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"Jetzt geht das wieder los!"

7 Jahre nach dem zweiten Teil des wiederbelebten "Mummy" Franchise, schickt nun Rob Cohen eine etwas andere Mumie ins Rennen.

Rick (Brendan Fraser) und Evelyn O'Connell (Maria Bello) befinden sich eigentlich im Ruhestand, es dürstet sie aber nach wie vor nach Abenteuern und Neuentdeckungen. Da kommt der Auftrag der britischen Regierung, einen wertvollen Edelstein nach Shanghai zu transportiert, gerade recht, zudem sich Evelyns Bruder Jonathan (John Hannah) sowieso dort aufhält und ein Besuch mehr als überfällig ist. Dass ihr Sohn Alex (Luke Ford) ebenfalls zugegen ist, der eigentlich in England studieren sollte, stattdessen aber an der Ausgrabung des Grabmales des berüchtigten Drachenkaisers Han (Jet Li) in China beteiligt ist, vermuten sie nicht. Ebensowenig von den Absichten des chinesischen Generals Yang (Anthony Wong) eben diesen Kaiser mithilfe des Edelsteines wieder zu erwecken, welcher vor 2000 Jahren von der Hexe Zijuan (Michelle Yeoh) verflucht und in eine Tonfigur verwandelt wurde. Inclusive seiner Armee mit welcher er die gesamte Welt unterjochen wollte.

"Die Mumie - Das Grabmal des Drachenkaisers" ist hirnloses Bombastkino in Reinform, optimiert für ein jugendliches oder jung gebliebenes Publikum was sich nicht lange mit plausiblen Erklärungen auseinander setzen will oder muss. Geschichtliche Hintergründe werden außer Acht gelassen, Handlungs- oder Charakterentwicklung ist nicht wirklich vorhanden. Stattdessen bietet der Film plumpe Action und Effekte im Overkill Format. Und dies gelingt erstaunlich gut.
Zu sehen gibt es weit reichende Wüsten und Schneelandschaften, mittelalterliche Bauten, riesige Heere und detaillierte Kreaturen, größtenteils digitaler Handarbeit, welche, von den Vorgängern aus gesehen, konsequent weiter entwickelt wurden.
Die brachiale Action erstreckt sich über die gesamte Laufzeit des Films und lässt nur wenige Pausen zum durchatmen zu.
Das Zusammenspiel von spektakulären, visuellen Ereignissen und orchestraler musikalischer Untermalung geht auf und unterstreicht die Atmosphäre.

Was wäre ein weiterer Mumie-Film ohne den charmanten, grotesk überzogenen Humor mit Hang zu Albernheiten und Lächerlichkeiten. Dieser ist selbstverständlich auch wieder durchgängig vorhanden, punktet mit herrlich sarkastischen Sprüchen, verpufft aber auch ebenso ungewollt im Nirvana. Etwas mehr Liebe zum Detail und Einfallsreichtum hätte hier noch wesentlich mehr draus machen können. Kenntnisse der Vorgänger sind übrigens von Vorteil, denn sonst verpufft noch mehr des augenzwinkernden Humors.

Wie schon erwähnt bleibt der Handlungsbogen vorhersehbar und ohne Überaschungen, allein die Romanze zwischen Alex und der emanzipierten Lin (Isabella Leong) ist bereits beim ersten aufeinandertreffen vorprogrammiert, was bei dem Genre des Unterhaltungskinos zu verzeihen ist. Dem ist aber nicht so bei den groben Handlungslöchern, verursacht durch schnelle Schauplatzwechsel und großzügige Schnitte. Letztere führen zudem zu Verwirrung, ganz besonders da die gebotene Action an vielen Stellen durch ständig verwackelte Kamerafahrten und Unschärfeeffekte für zusätzliches Chaos sorgen. Hier ist es häufig schwierig den Überblick zu behalten.
Weitere Mängel sind das sehr einfallslose "Alles wird gut" Ende und die Tatsache, dass es eigentlich gar keinen Bezug zum Titel des Films gibt, mal von den Charakteren abgesehen. Denn eine richtige, einbalsamierte Mumie bekommt man während des gesamten Filmes nicht zu sehen. Bei den am Schluss aufeinandertreffenden Armeen handelt es nämlich entweder um Skelette oder Tonfiguren.

Brendan Fraser und John Hannah glänzen erneut in ihren alten Rollen, Michelle Yeoh und Jet Li schauspielern passabel, haben aber viel zu wenig Screentime um ihre Rollen auszureizen, was sehr schade ist. Die gut gemeinte Konfrontation zwischen letztgenannten beiden gegen Ende wird keinen Martial Arts Fan zufrieden stellen, dazu ist dies viel zu unspektakulär und kurz inszeniert. Die Jungstars Isabella Leong und Luke Ford sind noch zu verschmerzen, nicht so der Totalausfall Maria Bello, die in die Fußstapfen von Rachel Weisz tritt. Mal davon abgesehen, dass Maria Bello eine völlig andere Figur der Evelyn O'Connell interpretiert, die geradezu aufdringlich, wollüstig und uncharmant wirkt, sind ihr breites Zahnpastalächeln ein richtiger Griff ins Klo. Und diese hat bereits einen weiteren Mumie Teil offiziell bekannt gegeben und hierfür unterschrieben? Auweia! Na, ich hoffe doch es ist noch Platz für eine billige Entführungsgeschichte und einen damit geringen Auftritt selbiger.

Trotz diesen vielen Kritikpunkten unterhält die "dritte Mumie" sehr kurzweilig, ist spannend und actionreich inszeniert und versprüht seinen einstigen Charme. Wären die Schauspielerproblematik sowie die groben Mängel der Kamera und der Erzähstruktur nicht vorhanden, hätte man hier gleichwertig an den ersten Teil anschließen können.

8 / 10

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