er bereits in "Blade 2" und im ersten "Hellboy"-Teil unter der Regie von del Toro gearbeitet hatte, bringt er hier eine der besten Leistungen seiner Karriere. Trotz seiner verbissenen Art in den Action-Szenen und seinen zynischen Sprüchen, die ihn als perfekten Anti-Helden auszeichnen, stellt er die liebenswerten Seiten seiner Figur in den emotionaleren Momenten rundum überzeugend dar und verhindert mit diesem starken Spiel, dass der Film in eben diesen Szenen in peinlichen Gefühlskitsch abgleitet. Selma Blair, kann ebenfalls voll und ganz überzeugen, da auch sie die Sympathie des Zuschauers für sich gewinnen kann und auch am übrigen Cast gibt es nichts zu bemängeln, weder an den Akteuren vor, noch an Akteuren hinter diversen Masken und Make-up.
Fazit:
Neben perfekt animierten Action-Szenen und ein paar sympathischen Gags hält Guillermo del Toro für die Zuschauer, die sich auf sein Werk einlassen, einen der fantastischsten Film der letzten Jahre bereit, der mit seiner faszinierenden Maske, seiner detailverliebten Kulisse, sowie mit seiner vollkommenen Ausstattung optisch absolut brilliant gelungen ist und darüber hinaus den einen oder anderen tiefsinnigen Denkansatz bereithält. Für Fans des Regisseurs, bzw. des Genres ist die liebenswerte Comic-Verfilmung auf jeden Fall zu empfehlen, wird aber auch nicht jedem gefallen.
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