Nach fünf Staffeln der erfolgreichen Mysterieserie "Akte X" war es an der Zeit für einen Kinofilm. Drehbuchautor Chris Carter versprach viele Antworten, die es innerhalb der fünf Staffeln nicht gab. Daraus resultiert, dass man die Serie gesehen haben sollte, um am Ball bleiben zu können. Die Charaktere aus der Serie sollte man kennen, sowie Kenntnisse über die Schließung der X-Akten und die Entführung von Mulders Schwester. Zumindest letzteres kann "Akte X - Der Film" endlich aufklären. Trotzdem waren Viele enttäuscht vom Kinofilm, auch die versprochene Kussszene blieb aus. Das lag vielleicht auch daran, dass sich Gillian Anderson und David Duchovny nicht besonders gut leiden konnten. Trotzdem führte man die Serie fort, doch die Qualität nahm kontinuirlich ab. Schließlich versuchte es Carter 2008 nochmal mit einem Kinofilm. Aber der floppte und das Budget war so knapp bemessen, dass man sich nicht mal die übliche deutsche Synchro für Duchovny leisten konnte.
Regisseur Rob Bowman (33 Folgen Akte X, Elektra) hatte es da einfacher, denn er durfte satte 66 Millionen Dollar verpulvern, die man dem Film auch ansieht.
Die FBI-Agenten Fox Mulder (David Duchovny) und Dana Scully (Gillian Anderson) müssen miterleben, wie ihr Vorgesetzter von einer Bombe zerfetzt wird. Nun sucht man einen Sündenbock, auch gab es fünf Tote zu beklagen, obwohl das Gebäude total geräumt war. Durch den anscheinend verrückten Kurtzweil (Martin Landau), glaubt Mulder bald an eine Verschwörung und beginnt zu ermitteln. Und tatsächlich kommt er mit Scully einer Organisation auf die Spur, welche mit ausserirdischem Material experimentiert. Man will anscheinend ein Virus auf der Welt verbreiten, welcher das Ende der Menschheit bedeuten würde. Leider gerät Scully bald in deren Gewalt.
Viele nannten diesen Kinofilm nur eine gewöhnliche Doppelfolge, doch ich finde die undurchsichtige Story wirklich gelungen. Natürlich kommen wir nicht um die Ausserirdischen herum, die sind nun mal fester Bestandteil der Serie. Aber wie man das wieder zu vertuschen versucht und vor allem die Idee das Virus mit den gezüchteten Bienen zu verbreiten finde ich sehr gelungen. Natürlich werden nicht alle Fragen beantwortet, ganz besonders über das Virus, aber der Auftakt beweist, dass es sogar schon in der Steinzeit zugegen war. Dabei bedient man sich kräftig bei Ridley Scotts "Alien". Denn das ausserirdische Virus braucht auch den Mensch als Wirt, um in seinem Körper zu einer Kreatur heranzuwachsen. Und wir haben hier eine Organisation, es wirkt auch der Kettenraucher mit, die über jeden Zweifel erhaben scheint. Ob für die Regierung, oder ob diese Organisation für sich selbst arbeitet, bleibt im Dunkeln. Auf jeden Fall kann man solch einer Organisation zwar Schaden zufügen, aber vernichten kann man sie nicht, wie Mulder und Scully bald feststellen müssen.
Die Ermittlungen des eingespielten Duos gestaltet Bowman interessant und mit ordentlich Tempo. Auch werden viele Überraschungen zu Tage gefördert und zudem geraten die beiden Agenten bald in die Schusslinie. Dabei ist besonders die Hubschrauberszene im Maisfeld gelungen, wo Mulder und Scully gejagt werden. Auch wird Scully später von dem Virus infiziert und entführt. Mulder entgeht nur knapp dem Tod und muss zur Rettung eilen. Dabei cruist man zwischen vielen Orten hin und her. Ob Texas, Dallas, die Wüste oder doch die Antarktis. Die Vielfalt der Sets überzeugt, auch sichtlich mit Ausstattung.
Man fragt sich nur, wie Mulder innerhalb eines Tages in die tiefste Antarktis reisen kann. Aber die düstere Grundstimmung trifft genau auf den Punkt und spannend inszeniert ist das Ganze auch, für eine FSK 12 Freigabe manchmal ganz schön heftig. Besonders wenn die Kreaturen einen Menschen attackieren und ihn förmlich zerfleischen. Das ist zwar hektisch geschnitten, aber trotzdem noch gut erkennbar.
Den Cast übernimmt man von der Serie, gestärkt von Oscarpreisträger Martin Landau in einer Nebenrolle als Kurtzweil. Gillian Anderson und David Duchovny sind wie immer ein gutes Team, Mitch Pileggi als Skinner ist auch mit dabei. Wären da noch Terry O´Quinn und Armin Mueller-Stahl in Nebenrollen. Eine wirklich hochwertige Riege, die das Sequel vermissen lässt.
Wie die Serie sehr mysteriös und spannend, aber es werden nicht alle Fragen beantwortet. Die düsteren Sets sorgen für die richtige Grundstimmung, den Score übernimmt Mark Snow teilweise der Serie. Die Story hat ein paar Wendungen parat, Bowman liefert eine fesselnde Inszenierung, doch mit knapp zwei Stunden Laufzeit ist der Kinofilm ein bisschen überlang geworden. Dank der überzeugenden Darsteller ist "Akte X - Die Film" wirklich gelungen, aber vorsicht, das zehn Jahre später entstandene Sequel enttäuscht.