Val Kilmer (The Salton Sea, Red Planet) dreht Filme am laufenden Band, doch Höhepunkte kann er nicht mehr setzen. Auch der gut besetzte "Felon" von Regisseur und Drehbuchautor Ric Roman Waugh (Shadows of Death, Exit - Strip to Kill) macht da keine Ausnahme.
Wade Porter (Stephen Dorff) führt ein glückliches, aber auch bescheidenes Leben. Demnächst will er seine große Liebe Laura (Marisol Nichols) heiraten. Doch eines Nachts tötet er aus Notwehr einen Einbrecher und landet dafür im Gefängnis. Drei Jahre hat er abzusitzen, doch dank einer Gangrivalität landet er sogar im Hochsicherheitstrakt. Dort hat der sadistische Lt. Jackson (Harold Perrineau) das Sagen und der macht Wade das Leben zur Hölle. Doch im mehrfachen Mörder John Smith (Val Kilmer) findet er einen neuen Freund. Zusammen wollen sie dem Terrorregime von Jackson ein Ende machen.
Das Ganze ist einfach zu weit hergeholt und beherbergt zuviele Klischees. Ein eigentlich unschuldiger Familievater kommt in den Knast und wird dort von anderen Insassen und sadistischen Aufsehern gepeinigt, das hatte wir schon zu oft. Waugh kann dem auch keinerlei Neuerungen hinzufügen und leider wirkt seine Story etwas unglaubwürdig. Wade wollte den Einbrecher nicht töten, der Schlag mit dem Baseballschläger war unkontrolliert und es passierte vor dem Haus. Die Polizei nimmt ihn sofort wegen Mordes fest und so wird er auch verurteilt, ohne Chancen sich irgendwie zu wehren. Vor allem kann man ihn wegen eines Mordes nicht in den Hochsicherheitstrakt verlegen, wo Aufseher Jackson mit seinen Mannen machen kann was er will, normalerweise müsste das schon lange aufgeflogen sein, soviele Verletzte und Tote wie es da gibt.
Immerhin weiss Waugh "Felon" unterhaltsam in Szene zu setzen, so muss sich Wade schon vor seiner Verurteilung mit einem Knacki kloppen und während der Fahrt ins Gefängnis geschieht ein Mord, so gerät Wade an Lt. Jackson. Waugh kann seinen Charakteren sehr viel Tiefe verleihen, so hat Wade eine kleine Baufirma und will bald heiraten. Doch während er im Knast sitzt, wendet sich seine Frau immer von ihm ab und überlegt sogar ihn zu verlassen. John Smith wurde wegen eines angezettelten Aufstands hierher verlegt, sein bester Freund ist ein pensionierter Wärter, dem Smith mal das Leben gerettet hat. Wäre da noch Jackson, der in seinem Privatleben ein sympatischer Mensch ist, doch in seinem Job eine Bestie. Er lässt die Gefangenen gegeneinander kämpfen, auch wenn dabei jemand zu Tode kommt. Sonst wäre noch Collins (Nate Parker) zu erwähnen, der neu im Jacksons Abteilung anfängt. Er hinterfragt Jacksons System. Die Darsteller machen ihre Sache sehr gut, neben Val Kilmer und Stephen Dorff, sind auch Anne Archer (12 Stunden Angst, Nails) und Harold Perrineau (28 Days Later, Matrix Reloaded) recht bekannt.
Aber "Felon" ist und bleibt nur das Übliche. Jeder Hofgang artet in einer Klopperei aus, die auch noch überaus hektisch geschnitten sind, so dass man schnell mal den Überblick verliert. Und eigentlich müsste es schon mal Jemand Jacksons Führungsqualitäten hinterfragt haben. Natürlich freunden sich Smith und Wade immer mehr an und wollen Jacksons Treiben ein Ende machen. Im Endeffekt gibt es nur wieder Gewalt gegen Gewalt zu bestaunen, auch "Felon" wählt keinen anderen Ausweg. Das Happy End ist vorprogrammiert, Spannung will nicht so richtig aufkommen. Auch wird der Film in der zweiten Halbzeit ein wenig zäh, weil er zuviele Charaktere abarbeiten muss und Laura zuviel Screentime bekommt.
"Felon" bietet eine recht authentische Kulisse und überzeugende Darsteller, doch die Story ist zu weit hergeholt, viele Passagen wirken unglaubwürdig. Mit einigen Morden und Schlägereien kann Waugh ein morderates Tempo halten. Seine verschiedenen Charaktere führt er gut ein, schafft es ihnen Tiefe zu verleihen, doch gerade in der zweiten Halbzeit konzentriert er sich zu arg auf das Geschehen drum herum, als auf Wade.