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Drehbuchautor Chris Columbus (Gremlins, Die Goonies) ist hiermit ein kleiner Geniestreich gelungen. Arthur Conan Doyle, der Erfinder des berühmten Detektives Sherlock Holmes, beschäftigte sich so gut wie gar nicht mit der Kindheit seiner zwei Hauptfiguren. Hier setzt "Pyramid of Fear" ein Zeichen, wie alles begann. Leider erhoffte sich Produzent Steven Spielberg ein wenig mehr. Ein bisschen angelehnt an "Indiana Jones" sollte dieses Prequel ein Erfolg werden. Der Grundstein für eine Fortsetzung wird gelegt, jedoch kam es nie dazu. "Pyramid of Fear" floppte in den Lichtspielhäusern und hat auch heute noch nicht den Bekanntheitsgrad, den er verdient hätte. Dabei hat sich Columbus wirklich mit Herzblut ins Zeug gelegt. Mit Barry Levinson (Rain Man, Bugsy) hat man sich den richtigen Mann geholt. Er weiss es dramatisch, ruhig, sowie spannend zu inszenieren, immer im richtigen Zeitpunkt. Man sieht großzügig darüber hinweg, dass der ersten Halbzeit ein wenig der Pepp fehlt. Aber wir lernen den Meisterdetektiv Sherlock Holmes (Nicholas Rowe) in seiner Jugend kennen. Schon jetzt ist er ein Perfektionist und trifft in einer Universität in London auf den moppeligen John Watson (Alan Cox). Die Beiden verstehen sich auf Anhieb, doch noch ist Watson nur eine Art Mitläufer. Holmes steht quasi alleine im Rampenlicht. Er ist sehr angesehen an der Universität, lernt das Fechten, macht nebenbei noch Scotland Yard Sgt. Lestrade (Roger Ashton-Griffiths) das Leben schwer und ist über beide Ohren in Schönheit Sophie (Elizabeth Hardy) verknallt. Watson ist der schüchterne Typ, der sich aber während des Films immer nützlicher erweist und Holmes sogar einmal das Leben rettet. Es ist sogar zu sehen wie Holmes zu seinem Mantel, Hut und Pfeife gelangt. Man geht hier sehr detailgetreu zu Werke, was die Charaktere betrifft. Mit Nicholas Rowe (Enigma, Chuckys Braut) hat man einen Glückstreffer gelandet, auch Alan Cox als Watson ist absolut passend. Manche Charaktere, zum Beispiel der verrückte Waxflatter (Nigel Stock) oder der zu dämliche Lestrade, sind ein wenig zu kindlich angehaucht. Aber die Darsteller leisten alle ganze Arbeit.

Wir befinden uns in London, 19. Jahrhundert, eine Mordserie erschüttert die Stadt. Angesehene Leute begehen Selbstmord. Als auch Holmes Mentor Waxflatter dieses Schicksal ereilt, beginnt der Hobbydetektiv mit seinen Ermittlungen. Er kommt einem alten ägyptischen Kult auf die Spur, welche junge Frauen ihrer Gottheit opfern. Mit Hilfe seines tollpatschigen Freundes Watson will er den Kult zerschlagen. Sogar die Story ist nicht vom Reißbrett entsprungen. Allein schon die Idee mit dem Halluzinogen ist großartig. Das Opfer bekommt mittels Blasrohr einen Dorn ins Genick geschossen, nach kurzer Zeit hat man Visionen. Da werden gegrillte Truthähne, Cremetörtchen, Antiquitäten oder ein Glasritter zum Leben erweckt. Die Animationen sind für damals sehr gut gemacht und ganz besonders die Visionen auf den Friedhof sorgen für Grusel. Aber auch die Geschichte um diesen ägyptischen Kult birgt ein paar Überraschungen und Holmes Ermittlungen bleiben immer interessant, das Geheimnis wird stückchenweise sehr langsam enthüllt. Die zweite Filmhälfte hat dann auch wesentlich mehr Tempo und bietet ein paar nette Actionszenen. Neben den Charakteren hat man auch die Kulisse sehr gut hinbekommen. Das winterliche London hat etwas Unheimliches und auch die große Holzpyramide ist sehr üppig. Spielberg hat hier sichtlich einiges investiert, schade dass es ihm nicht gedankt wurde. Erwähnt werden muss auch der großartige Score.

Warum dieser Film floppte, kann ich nicht verstehen. Holmes und Watson bestehen hier wirklich das Abenteuer ihres Lebens. Humorvoll, spannend und actionreich serviert uns Levinson diesen Abenteuerkrimi. Darsteller, Score, Kulisse, es ist einfach alles stimmig. So Manchem dürfte das traurige Ende nicht gefallen und die erste Filmhälfte könnte ein wenig mehr Tempo haben. Doch insgesamt betrachtet ein unterhaltsames Abenteuer, das immer wieder Spass macht.

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