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Filme über Spukhäuser gibt es ja reihenweise - aber nicht viele erheben den Anspruch, eine wahre Geschichte zu erzählen. "Das Haus der Dämonen" erhebt ihn und beschreibt den übersinnlichen Terror, den eine Familie in den 80ern in ihrem neuen Domizil erdulden musste. Um dem krebskranken Ältesten besser helfen zu können, ziehen sie in ein altes Haus, in dessen Keller noch der Autopsieraum des früheren Bestattungsinstitutes eingerichtet ist, das sich hier einst befand. Schon kurz nach ihrer Ankunft fühlt sich der kranke Matt von dunklen Gestalten und erschreckenden Visionen verfolgt - und das Auftreten der Geister wird immer aggressiver.

Ob nun wahr oder nicht (angesichts der reißerischen Ausschlachtung der Geschichte lässt sich das wohl kaum beurteilen), die Story gibt her, was Storys über Spukhäuser fast immer hergeben: knarrende Türen, dunkle Gänge, gruselige Gestalten, die im Keller, auf dem Dachboden und in ehemaligen Speiseaufzügen auf ahnungslose Opfer lauern, und ein Familienmitglied, das der unheilvollen Vergangenheit des Hauses besonders aufgeschlossen ist. Das ist alles nicht besonders originell, wird aber von den Filmemachern überaus souverän in Szene gesetzt. Mit gelungenen Kamerafahrten, einem sehr gruseligen Setting und etwas ideenlos, aber effektvoll inszenierten Schockmomenten gelingt ihnen eine packende, äußerst düstere Atmosphäre, die allein schon für erhöhten Pulsschlag sorgen kann. Auch beginnen viele Spannungsszenen sehr beängstigend, wenn auch leider die Auflösung der meisten viel zu plump daher kommt.

Überhaupt ist das größte Problem des Films sein Verharren in altbekannten Horror-Klischees. Wirkliche Horrorfreaks erleben hier kaum etwas Neues (bis auf die wahrhaft garstige Idee zum Schluss, welche Überraschungen wohl hinter den Wänden des Hauses warten), sondern fühlen sich wahrscheinlich eher immer wieder an große Genre-Klassiker erinnert: Da schwingen immer mal wieder Anleihen an "Poltergeist", "Der Exorzist" oder "Psycho" mit, ohne dass ihnen wirklich etwas Neues hinzugefügt werden kann.

Auf Dauer nerven in den Gruselszenen auch die ständig eingeblendeten Bilder aus der düsteren Vergangenheit des Hauses, die den Spannungsfluss der eigentlichen Szene mit der Zeit deutlich trüben. Und in der ersten Hälfte wird etwas zu viel Zeit darauf verwendet, die Figuren zum Leben erwecken zu wollen. Wegen allzu kitschiger Musik, melodramatischen Bildern und den schwachen Schauspielern bleibt die gesamte Familie aber ziemlich oberflächlich charakterisiert, sodass sie nicht wirklich zu Identifikationsfiguren werden - auch wenn die Mutter genau das schon in der allerersten Szene versucht, wenn sie sagt: "Wir sind eine ganz gewöhnliche Familie." Man merkt, hier soll alles ein wenig zu sehr mit dem Holzhammer eingetrichtert werden.

All den Klischees, Spannungshängern und logischen Ungenauigkeiten zum Trotz ist "Das Haus der Dämonen" keiner der schlechteren Geisterhaus-Grusler. Dank einer ganzen Reihe gelungener Schockszenen, der unheimlichen Atmosphäre und der eklig-finsteren Vergangenheit des Hauses wird sich selbst der ausgekochte Genre-Fan sozusagen mit erhöhtem Herzschlag langweilen. Und etwas zarter Besaitete dürften sich hier definitiv nachhaltig gruseln.

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