Review

Extended Cut


Die Sandwürmer

Ridley Scotts „Black Hawk Down“ ist ein herausragender und ganz eigener Kriegsfilm, den eigentlich jeder aus meiner Generation kennt und feiert. Fast auf einem Level mit „Soldat James Ryan“. Doch während man bei Spielbergs Meilenstein das recht übliche und bekannte WWII-Europasetting um die Ohren geballert bekommt, gibt es hier Schweiß, Afrika und Rebellen. Aber in ernst, authentisch und ohne auch nur den Hauch von B-Movie oder „Spaß am Krieg“. Eine absolut verrückt starbesetzte US-Elitetruppe (Bana, Bloom, Hardy, Sizemore, McGregor, Hartnett, Dancy, Gruffudd, Isaacs, Coster-Waldau…!!!) soll im Somalia des Jahres 1993 zwei Rebellenführer ausschalten - doch die schier endlosen ansässigen Milizen leisten härter, vielbeiniger und gefährlicher Gegenwehr, als man es sich zuvor gedacht hat…

„Black Hawk Down“ gibt einem wirklich ein brachiales „Mittendrin-statt-nur-dabei“-Gefühl. Erst recht mit der richtigen Heimkinoausstattung war der Titel schon immer eine Referenzscheibe, gerade in Sachen Surroundsound. Es gibt schmerzhafte Action und wirklich hitzige Gefechte, fast schon ein Belagerungs- und Westernfeeling. Ein wahrer Kern als Anker bringt noch mehr Herz rein. Ridley Scott in Topform war damals einfach noch hart zu schlagen. Genau richtig chaotisch. Höllisch, heiß und hart. Warum machen wir das? Haben wir überhaupt eine Chance? Warum schlucke ich hier Staub? Wo ist die abgeschossene Hand meines Kameraden? Wo lang? Wohin? Wofür? All das fühlt man quasi am eigenen Leib. 4D-Kriegskino mit elementarsten und emotionalsten Mitteln. Kriegsfilme mit monumentalem Staraufgebot haben seit Beginn der Kunst Tradition. Aber dennoch ist diese Sammlung an bekannten Gesichtern schon massiv beeindruckend. Schwitzig, brutal, echt. Alles andere als verherrlichend oder cool. Wer das hier anders sieht, sollte wirklich seinen Kopf anschalten. Mal eine ganz andere Seite des Kriegsglobus, der US-Army. Taktisch, tarnfarben, traurig. Braun, bombig, brüderlich. Verlorene Helden, verzweifelte Brüder, umzingelte Arbeiter. Überraschend blutig zudem, hatte ich dermaßen zeigefreudig nicht in Erinnerung. Vielleicht minimal redundant. Nach 40 Minuten Einführung gibt’s quasi Shootouts und Spannung und Tote nonstop. Vor allem das Gefühl, dass sich quasi eine ganze Region, eine ganze Bevölkerung mit scheinbar unendlich Reserven gegen einen stemmt, obwohl man eigentlich nur seinen Auftrag und seine Arbeit erfüllen will, bleibt die ganze Zeit spürbar. Ein Gewehr und eine Miliz fällt - der nächste übernimmt. Und ist es mit den Hauptzielen, deren Obersten und Diktatoren nicht meist sogar genauso?! Deprimierend und düster. Intensiv bis zum Anschlag. Sonderstellung in seinem Genre! 

Fazit: einer der schwitzigsten und intensivsten Kriegsfilme der Neuzeit - „Black Hawk Down“ fängt sowohl Brüderlichkeit als auch Wahnsinn des Krieges brutal ein! 

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