Review

Wie man mit geringsten Mitteln einen fesselnden Thriller in Szene setzt, zeigt uns Debütant Mark Tonderai. "Hush" wurde als beste britische Independent Produktion nominiert und räumte auf dem Fantasy Filmfest 2009 viele gute Kritiken ab. Diese sind sogar berechtigt und Tonderei hat hier wirklich etwas eigenes auf die Beine gestellt, ohne Raubbau bei großen Genrevorbildern zu begehen.

Der erfolglose Schriftsteller Zakes Abott (William Ash) hängt an Rasthöfen Plakate für eine Autofirma auf, um wenigstens ein bisschen Geld zu verdienen. Während der Fahrt streitet er sich ausgiebig mit Freundin Beth (Christine Bottomley), doch plötzlich drängt sich ein LKW vor ihn, die Ladeklappe ist nicht richtig verschlossen, Zakes sieht eine nackte und gefesselte Frau in einem Käfig. Zakes informiert die Polizei, hält jedoch am nächsten Rastplatz an, anstatt den LKW zu verfolgen, um sein letztes Plakat aufzuhängen. Auf einmal ist Beth spurlos verschwunden und Zakes ist sich sicher, dass sie sich auf dem LKW befindet. Er nimmt die Verfolgung auf und wird auch noch bald von der Polizei als Mörder gesucht.

Die Einleitung ist Tonderai zu lang geraten, desweiteren bekommt man die üblichen Streitereien eines jungen Liebespaares serviert. Zakes und Beth sind dem Zuschauer anfänglich alles andere als sympathisch. Er ein erfolgloser Schriftsteller, der bisher keines seiner Bücher zu Ende geschrieben hat, sie ziemlich zickig und ausserdem eine Fremdgeherin wie wir später noch erfahren. So klappern die Beiden bei regnerischem Wetter einige Rasthöfe ab, dürfen sich ausgiebig beharken, bevor Zakes die gefangene Frau auf der Ladefläche des weißen LKW sieht. Dies lässt den Streit dann entgültig eskalieren, denn Zakes will lieber sein letztes Plakat aufhängen, als den LKW zu verfolgen. Die erste halbe Stunde hat nur wenige spannende Momente zu bieten, doch danach dreht sich Tonderais Film in eine ganz andere Richtung. Beth ist verschwunden, der Zuschauer und Zakes sind sich sicher, dass sie sich auf dem unheimlichen LKW befindet. Bevor ich mit meinen Lobeshymnen beginne, nehme ich einen Wehrmutstropfen noch vorweg. Für das Ganze serviert uns Tonderai nicht die geringste Erklärung. Ob es sich dabei um ein Geschäft, oder einfach nur Spass an der Freude handelt, bleibt unklar. Jedenfalls ist unser stets vermummter LKW-Fahrer nicht allein, er hat einen Komplizen, der Zakes geschickt einen Mord unterschiebt.

So darf die Jagd beginnen, das hohe Tempo hält Tonderai bis zum Schluss durch. Das ganze Geschehen spielt sich in einer Nacht ab, das Regenwetter trägt enorm zur düsteren Grundton bei, der sparsam gesetzte Score bleibt stets im Hintergrund. Doch die Spannungsschraube wird kontinuirlich fester angezogen, denn der LKW-Fahrer weiss, dass Zakes hinter ihm her ist und hat einige fiese Tricks parat. Zudem hat Zakes die Polizei am Hals und fährt mit einem gestohlenen Auto durch die Gegend. Auch einige Morde darf es geben, mit Brutalitäten hält sich Tonderai aber bedeckt. Die ausweglose Situation von Zakes trägt auch zur atmosphärischen Inszenierung bei, denn er kann nicht mal die Polizei um Hilfe bitten. Er muss Beth auf eigene Faust retten und so mausert sich der schüchterne Looser immer mehr zum Helden und wird dem Zuschauer durch sein menschliches Handeln immer sympathischer. Selbst als er erfährt, dass Beth mit einem anderen Typen im Bett war, ist er noch gewillt sie mit vollem Einsatz zu retten. Das suspensehaltige Finale kristallisiert sich schnell als Spannungsspitze heraus, jedoch hätte es ruhig mehr ausarten dürfen. Die größtenteils unbekannten Darsteller machen ihre Sache wirklich hervorragend.

Die Einleitung ist ein wenig langwierig, viele Fragen bleiben offen, was schon ein bisschen ärgerlich ist, doch Tonderais "Hush" entwickelt sich zu einem alptraumhaften Szenario, welches erfreulich bodenständig bleibt. Dank der guten Darsteller bleibt diese spannende Hetzjagd durchweg glaubwürdig, mit minimalen Mitteln erzeugt man hier eine Gänsehaut-Atmosphäre.

Details
Ähnliche Filme