Nach "Space Truckers" war es um Stuart Gordon (Re-Animator, Castle Freak) verdächtig still geworden. Mit seinem Kollegen und Kumpel Brian Yuzna (Rottweiler, Bride of Re-Animator) kehrt er nun ins Genre Horror zurück, mit dem er so erfolgreich begann. "Dagon" basiert auf der Kurzgeschichte "The Shadow over Innsmouth" von H.P. Lovecraft. Und noch ein alter Bekannter komplettiert das Trio, nämlich Drehbuchautor Dennis Paoli (Re-Animator, Castle Freak), der Gordon schon seit seinem Beginn im Filmgeschäft begleitet. Der Horrorfan dürfte Freudensprünge machen, denn "Dagon" kann man locker zu Gordons besten Werken zählen.
Der Workaholic Paul Marsh (Ezra Gordon) und seine Freundin Bárbara (Raquel Merono) machen mit einem befreundeten Pärchen (Brendan Price, Birgit Bofarull) eine Bootstour. Doch plötzlich zieht ein Sturm auf und das Boot wird auf ein Riff getrieben. Paul und Bárbara gelingt es an Land zu kommen, sie landen direkt im spanischen Küstendorf Imboca. Während Barbara die Polizei informiert, fährt Paul mit einem Fischer zurück zum Boot. Doch seine Freunde sind spurlos verschwunden und auch Bárbara ist plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Auch wird Paul von seltsamen Kreaturen verfolgt, nur durch den alten Ezequiel(Francisco Rabal) gelingt ihm die Flucht. Die Bewohner von Imboca huldigen dem Meeresgott "Dagon" und der fordert seine Opfer. Pauls Stunden scheinen gezählt.
"Dagon" lebt nicht von einer originellen Story, oder drastischen Goreeffekten, sondern von seiner einmaligen Atmosphäre. In diesem Punkt hat Gordon meisterliche Arbeit geleistet, denn solch eine verregnete, düstere und unheimliche Kulisse hat man schon lange nicht mehr gesehen. In Imboca scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, alles wirkt altmodisch, die steinernen Bauten wirken bedrohlich und der ständige Regen sorgt für Ungemütlichkeit. Und der absolute Knaller ist das heruntergekommene Hotelzimmer, in welchem Paul auf seiner Suche nach Bárbara landet. Auf jeden Fall kommt "Dagon" recht schnell zur Sache, es dauert keine zehn Minuten bis das Schiff auf das Riff aufschlägt. Und schon als man Imboca vom Schiff aussieht, wirkt es absolut nicht einladend und man merkt sofort, dass irgendetwas nicht stimmt.
Paul und Bárbara fällt das zu spät auf und die Trennung dürfte der größte Fehler gewesen sein. So landet Bárbara schnell in den Händen der Bewohner, während Paul kurz darauf im Hotel zum ersten Mal attackiert wird. Gerade diese Szene wirkt sehr beklemmend und obwohl man recht schnell weiss, was sich im Küstendorf Imboca abspielt, gelingt es Gordon die Spannungsschraube kontinuirlich anzuziehen. Ununterbrochen wird Paul durch das Dorf gehetzt, muss kleinere Keilereien und Verfolgungsjagden bestehen, nur in Ezequiel findet er einen Verbündeten. Ezequiel ist der einzige Mensch im Dorf, die restlichen Bewohner mutieren zu Monstern, um ihr Leben im Meer weiterzuführen. Und diese Mutanten sehen wirklich gruselig aus, das Make up ist gelungen, auf CGI wurde leider nicht komplett verzichtet.
Besonders weil Pauls Lage ziemlich aussichtslos ist, kann "Dagon" das hohe Spannungsniveau halten. Zwischendurch lässt es sich Gordon nicht nehmen, ein paar blutige Goreeffekte einzubauen, die jedoch spärlich gesäht sind. Mal ein Kehlenschnitt, lebende Fackeln, Innereien klatschen auf den Boden und besonders heftig ist die Häutung bei lebendigem Leib geworden. Die Goreeffekte sind handemade und sehen deswegen hochwertig aus. Nur das kurze Auftachen von Meeresgott Dagon will nicht so recht überzeugen, da hier wirklich schlechter CGI zum Einsatz kommt. Doch die Story hält noch eine Überraschung parat und das Ende kommt recht fies daher.
Auch die unbekannten Darsteller leisten ihre Beiträge, besonders Neuling Ezra Gordon (Laura, Band of Brothers) überzeugt in der Hauptrolle als Paul. Francisco Rabal (Moonfish, Reborn) ist hier in einer seiner letzten Rollen zu sehen, er verstarb noch im selben Jahr. Rabal verkörperte über hundert verschiedene Charaktere und sieht hier schon ziemlich abgekämpft aus. Aber die Rolle des Ezequiel nimmt man ihm immer noch ab. Bei der restlichen Riege besteht auch kein Grund zur Klage.
Die gängige Story hat kleinere Überraschungen zu bieten und "Dagon" kommt wirklich schnell in die Gänge. Doch das Beste am ganzen Film ist die verregnete und düstere Kulisse, nebst dem instrumentalen Score. Auch Spannung muss man nicht vermissen, zum richtigen Schocker reicht es aber lange nicht. Die guten Darsteller und ein paar Brutalitäten runden das Ganze ab. Für einen gruseligen Abend reicht es allemal.