Das Gute vorweg: Ridley Scott hat es über weite Strecken geschafft, einen durchaus beeindruckenden Bericht aus der der Hölle auf Erden - Krieg genannt - abzuliefern. Ungeschönt und schonungslos realistisch. Streckenweise sogar physisch spürbar. Und einigemal an der Grenze des Erträglichen und Zumutbaren. Black Hawk Down macht keinen Spaß - Black Hawk Down ist eben ein Anti-Kriegsfilm.
Das Schlechte dabei ist (von einigen unangenehmen, aber sich in Grenzen haltenden patriotischen Anflügen mal abgesehen): wir befinden uns ausschließlich in der amerikanischen Hölle, wir bekommen nur den amerikanischen Point of View. Unser Mitleiden, unsere Anteilnahme kann in Black Hawk Down nur den amerikanischen Soldaten gelten, das Leid der Somali und deren Hölle kann uns aus dem Film heraus nicht bewußt werden. Scott erwähnt es am Schluß lediglich in einem kurzen statistischen Nachtrag (der aber bei mir seine Wirkung zeigte): bei diesem Einsatz starben über 1000 Somali (!!!) und 19 Amerikaner - und diese 19 werden namentlich aufgelistet, die Somali dagegen bleiben numerische Statisten.
Ich will das Leid der amerikanischen Soldaten mit dem Gesagten nicht schmälern und finde es wichtig, daß Scott zur Erinnerung an sie mahnt. Wichtig ist auch die Botschaft am Ende, daß es den Einzelnen auch um „den Kameraden“ ging, d.h. um den Anderen. Das ist ein durchaus lobenswerter Verweis auf Nächstenliebe.
Doch die Welt in Black Hawk Down ist gespalten: in gut und böse, in wichtig und unwichtig (alleine die Stilisierung der somalischen „Bösewichter“ hätte einem James-Bond-Film zur Ehre gereicht).Ob das Scott nun beabsichtigt hat oder nicht - es sagt etwas über Achtung vor dem Menschen im allgemeinen und im speziellen aus: und in dieser „Film“-Welt sind eben nicht alle Menschen gleich - einige sind gleicher.
Sicher: Scotts Ansatz ist zunächst ein rein deskriptiver. Er enthält sich scheinbar jeglicher Analyse und Kritik und reflektiert das Ganze nicht. Er beobachtet und beschreibt nur. Aber die Beobachtung ist einseitig und kommentiert in ihrer Fokusierung das Gezeigte. Schmerzen haben eben nur die Amerikaner erlitten, die anderen haben in ihrem Blutrausch nichts mehr gespürt, könnte man als zynische Annahme nach Ansicht dieser Feldstudie postulieren. Und Scott könnte einen mit seinen Bildern nicht vom Gegenteil überzeugen.
Nur in einer einzigen Sequenz hat Ridley Scott diese Zentrierung des Blickes aufgeweicht - für mich die stärkste Szene des Filmes: als der Soldat in das Haus flüchtet, in dem eine Frau und ihre Kinder sitzen, voller Angst zusammengeschweißt, und er ihnen seine Angst durch Gesten mitteilt und sie ihm mit ihren großen Augen antworten. Hier gelingt es Scott nicht nur die Einseitigkeit der Darstellung aufzulösen, sondern die Grenzen zwischen den Menschen an sich: Angst und Schmerz sind eben allgemeine menschliche Regungen - hier unterscheiden sich Amerikaner nicht von Somalis.
Diesen Ansatz hätte Scott weiterverfolgen sollen.
Meiner Meinung nach.
Und wenn am Ende nur die Namen der getöteten Somali gestanden hätten...
Aus den eben genannten Gründen hätte der Film (höchstens) eine 4/10-Bewertung verdient. Aus dem zuoberst Angeführten wäre eine 9/10-Bewertung angemessen.
Deshalb: 6-7/10 Punkte