Review

Gesamtbesprechung

Family Guy nimmt sich wie so viele Serien das Leben einer (amerikanischen) Durchschnittsfamilie als Spielgrund. In leicht abstraktem Zeichentrick werden die häufig gewöhnlichen Probleme und Ereignisse der Familie um Peter Griffin überspitzt und mehr als augenzwinkernd dargestellt.

Die Familienmitglieder sind wie folgt zu charakterisieren: Peter Griffin ist das selten ernstzunehmende Familienoberhaupt, welches hauptsächlich durch seine Dummheit und nicht vorhandene Empathie in allerlei Fettnäpfchen tritt und sich unsachgemäß aufführt. Seine Frau Lois hingegen kommt aus gutem Haus, ist bis auf weiteres gutmütig, tolerant und besitzt Sexappeal. Sohn Chris ist auf einem ähnlichem Niveau wie sein Vater, wirkt aber noch ungleich dümmer und darüber hinaus (besonders in der deutschen Synchro) recht träge (ein Vergleich mit Patrick aus Spongebob bietet sich an). Im Gegensatz zu dessen Vater stiftet seine Dummheit aber nicht so viel Trubel. Meg, die Tochter, ist ein Außenseiter mit betont wenig Facetten und Teenie-Klischeeproblemen. Gerade in den späteren Staffeln (ab Staffel 4) wird sie von ihrer Familie als ersetzbares Übel angesehen und ihre Anwesenheit häufig kaum mehr wahrgenommen. Baby Stewie hingegen kann man als diabolisches Genie bezeichnen, welches sich für seine Artikulation eines gehobenen Wortschatzes bedient und meist seinem übergeordneten Zielen, die Weltherrschaft zu erlangen oder seine Mutter zu töten, nacheifert. Im weiteren Verlauf der Serie werden diese Ambitionen jedoch häufig nur noch Alibi-haft integriert; Stewie wird schon ab Staffel 2 weit weniger boshaft dargestellt und bekommt einige Schwächen angedichtet (kann z.B.nicht aufhören, Kindersendungen zu schauen). Als Ausgleich wird er aber auch zynischer. Als letztes Familienmitglied ist noch der sprechende Hund Brian zu erwähnen, der sich ebenfalls intellektuell und zynisch gibt, aber im Gegensatz zu Stewie ein ausgeprägtes Gewissen besitzt und meist freundlich gesinnt ist. Darüber hinaus trinkt er regelmäßig.

Schaut man Family Guy zum ersten Mal, fallen zunächst die Parallelen zu den Simpsons auf; gerade in der ersten Staffel wirkt Peter wie ein Plagiat Homers, was vor allem böse Zungen als Kritik anführen. Insgesamt kann man sagen, dass die Serie sicherlich zu großen Teilen von den Simpsons inspiriert zu sein scheint, aber durchaus eine kreative Eigenleistung erbringt. Auch weil im weiteren Verlauf sich die Geschichten häufiger um die einzigartige Figur des Baby Stewie drehen und ein derberer Humor an den Tag gelegt wird, der schon eher in Richtung South Park geht, wird man Family Guy nicht gerecht, wenn man es als Plagiat bezeichnet. Die Serie entwickelt einen eigenen Humor, der teilweise niveaulos ist und die Grenzen des guten Geschmacks missachtet, aber nach einer gewissen Eingewöhnungsphase wirklich lustig ist.

Als gewöhnungsbedürftig würde ich dabei zumindest den übersteigerten Rückblendenhumors beschreiben; dieser gestaltet sich wie nach Anleitung in etwa so, dass ein Charakter etwas sagt wie "Weißt du noch, als dies und das passiert ist..." oder " Das ist wie damals, als bla bla..."; darauf folgt dann eben die Rückblende, in der etwas komisches geschieht. Gerade in den ersten Episoden fühlt man sich von diesem zwanghaften Humor etwas erdrückt, weshalb die berüchtigten 1-Episoden-Zuschauer schnell ein vorschnelles Urteil fällen. Ich will auch nicht behaupten, dass dieses Urteil nicht gerechtfertigt ist, doch entwickeln sich diese Rückblenden schnell zu einem liebgewonnenen Running Gag, der auch immer weiter perfektioniert wird.

Da die Sendung in den Staaten aus zweifelhaften Gründen nach der 3.Staffel vorläufig abgesetzt wurde und erst nach einigen Jahren aufgrund von Fananfragen und hohen Einschaltquoten der Wiederholungen die Produktion wieder aufgenommen wurde, lässt sich Family Guy grob in zwei Phasen einteilen. Da sind zunächst die ersten drei Staffeln, schon durchaus sehr gut gelungen und lustig, aber noch mit einer gewissen Abhängigkeit vom Sender gestaltet (grobe Seitenhiebe gegen Fox wurden im Gegensatz zu den Simpsons zu dieser Zeit noch unterlassen) und dadurch gewiss auch eingeschränkt. So fällt vor allem die 3.Staffel gehörig ab, da der kreative Kopf Seth MacFarlane das Damokles Schwert schon über seiner Schöpfung wahrgenommen hat. Die eigentlichen Tugenden der Serie wie der Rückblendenhumor, die wendungsreichen Stories und die Respektlosigkeit sind nicht so omnipräsent wie zuvor. Die 3.Staffel wirkt dadurch nicht wirklich harmonisch. Doch danach, als mit der 4.Staffel eine neue Ära anbricht und MacFarlane sich seiner Fans sicher sein kann, gewinnt die Serie so sehr an Selbstvertrauen, dass man beinahe jede einzelne Episode als überdurchschnittlich gelungen bezeichnen kann. Kein Respekt mehr vor Fox, keine Angst mehr, als Nachäffer von den Simpsons tituliert zu werden: In einer Episode wird Homer Simpson dann sogar überfahren. Auch wird der technische Anspruch gesteigert und die Produktion wird aufwändiger. Als derzeitigen Höhepunkt dieser Entwicklung kann man die Krieg der Sterne-Persiflage Blue Harvest sehen, die mit 3D-Raumschiffen und spektakulären Effekten ansehnlich inszeniert wurde.

Fazit: Family Guy ist, wenn man sich an das Niveau und den spezifischen Charakter gewöhnt hat, eine kultige, urkomische Serie, die einem viele Stunden voller Witz und maßlosen Respektlosigkeiten bietet.

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