Ganz im Ernst: wie viele Drogen muß man eigentlich nehmen, um eine Kifferkomödie im Wiener Schmäh-Dialekt zu drehen. Offenbar reichlich, denn was Michael Glawogger mittels „Contact High“ zusammengerührt hat, ist streckenweise absolutes Kultmaterial und dann wieder so abgespaced, daß man am liebsten rausrennen möchte.
Der Reihe nach: Im Jahre 2005 drehte Michael Glawogger eine kleine, ziemlich böse Komödie über zwei Deppen, die mit ihren Freundinnen auf die glorreiche Idee kommen, in Heimatarbeit einfach mal einen Pornofilm zusammen zu produzieren, wodurch sie sich jede Menge Verdruß einhandelten. Der fertige Film hieß „Nacktschnecken“ und erregte als Geheimtipp doch ein wenig Aufsehen.
Vier Jahre später ist das gleiche Team zurück, hat die gleichen Leute wieder besetzt und das auch noch in den gleichen Rollen. „Max Durst“ und „Hans Wurst“ sind inzwischen erfolglose Besitzer eines Würstelstandes irgendwo im Neubaunirgendwo der Vorstadt. Da paßt es gut, daß Unterweltgröße Carlos eine Tasche vermißt, mit deren Wiederbeschaffung aus Polen er seinen schwulen Untergebenen Harry beauftragt, der damit seinen durchgeknallten Drogenfreak Schorsch beauftragt, der damit die Ex-Home-Porno-Actrice Mao beauftragt, die damit Wurst und Durst beauftragt. Man ahnt schon, das wird eine Reise ins Nichts und so geschieht es auch, denn ein kleiner Trip in Polenland weitet sich zu einem monumentalen Backflash aus, der auch die zur Kontrolle nachgereisten Schorsch und Harry mitreißt.
Glawogger hier einen bestimmten Sinn vorzuwerfen, fiele hier niemandem im Traum ein, denn „Contact High“ ist absoluter Wildwuchs und, ab einem bestimmten Entspannungslevel definitiv der Wahnsinn in Farbe. Getreu dem „Gefunden- verloren“-Prinzip läuft eine kleine Pleiten- , Pech- und Pannenshow ab, die die abstrusesten Züge annimmt. Natürlich zitiert hier einer fröhlich Tarantino, wenn niemand weiß, was in der Tasche ist und sie auch (bis kurz vor Schluß) niemand öffnen kann. Durchgeknallte Typen, schräge Zufälle, seltsame Bekanntschaften, das ist es, was diesen Film ausmacht – wenn es denn überhaupt ein Film ist.
Von Drehbuch ist meistens keine Spur, stattdessen pflügen sich die Darsteller mit breitestem Österreichisch durch einen Plot, bei dem sie einen Großteil ihrer Dialoge dann auch noch in englisch aufsagen müssen (Untertitel werden kostenlos mitgeliefert), um später in ein Deutsch-Englisch-Französisch-Mischmasch zu verfallen, zu dem die Polen auch noch was Heimatliches beisteuern.
Die zweite Inspirationsquelle wird wohl „Fear and Loathing in Las Vegas“ gewesen sein, denn dermaßen gut und bunt hat wohl lange keiner mehr einen Drogentrip auf die Leinwand gebracht. Der Wahnwitz auf Socken spielt sich da ab, wenn die Protagonisten in der Disse nach dem Tablettenschmiß und Space Cakes alles in zerlaufenen Farben und jede Menge Hundeköpfe sehen. Später erwachen sie in ihrem Hotelzimmer, in dem sich alles auf unglaubliche Art und Weise puppenhaft verkleinert ist (sogar das Fernsehprogramm), die Hintergründe fließen und lösen sich auf, ein Pilzgulasch verwandelt sich in wundersames Leuchten und eine komplette Sequenz hat man genialerweise auch noch rückwärts aufgenommen (inclusive Dialoge) – wer also mal einen Trip sehen will, aber selbst zu vorsichtig ist: hier kriegt man das endlich mal visualisiert.
Ansonsten kann man sich an bisweilen sturzbeknackten, aber ganz charmanten Dialogen festhalten und so abgefahrene Freaks wie Schorsch oder Detlev Buck im Schwuchtelmodus muß man erst mal finden.
Leider ist dann (irgendwie folgerichtig) niemandem mehr was eingefallen, wie man die ganzen Erzählstränge auflösen könnte, ergo überwinden die Charaktere einfach Raum und Zeit, die sich freundlich auflösen und alles endet in einem Trip, der die Beatles zu Sergeant Pepper-Zeiten einfach nur stolz gemacht hätte. Nur: geschlossen ist das alles natürlich nicht.
Wer also soll sich sowas ansehen? Schwierige Sache, denn für den korrekten Bundesdeutschen bedeutet ein Film mit Ösi-Dialekt ungefähr so etwas wie eine Zahnwurzelbehandlung. Und von Struktur will man ja lieber auch nicht reden. Ergo ist das vom Start weg nur als absoluter Kultfilm zu vermarkten, der sich an die Alternativszene richtet, an Studenten und alle Filmfreaks, denen es gar nicht krank genug sein kann.
Eine Warnung vor Drogen wird hier ja sowieso nicht mitgeliefert, insofern wird das sowieso mehr die reizen, die hin und wieder ein Tütchen durchziehen. Notfalls liefert man ihn noch als Partyfilm des Sommers aus, im Kornfeld geht ja bekanntlich einiges.
Hanswurst in the Sky. With Diamonds. (7/10)