Review

Jede Generation verträgt sein ganz persönliches "Amityville Horror" - also eine angeblich auf Fakten beruhende Spukgeschichte, die man dann in einem möglichst kassenträchtigen Film verwandeln kann.
Waren es im Falle des 1979 entstandenen Klassikers höllische Mächte, die sich im Keller und im Herrn des Hauses manifestierten, ist im Falle von "The Haunting in Connecticut" ein geisterhaftes Totenaufgebot der Verursacher der Probleme, die übrigens so gar nichts mit echten Dämonen zu tun haben. Aber die verkaufen sich auf dem Cover halt besser.

Obwohl erst 2009 verfilmt, blickt die Story hier zurück auf das Jahr 1987 und erweitert die Romanvorlage, die sich um eine Familie und ihre Probleme mit paranormalen Ereignissen in ihrem neuen Haus befaßt, um einige filmische Exzesse, die so natürlich nicht Grundlage der Story waren. Wo Filme wie "Paranormal Activity" die spukhafte Kargheit mit technischer Innovation zelebrieren, wird bei "Das Haus der Dämonen" dann doch besser geklotzt als gekleckert.
Geblieben sind einzelne Ereignisse, die so stattgefunden haben sollen und die Ausgangssituation mit einer belasteten Familie, deren ältester Sohn an Krebs zu sterben scheint. Aufgrund seiner Todesnähe ist er für die parapsychischen Manifestationen innerhalb des Hauses natürlich besonders empfänglich und so schießt Peter Cornwells Film los, als ginge um einen Weltrekord.
Es bedarf nur des Betretens der Bude für eine erste Kurzbesichtigung durch Mutter und Sohn und schon zeigen sich in den Türöffnungen oder im Spiegel die ersten schattenhaften Figuren, was durch den Einsatz von Totenfotographien zum Vorspann schon angedeutet hatte.

Subtilität oder langsamer Spannungsaufbau ist also nicht die Sache in diesem Fall, hier soll es "Jump Scares" zuhauf geben und die reihen sich dann bald flott aneinander. Was darunter leidet ist die eigentlich nötige Familiendynamik, die hier nie richtig analysiert oder erforscht wird. Die Eltern sind zumeist heulendes Elend, eine seltsame Sequenz, in der Dad besoffen seine Angehörigen rund macht, weil diese das Licht angelassen haben, gibt dramaturgisch folglich Rätsel auf, weil die Stellung der Figuren zueinander rudimentär bleibt. Die Kinder sind formelhafte Klischeefiguren in einem Spukpanoptikum, bei dem nie ganz klar wird, warum man nicht schon früh aus der Butze flieht, wenn sie doch so einen schlechten Einfluß hat, besonders auf das schwerkranke Kind.

Aber offenbar vertraute man den üblichen Geistererscheinungen hier nicht noch einmal, also dreht sich bald alles um ein Pathologenkabinett im Kellergeschoß, in dem ein sinistrer Seancenschmeißer in den 20er-Jahren ganz üble Experimente mit einer fast kompletten Friedhofsfüllung durchgezogen hat, um die Geisterbeschörungen seines jugendlichen Mediums etwas intensiver zu machen. Den Gag hat man durch die vielen flackernden Rückblenden, Reißschenks und unscharfen Doppelbelichtungen dann auch früher kapiert, als die Filmemacher einem das zutrauen, weswegen der halbe Film mit diesen Effektrückblicken zugepflastert wird. Das hinzugedichtete Material scheint dann auch vornehmlich bei Clive Barkers "Bücher des Blutes" entliehen zu sein, weil man auf diese Art visuell eindrucksvoll einen Körper mit Formeln vollritzen kann, um dann die Geister von Toten zuhauf im Haus installieren zu können.
Zur Abrundung erklärt dann der gern gesehene Nebenrollenstar Elias Koteas als krebskranker Gottesmann zwischendurch immer wieder, was wir sowieso schon ahnen und gibt dem Exorzisten in sich und Rod Steigers "Amityville"-Auftritt ordentlich Zucker.

Damit wird "Haunting" nicht wirklich schlecht, er gerät nur sehr offensichtlich und die einzelnen Teile wollen nicht recht zusammenpassen; der semirealistische Spukteil beißt sich mit der filmphantastischen Backstory des Hauses zu einem Mischmasch, der in dem unvermeidlichen Hausbrand am Ende und der ungeklärten Gesundung des Patienten mündet.
Solide Darstellerleistungen (wie üblich gut: Virginia Madsen) trösten über die wenig ausgearbeiteten Charaktere hinweg und Kyle Gallners Engagement ist ein halbwegs ordentlicher Ersatz dafür, daß sich das Autorenteam nie entscheiden kann, ob Todeskandidat Matt nun einen Kranken, einen Delinquenten, einen Besessenen, einen angehenden Killer oder einen interessierten Aufklärer darstellen soll.
So bleibt "Das Haus der Dämonen" doch nur eine halbgare, aber ansehnliche Geschichte, die mit sich selbst und ihrem halbgaren Realismusanspruch jedoch nie ganz zurande kommt. Der Buh-Faktor stimmt aber milde.(5/10)

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