Review

"Und in seiner unendlichen Gier beanspruchte der Mensch die Herrschaft der Welt für sich."

Eine Legende besagt, dass Menschen und Zauberwesen einst im Krieg standen. In eine verzweifelte Lage versetzt, ließ Balor (Roy Dotrice), König der Elfen, eine mechanische Armee aus 70 x 70 Kolossen errichten. Diese goldene Armee schickte er erfolgreich gegen die Menschen, bereute aber gleichzeitig seine Entscheidung die Menschen dadurch rücksichtslos getötet zu haben. Er schloss Waffenruhe zwischen den beiden Völkern und deaktivierte die goldene Armee. Gleichzeitig teilte er den Schlüssel zur Aktivierung der Armee, seine Krone, in drei Teile. Eines gab er den Menschen, zwei behielt er für sich. Sein Sohn Prinz Nuada (Luke Goss) teilte aber nicht die Meinung des Königs. Er befürchtete, die Menschen würden niemals die Natur und ihre wundersamen Wesen anerkennen. Aus Trotz verließ er sein Volk und wandelt seitdem im Exil.
Im heutigen New York lebt Hellboy (Ron Perlman) noch immer im Untergrund des "Bureau für Paranormal Research and Defense“ (BPRD) und sehnt sich nach wie vor nach etwas mehr Anerkennung der von ihm geleisteten Taten im Kampf gegen übernatürliche Kreaturen. Nebenbei löst er häufig Streitigkeiten mit seiner Freundin Liz Sherman (Selma Blair) aus, die dadurch ihrer Fähigkeit das Feuer zu kontrollieren freien Lauf lässt und dabei die ungeordneten Räumlichkeiten noch ein Stück mehr verwüstet.
Als bei einer Auktion ein Teil der Krone angeboten wird, entwendet Nuada das Stück und hinterlässt eine Woge der Verwüstung, auf die das BPRD aufmerksam wird. Auch ein zweites Stück der Krone fällt dem Prinz schnell in die Hände. Das dritte befindet sich in Händen Nuada's Zwillingsschwester Nuala (Anna Walton) die sich auf der Flucht befindet und dem BPRD in die Hände fällt. In dem Wasserwesen Abe Sapien (Doug Jones) findet sie einen Seelenverwandten dem sie sich anvertraut und von ihres Bruders Plan, die goldene Armee zu erwecken und gegen die Menschheit zu schicken, berichtet. Hellboy, Liz und Abe stellen sich gegen Nuada angeführt von dem aus Ektoplasma bestehendem, geisterhaften Wesen Johann Krauss mit dem Hellboy selten einer Meinung ist.

Guillermo del Toro ("Blade 2") erfüllte sich mit der Verfilmung des Comics "Hellboy" einen schon lange vorhandenen persönlichen Traum. Zur Produktion des ersten Teils wurde del Toro nach an der kurzen Leine gehalten und musste sich künstlerischen Einschränkungen stellen. Nachdem er mit "Pan’s Labyrinth" internationale Lobeshymnen erntete, gab man ihm wesentlich mehr Freiheiten, was in "Hellboy - Die goldene Armee" eindeutig zu erkennen ist und das häufig holprige Prequel weit hinter sich lässt. Es gibt mehr von allem. Mehr Action, mehr Figuren, mehr Einfallreichtum, sprich alles was sich viele schon vom Vorgänger erhofft haben.

Zunächst sei erwähnt, dass del Toro dort weiter macht wo er aufgehört hatte. Er übernimmt das schon vorgefertigte Gerüst und überträgt die Charaktere sowie Darsteller in eine weit größere Welt. Zum durchstarten sind Vorkenntnisse erwünscht, denn der ambitionierte Regisseur lässt sich diesmal nicht soviel Zeit für die Charakteristika seiner Figuren wie noch im Prequel. Stattdessen schaut er schon zu Beginn über den Tellerrand und präsentiert seine neuen Kreationen in eigenständig laufenden Ereignissen.
Ebenfalls geblieben ist der an Hellboy's loses Mundwerk angelehnte Humor, mit coolen, prolligen Sprüchen, der schmunzelnd unterhält aber auch mal albern wirkt. Besser gelöst ist der Schlagabtausch unter den Charakteren, insbesonders zwischen Hellboy und Krauss, der für abwechslungreiche Situationskomik sorgt.

Störfaktoren, wie den menschlichen John Myers rationalisiert del Toro etwas lieblos raus, dafür fügt er viele neue Figuren gut überdacht hinzu, beispielsweise die neue leitende Figur Johann Krauss, die nur aus Rauch besteht und auf einen Anzug angewiesen ist. Gerade die Figuren versprühen eine äußerst dichte Fantasyatmosphäre und der Einfallsreichtum scheint grenzenlos. Zwischen kleinen, verfressenen Zahnfeen, riesigen Steinkolossen, blassen Elfen und verschrobenen Trollen tummeln sich gar schwer zu beschreibende Interpretationen, die an den Tod selbst erinnern, oder einen detailreichen Waldgott. Die Maskerade ist dabei gewollt bunt, aber selten übertrieben künstlich dargestellt.
Einfalls- und zahlreicher sind diesmal auch die Actionszenen ausgefallen. Wo "Hellboy" gerade dann stumpfsinnig und erstaunlich leer wirkte wenn es mal zur Sache geht, beschreitet der Nachfolger andere, unterhaltungsreichere Wege, bietet wesentlich mehr Dynamik und einen diesmal erstaunlich verletzbaren Hellboy.

Der fulminate Soundtrack bringt "Hellboy - Die goldene Armee" noch einen Schritt näher an das Bombastkino, welches visuell eine wahre Augenweide ist und nie seine Figuren aus den Augen verliert. Für diese hat del Toro dieses mal zwar nicht mehr so viel Zeit übrig, wirbelt aber zwischendurch auch elementare Fragen auf.

Zugegeben, die Handlung ist einmal mehr aus dem Nähkästchen und kann gerade gegen den direkten Konkurrenten "The Dark Knight" nicht standhalten. Das düstere Märchen dient allerdings auch eher der puren Unterhaltung, die wenig Sinn und Zweck für wendungsreiche Bögen übrig hat.
Gegen Ende fallen dann noch überdramatisches Geplänkel sowie offensichtliche Logiklöcher auf. Dies solls dann aber mit den Negativpunkten gewesen sein, soweit man diese als solche sieht.

Das Trio Ron Perlman ("Mutant Chronicles", "Blade 2"), Selma Blair ("WΔZ", " Eiskalte Engel") und Doug Jones ("Adaption", "Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer") steht erneut ganz vorn am Start. Während erstgenannter durch eine Natürlich- und Leichtigkeit brilliert hat Selma Blair diesmal wenig Zeit zu interagieren und fällt zurück in müdes, schmückendes Beiwerk. Doug Jones dafür ist präsenter und zieht sich gar mehrere Kostüme über.
Die Neuzugänge Luke Goss ("Blade 2") und Anna Walton ("Mutant Chronicles") fügen sich erstaunlich gut ein. Eine, wenn auch nur kurze, Freude ist die kurze Sichtung von John Hurt ("V wie Vendetta", "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels") der für mehr als nur eine kurze Rückblende leider keine Verwendungsmöglichkeit mehr hat.
Auffällig ist, dass del Toro's Cast auf Schauspieler zurück greift, mit denen er schon in früheren Filmen zusammengearbeitet hat, oder die bereits Erfahrung im Comicsektor sammeln konnten.

Trotz mäßiger Story und simpler Comic-Unterhaltung bietet "Hellboy - Die goldene Armee" weit mehr als sein Vorgänger. Das Werk hat Seele, spektakuläre Effekte, dynamische Action, eine unglaublich dichte Fantasyatmosphäre sowie ein ausgefallenes Figurendesign. Wer sich auf die düster-bunte Comicvisualisierung einlässt bekommt diesmal auf jeden Fall mehr geboten als noch beim Erstlingswerk, was als Zusatzlektüre dienen sollte.

8 / 10

Details
Ähnliche Filme