„Der unaufgeregte Terrorist"
Don Cheadle dürfte dem Mainstream-Kinopublikum vornehmlich als Sprengstoffexperte der Oceans-Bande ein Begriff sein. Mit seinem Regisseur Steven Soderbergh sowie seinen ungleich berühmteren Gaunerkollegen George Clooney und Brad Pitt verbindet ihn allerdings noch eine weitere - weniger bekannte - Leidenschaft: anspruchsvolles Politkino aus der Arthouse-Nische zu bugsieren. Die lukrative Oceans-Trilogie dient ihnen dabei als Cash-Cow zur Finanzierung weitaus sperrigerer Wunschprojekte wie Syriania, Babel, Good Night and Good Luck oder Che.
In diese Kategorie fällt auch der von Cheadle mitproduzierte Terrorismusthriller Traitor. Die Idee stammt von Star-Komiker Steve Martin, der sich abseits seichter Massenkomödien ebenfalls immer wieder um erwachsenere Stoffe bemüht und verdient gemacht hat.
Cheadle spielt den muslimischen Afroamerikaner Samir Horn. Der ehemalige Sprengstoffexperte der US-Army verdingt sich inzwischen als Lieferant für diverse Terrorgruppen. Bei dem Scheitern einer solchen Transaktion gerät er in jemenitische Gefangenschaft. FBI-Agent Clayton (Guy Pearce) bietet ihm die Freilassung im Austausch für Insiderinformationen. Samir lehnt ab. Im Gefängnis freundet er sich mit dem Extremisten Omar (Said Taghmaoui) an, der ihm schließlich zur Flucht verhilft und in seine international operierende Terrorgruppe einführt.
In der Folge entpuppt sich der Amerikaner dank seiner Erfahrungen beim US-Militär als überaus wertvoller Mitarbeiter. Während das FBI die Schlinge immer enger zieht und Samir als Hauptverdächtigen einstuft, hat der Terrorchef allerdings nach wie vor Zweifel an dessen Loyalität. Ein Bombenanschlag auf die US-Botschaft in Nizza soll diese endgültig ausräumen, schließlich hat er noch Großes vor mit Samir ...
Traitor ist ein Film, der sich dem brisanten Thema "islamischer Terrorismus" behutsam und ausgewogen nähert. Simple Schwarz-Weiß-Malerei sucht man glücklicherweise vergeblich. Sowohl Samir, wie auch sein Freund Omar sind differenziert gezeichnete und komplex angelegte Charaktere. Guy Pearce und der auf Unsympathen abbonierte Neal McDonough agieren angenehm zurückhaltend als keineswegs unfehlbares FBI-Ermittlerduo. Auch von triefigem Pathos oder Holzhammer-Patriotismus ist nichts zu spüren.
Die wohldurchdachte Story wird relativ nüchtern entwickelt. Der vermeintliche Plottwist ist zwar bereits früh erkennbar, allerdings schadet dies dem Film kaum. Ohnehin ging es den Machern eindeutig weniger um klassische Thriller-Spannung, sondern vielmehr um eine Zustandsanalyse der Komplexität und Vielschichtigkeit des Terrorismusproblems. In dieser Hinsicht ist Traitor vielleicht sogar ein wenig zu (politisch) korrekt ausgefallen. Manches kommt einem seltsam vertraut und geradezu gängig vor. Wer Operation Kingdom und insbesondere Der Mann, der niemals lebte gesehen hat, wird garantiert das ein oder andere Deja Vu -Erlebnis haben.
Schauspielerleistungen und Kameraarbeit sind eindeutig in der Oberliga anzusiedeln. Vor allem Don Cheadle glänzt als mysteriöser Mann zwischen allen Stühlen. Auch der Franzose Said Taghmaoui hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck als überzeugter Fußsoldat der Terrorgruppe.
Fazit:
Traitor ist ein intelligenter Terrorismus-Thriller, der durch einen ausgewogenen und unaufgeregten Umgang mit der brisanten Thematik besticht, fernab von billigen Klischees oder vordergründiger Effekthascherei. In diesem Bemühen ist er allerdings auch etwas vorhersehbar und schablonenhaft geraten. Dank durchweg überzeugender Darsteller und der stets interessanten Geschichte aber durchaus eine Empfehlung für Freunde anspruchsvoller Unterhaltung.
(7/10 Punkten)