Review

Wenn sich Horrorgeschichten auf wahre Begebenheiten berufen, bringen sie sich selbst damit in einen storytechnischen Notstand - erzählen sie eine mörderische Geschichte mit vielen Toten, müssten diese Ereignisse, falls sie so oder ähnlich geschehen sind, allgemein bekannt sein, sollte es sich aber um eines jener unerklärlichen und damit der Interpretationsfreiheit ausgelieferten Ereignisse handeln, können die Auswirkungen nicht allzu prägnant gewesen sein.

"Das Haus der Dämonen" erzählt die Geschichte eines ganz realen Horrors - die Krebserkrankung des jugendlichen Matt (Kyle Gallner), dem ältesten Kind von Sara (Virginia Madsen) und Peter Campbell (Martin Donovan), der verzweifelte Kampf um seine Heilung und die privaten Zerreissproben jedes Einzelnen, die sich daraus ergeben. Der Alkoholismus des Vaters, der penetrante Optimismus der Mutter, Geldknappheit und die starke Beanspruchung des Sohnes durch die neuartige Therapie, hätten ausreichend Stoff für ein intensives Drama abgeliefert, aber hier soll ja ein Horrorfilm erzählt werden - und dafür nutzt der Film vor allem Matts Situation und die Möglichkeit, dass er auf Grund seiner Therapie Fantasien ausgesetzt ist.

Doch schon in einer der ersten Szenen in dem verfluchten Haus, nimmt der Film sich die Möglichkeit, es offen zu lassen, ob die merkwürdigen Figuren, die in dem Haus herumgeistern, wirklich nur Matts Einbildung entspringen, denn als Sara das Haus besichtigt, um es in der Nähe von Matts Krankenhaus zu mieten, wandert ein Schatten durch den Hintergrund. Trotzdem kann der Film in dieser Phase eine gewisse Spannung erzeugen, denn optisch ist er auf der Höhe der Zeit, allerdings in der Verwendung der Schnitttechnik, dem Blick auf Details, den gedämpften Farben und einem angemessenen Score nicht wirklich innovativ. Leider verliert er nur wenig Zeit, bis er das Geheimnis des Hauses verrät, das Sara zuvor schon durch den Makler erfuhr, aber den übrigen Familienmitgliedern vorsichtshalber nicht verriet.

Das größte Manko des Films liegt darum auch in seiner Unentschiedenheit - einerseits will er eine klassische Horrorgeschichte erzählen mit einer großen Bedrohung, Schreckensmomenten und unheimlichen Vorkomnissen, andererseits spart er nicht mit Andeutungen des alltäglichen Lebens, die aber fast lieblos und nebenbei abgehandelt werden. Allein der kurze Auftritt des betrunkenen Vaters hätte genügend Potential für eine Verbindung beider Ebenen geliefert, scheiterte aber am mangelnden Mut der Macher, sich wirklich auf die realen Probleme der Familie einzulassen. Stattdessen gibt es wieder die Mär von leeren Gräbern, herbeigerufenen Dämonen und allerlei Werkzeug, mit denen man den Menschen zu Leibe rücken kann.

Nur das das hier Niemand wirklich tut, denn schließlich wird hier eine wahre Geschichte erzählt, die vielleicht doch nur der Fantasie entsprungen ist und deshalb nicht zu konkret werden darf. Um das noch zu betonen, erlaubt sich der Film den Kniff, ausgerechnet den armen Matt in den dunklen Keller zu verlegen - angeblich, weil es dort ein Bad für ihn allein gibt, dass aber nie im Bild gezeigt wird. Hier wird er ständig von schrecklichen Fantasien heimgesucht, aber selbst als seine Mutter diese miterlebt, findet sie nichts dabei, ihren kranken Sohn dort alleine herumliegen zu lassen. Problematisch an dieser Konstellation ist nicht nur die völlige Unlogik einer solchen, angeblich realen Vorgehensweise, sondern der Fakt, dass der Film damit die Oberflächlichkeit seiner Charaktergestaltung auf die Spitze treibt. Sämtliche Figuren agieren vorhersehbar, aber wirkliche Persönlichkeiten kann der Film nicht entwickeln, weshalb dem Betrachter deren Schicksal letztlich egal bleibt.

"Das Haus der Dämonen" kann nur in optischer Hinsicht überzeugen, bleibt als Horrorfilm wenig spannend und als Familiendrama äusserst oberflächlich. Der Versuch eine angeblich wahre Geschichte als realen Grusel zu verkaufen, scheitert an der mangelnden Konsequenz der Macher, Realität und Horror so miteinander zu verzahnen, dass man sie nicht mehr auseinander halten kann (3/10).

Details
Ähnliche Filme