Review

Jetzt mal ganz ehrlich: kann man wirklich so viel falsch machen? Auf einmal? In einem Film?
Ja, man kann. Oder besser: frau kann. Leider.

Endlose Jahre zog das Gerücht von einem Remake des nur mit Frauen besetzten Filmklassikers „Die Frauen“ seine einsame Bahn durch Hollywood, seit den 70ern plante man, das Remake mit namhaften Darstellerinnen zu verzieren, doch nichts geschah.
Dann endlich erschien der Silberstreif am Horizont, der Film wurde produziert und was soll man sagen: es ist eine Katastrophe.

„The Women“ ist tatsächlich dermaßen schlecht, daß es funktionaler ist, die einzelnen Katastrophen nacheinander abzuarbeiten, damit man nicht den Gesamtüberblick verliert.

Fangen wir doch mal mit dem Skript an: wer das Original kennt, weiß, daß es eine blendende, satirische und bissige Komödie ist, die natürlich den Gegebenheiten der 30er Jahre angepaßt war und damit auch der Stellung der Frau in der damaligen Zeit, wenn es auch trotzdem um die Upper Class ging. Das bedarf natürlich im Postfeminismus einer Überarbeitung, denn in Zeiten von „Sex in the City“ ist die Welt über alle sexuellen und beziehungstechnischen Gepflogenheiten der normalen und/oder geschäftstüchtigen Frau bereits hinreichend aufgeklärt, bzw. glaubt daran.
Wo also einerseits die Front der Frauen untereinander gefeiert wurde, die sich allerdings selbst wieder durch ihr betontes „Frau-Sein“ einige weibliche Blößen gaben, um schließlich zu ihnen zu stehen und ihre eigenen Stärken zu entdecken, müßte heute schon etwas mehr Substanz in den Topf, denn moderne Frauen sind eigentlich wesentlich selbstbewußter als früher und auch wenn Alice Schwarzer das bestreiten würde, haben sich ihren Platz an der Sonne längst erkämpft, wenn sie denn wollen.

Dennoch beliebte es der längst nicht mehr aktiven TV-Regisseurin Diane English, die Vorlage etwas aufzupeppen – nur merkt man davon nicht viel. Zwar ist die Grundstory des Betrugs des reichen und eigentlich anzunehmend zufriedenen Ehemann mit einer Parfümverkäuferin (diese Luder!) intakt geblieben, von der Verschwörung der Frauen ist aber gar nichts mehr zu merken. Stattdessen herrscht Rückschritt an allen Fronten: Mary Haines, die Betroffene, ist zwar ein patentes Mägdelein, muß aber durch das Tal der Tränen, um sich dann selbst zu verwirklichen und ihren Mann dann in Ehren wieder aufnehmen zu dürfen; ihre mächtige beste Freundin ist ein Spielball der Männerwelt auf ihrem wackligen Chefposten, die vierfache Mutter ist ein albernes Fressweibchen (da wieder schwanger) und die Bisexuelle (und gleichzeitig einzige Farbige im Film, 1939 ist immer noch aktuell, gelle...) ist mit ihrer beknackten Supermodelfreundin auch eher vergessenswert überzeichnet. Dazu die Parfümbitch aus den unteren Mittelklasserängen, die natürlich ihre Krallen nach der Kohle ausstreckt und nicht mal Nudeln kochen kann – wie old school ist das denn?

Darüber hinaus scheint man aus SITC offenbar den Schluß gezogen zu haben, daß viel zu reden auch den meisten Gewinn bringt, nur daß man dafür auch extrem viele Pointen braucht, was im Bereich Sex natürlich klasse funktoniert, bei solchen Klischeegestalten aber nur arg überzeichnet noch funktioniert. Nur sollen das hier ja halbwegs realistische moderne Frauen sein und die sabbeln von nun an das Publikum mit Nichtigkeiten aus der Mottenkiste der gefühlvollen Phrasen ins Wachkoma. Da paßt es gut, daß das Skript im Bemühen, Mary noch etwas Selbstverwirklichung in Form der Kreation einer Modelinie auf den Weg zu geben, ständig den Grundplot aus den Augen verliert, die überdrehte Emotionalität, die uns lachen läßt, das Kesseltreiben, die Tratscherei. Stattdessen folgen wir Mary durch ihren Leidensweg, was vielleicht noch interessant gewesen wäre, wenn nicht Blassnase Meg Ryan die Rolle gespielt hätte und am Ende kippen wir den klassischen Konflikt einfach auf die Halde. Die Böse wird abserviert (aus Gewohnheit und Langeweile vom Mann oder so) und verschwindet aus der Handlung, die erfolgreiche Enddreißigerin macht einen Karriererückzieher und sucht der Tochter zuliebe das Familienglück – ich halt’s nicht aus.
Ganz ehrlich: das Drehbuch ist Schrott, eine halbgare Klischeeansammlung, die nur von ein paar witzigen Onelinern zusammengehalten wird, jedoch muß man nach jedem erst wieder fünf Minuten Gelaber ertragen und so fühlt sich die erste Stunde an wie durchsessene zwei.

Unterstützt wird dieser Niedergang durch eine enorm schlechte Schauspielerwahl.
Da wäre zunächst mal Meg Ryan, wahrhaft nicht die abwechslungsreichste Darstellerin, die hier notgedrungen mal wieder das Seelchen „Sally“ aus ihrem Erfolgsfilm auspackt, etwas verpeilt und immer kurz vorm emotionalen Überschwappen. Ryan läuft die ersten 90 Minuten hauptsächlich in Gummistiefeln rum (keine Ahnung wieso), stampft durch Gemüse, wird bedauert und schaut in ihren Schlabberklamotten und die altgedienten Lockenmähne aus wie Trulla auf dem Althippiefestival. Wenn sie dann spät im Film mit kniehohen Stiefeln und glatten Haaren antritt, kriegt der Zuschauer glatt nen Schock. Zu den begrenzten mimischen Fähigkeiten (Ryan sieht meistens leicht verpeilt, abwesend und etwas dement drein) kommt noch, daß sie offenbar so oft geliftet und gespritzt wurde, daß die Falten wie weggebügelt aussehen, aber leider nicht verschwunden sind.

Das ist auch das Problem von Annette Benning, die eigentlich das große bissige Wort führen sollte, aber gleichfalls zwischen guten Ansätzen und sumpfiger Emotionalität schwankt und die gleichen Straffungsspuren spazieren trägt. Daß der dramatische Fokus öfters mal auf ihr liegt, um sie dann im letzten Drittel fast fallen zu lassen, werten wir mal als Zusatzpunkt.
Da kommt es noch besser, daß Messing und Smith eigentlich nur Statistenrollen im Hintergrund haben und begleitend mitlaufen dürfen, zur Handlung fügen sie nichts bei.
Und sonst sammelt sich der sonst eher arbeitslose Ausschuß: English-Routinier Candice Bergen (Murphy Brown) gibt die Mama, die gar pummelige Carrie Fisher gibt ein unpointiertes Cameo auf dem Laufband, Bette Midler ein noch redundanteres als kiffende Produzentin, Debi Mazar wird als Labertasche verschleudert und die extra betonte bulimiefixierte Göre (wie alt soll die sein, elf?) nervt irgendwann nur noch.
Am Besten kommen noch Cloris Leachman (herrlich!) als Haushälterin und Eva Mendez als Bitch davon, die ihre Typen am solidesten, weil am unaufgeregtesten darstellen und Mendez steht sowieso meistens in Dessous in der Gegend rum, was wenigstens von dem drögen Dialog ablenkt.

Kommen wir nun zum technischen Rückschritt: wo English sich schon als Dramaturgin blamiert hat, so ist ihre Regieleistung bestenfalls statisch zu nennen, wobei es unangenehm auffällt, wenn man sich in einer großen Kinoproduktion staksigen Schuß-Gegenschußaufnahmen widmet, die von den beiden Seiten her nicht mal dasselbe zeigen. Weder ist der Dialog getrimmt, noch kann der Schnitt dem Ganzen einen flotteren Look verleihen. Die Kamera arbeitet sich statisch durch die bühnenstückartigen Szenen und kommt dann mit dem Freiraum des Dazugedichteten nie auf eine gemeinsame Linie.
Den absoluten Todesstoß verleihen aber die Ausleuchtung und die Set Direction.
Offenbar sollte ein realistischer Look her und so spritzten sich die Damen zwar auf, man benutzte die Filmtechnik aber nicht dazu, eine Art Hollywoodtraum zu visualisieren, sondern bemühte sich um die Figuren.
Das führt zu einer geradezu atemberaubenden Faltenparade (Miss Leachman trägt ihr mörderisches Altersfleckendekollté geradezu mit königlicher Würde), die mit den Botoxbehandlungen der meisten Beteiligten um einen Peinlichkeitspreis wetteifert. Und um die Sache abzurunden hat man auch noch getan, um mittels prächtiger und farbengesättigter Kulissen von diesem „Realismus“ abzulenken, stattdessen ersäuft die Produktion in ausgebleichten Pastelltönen, als hätte eine Horde Kritiker diesen Kaugummi stundenlang ausgelutscht.

Aber wer braucht auch schon Jahres- und Augenringe in einer Produktion, die uns wieder einmal den ach so schwierigen Alltag der Upperclassfamilienmuttis aufbindet, diesen ansatzweise durch den Kakao zieht, um ihn dann im Finale (samt Geburt, uhaha, geht’s noch platter) wieder lobzupreisen und das auch noch ohne jeden Humor.

Nein, „The Women“ ist schon ein beachtliches Wrack – nicht nur unzeitgemäß, sondern dann auch noch fade und einfallslos und nicht halb so witzig wie beabsichtigt, sondern eher konservativ und verlogen.
Natürlich werden sich ein paar Unentwegte in die Großproduktion verirren (mal sehen, was Frauenkinoabende so dazu sagen werden...), aber letztendlich ist das hier die einschläfernde Küchenmagd in der Märchenstory.
Wenn man dann 10 Jahre zurückdenkt, wie in „The First Wifes Club/ Der Club der Teufelinnen“ praktisch im Sekundentakt die Pointen flogen und trotz aller Sentimentalitäten die Messer in Richtung Männer gewetzt wurden, samt Aufzählung typischer Frauenfehler und das für schallendes Gelächter sorgte – müßte sich dieser Streifen ganz schnell in einem Mauseloch verkriechen. Die Mäuse hätten nichts dagegen – er würde ihnen nicht mal auffallen. (2/10)

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