Es wird ja viel über das Schul- und Bildungssystem diskutiert. Sollte man das Schulsystem vereinheitlichen, um bessere Chancengleichheit zu ermöglichen? Denn die Chancen auf dem Arbeitsmarkt eine (Ausbildungs-) Stelle zu finden, sind mit Hauptschulabschluss natürlich wesentlich geringer, als mit höherer Schulbildung. In Bezirken mit hohem Migrantenanteil stellt sich die Frage, ob man "inländische" und "ausländische" Schüler getrennt voneinander unterrichten sollte. Aber ist das hinsichtlich der Integration sinnvoll? Oder Privatschule? Aber wer kann sich das leisten? Radikalere Meinungen gehen sogar soweit, ob die Schulpflicht als solche nicht ein massiver Eingriff in die persönliche Freiheit eines jeden Bürgers darstellt. Denn was passiert während eines Schultages mit meinem Kind? Und wird ihm an bestimmten Schulen überhaupt etwas beigebracht? Von Gewaltübergriffen ganz zu schweigen. Doch sein Kind selbst zu unterrichten ist verboten, und wer sein Kind einfach zuhause behält muss gar mit Gefängnisstrafe oder hohen Geldbussen oder Entziehung des Sorgerechts rechnen! Doch das nur am Rande.
In dem ausgezeichneten Film "Die Klasse" geht es um eine französische "Problemschule" mit sehr hohem Migrantenanteil und den daraus resultierenden Problemen. Als Berliner kann ich mich in die Problematik sehr gut hineinversetzen, denn unsere Neuköllner "Rütli"-Schule ist durch genau die in dem Film beschriebenen Probleme in die Schlagzeilen geraten. Der junge Lehrer Francois versucht mit engelsgleicher Geduld und Ausdauer "seiner" Klasse den Lehrstoff nahe zu bringen. In jeder Stunde gibt es dieselben Probleme: Desinteresse, Aufmüpfigkeit, Stören des Unterrichts, Arbeitsverweigerung, SMS-schreiben usw. und sofort. Trotzdem gelingt es ihm mit einer Mischung aus Verständnis und Toleranz, aber auch Strenge, die Klasse halbwegs im Griff zu behalten. Doch eines Tages bringt ihn ein Zwischenfall, in dem er einen Begriff benutzt, der im Zusammenhang gesehen völlig plausibel erscheint, von den Schülern jedoch gnadenlos gegen ihn ausgeschlachtet wird, in Bedrängnis. Zeitgleich kommt es auch noch zu einem gewalttätigen Zwischenfall während seiner Unterrichtsstunde. - "Die Klasse" ist einfach klasse! Einen besseren Film zum Thema "Schule" bzw. Probleme an Schulen habe ich noch nie gesehen. Diesen Film sollten sich Lehrer, Schüler, Eltern sowie alle, die sich dafür interessieren was an bestimmten Schulen heutzutage so los ist, gleichsam ansehen. Der Film pauschalisiert nicht, findet auch keine perfekten Problemlösungen, gibt zum Schluss aber trotzdem etwas Hoffnung, wie Lehrer und Schüler vielleicht besser miteinander umgehen sollten oder könnten. Absolutes Pflichtprogramm und ganz grosses Schauspielkino! Zehn von Zehn Punkten, oder als Schulnote:1