Ein Mikrokosmos, der unter die Haut geht
„Die Klasse“ ist ein verdienter Gewinner der goldenen Palme in Cannes und handelt vom Alltag eines Lehrers an einer französischen Schule und besonders von einer Klasse, die ihm im Guten wie Schlechten über mehrere Wochen mächtig zu schaffen macht…
Und in Deutschland läuft „Fack Ju Goethe“…
Dagegen wirkt ja selbst „Das Lehrerzimmer“ noch überhöht und gestelzt… Ich habe wahrscheinlich noch nie einen Film über „Lehrer, Schüler, Schulalltag“ gesehen, der dermaßen naturalistisch (!), neutral und authentisch diesen Mikrokosmos beobachtet und abbildet. Das ist erschreckend, das ist nie zu wertend, das ist der Wahnsinn, das steht trotzdem für so viel mehr… Kleine Details. Einzelne Worte. Niederschmetternde Wahrheiten. Bittere Bestandsaufnahmen. Auch etwas Hoffnung. Aber auch sehr viel Schatten und Schmerzen. Für Frankreich. Für Europa. Für die Zukunft. Für den Nachwuchs. Für den Berufsstand. Aber auch für uns alle als Spezies. „Die Klasse“ funktioniert universell und kann überhöht werden, aber genauso im Kleinen und Feinen und sehr, sehr Persönlichen. Einzelne Schicksale, Zwickmühlen und Aussagen haben mich komplett zerstört. Von Tränen über Wut und Fassungslosigkeit bis zu einem Grinsen ist alles dabei. Pures, komprimiertes Leben. Mit allen Ups und Downs. Und ich habe es selten krasser erlebt, dass ich nach einem Film öfters und detaillierter über einzelne Charaktere nachgedacht habe und was diese wohl gerade machen oder wie ihr Leben nach dem Abspann weiterging… Meisterlich. Komplett glaubhaft. Intensiv. Ultimativ menschlich. Direkter als manch eine Doku.
Fazit: „The Class“ ist unfassbar naturalistisch, exzellent beobachtend, erstaunlich neutral. Den werde ich auf keinen Fall vergessen. Das war seiner Zeit voraus, das hat mich mit ganz realen Situationen, Problemen und Figuren - die in meinem Kopf definitiv noch weit nach dem Abspann weiterleben! - durch den seelischen Fleischwolf gedreht!