Venedig: Der junge Mark und seine Schwester Christine kommen bei ihrem Onkel Martin unter, dem ein heruntergewirtschaftetes Hotel gehört. Seit er bei einem Unfall erblindet ist, hat Mark immer wieder Visionen von Morden und dergleichen, in denen auch ein unheimlicher Mann vorkommt. Nach dem überraschenden Selbstmord ihres Onkels taucht dann tatsächlich ein Fremder namens Dan auf, den Mark für eben diesen Kerl aus seinen Visionen hält. Mit der Ankunft Dans gehen zudem einige merkwürdige Ereignisse einher und es kommt zu weiteren Todesfällen. Als Christine unbefleckt schwanger wird, ist für den Jungen klar, dass es sich bei dem Baby nur um den Sohn des Teufels handeln kann. Zusammen mit Christines Freund, dem Künstler George, versucht Mark das Schlimmste zu verhindern... und spielt dem Bösen so unwissentlich genau in die Hände... "Die Wiege des Teufels" ist nichts weiter als ein von der italienischen Film-Industrie schnell in die Kinos gepushter Nachklapp zu dem finanziell und künstlerisch wesentlich erfolgreicheren amerikanischen Blockbuster "Das Omen". Beim Ansehen kommt man allerdings nicht umhin zu bemerken, dass Richard Donner bei seinem Klassiker einen publikumswirksameren Zugang zu der Materie gefunden hat und demnach auch für ein unterhaltsameres Ergebnis sorgen konnte. In den Händen italienischer Produzenten gerät der eigentlich recht potente Horror-Stoff rund um die Wiedergeburt des Anti-Christen leider zu einem zähen und langatmigen Kolportage-Streifen, der (nicht unähnlich dem im selben Jahr entstandenen, noch viel dreisteren "Das Omen"-Plagiat "Inferno 2000") auf banale Art und Weise die geklauten Motive und Gore-Einlagen aneinanderreiht. Das altbekannte, aber verwirrend umgesetzte Handlungs-Gefüge dient dieses Mal nur dem Zweck, ein paar groteske Schock-Bilder unterzubringen, die schließlich ihren geschmacklosen Höhepunkt in einer Szene finden, in der ein Baby auf ein paar Metall-Spitzen aufgespießt wird. Im Verbund mit den häufig eingespielten Aufnahmen von fetten, schleimigen Regenwürmern, mit denen ein wenig die Reizschwelle beim Zuschauer ausgetestet werden soll, erscheint einem die FSK 16-Freigabe wieder mal fragwürdig, denn für sensible Gemüter ist "Die Wiege des Teufels" beileibe nicht zu empfehlen. Regisseur Ugo Liberatore bemüht sich zwar redlich, aus der eigentümlichen Atmosphäre der Lagunenstadt Kapital zu schlagen, muss sich aufgrund inszenatorischer Schwächen jedoch ganz klar Nicolas Roeg geschlagen geben, der ein paar Jahre zuvor mit "Wenn die Gondeln Trauer tragen" bereits den ultimativen Venedig-Film abgeliefert hatte. Seine Schauspielführung ist außerdem gleich null und die wie chloroformiert durch die Szenerie wankenden Darsteller (deren Rollen allesamt keine besonders sympathischen Charakter-Züge aufweisen) halten den Zuschauer zusätzlich auf Distanz. Jedes Mal, wenn der blinde Mark eine seiner Visionen hat, wird diese mit einer penetranten Überbelichtung eingeleitet, zu der auf der Tonspur ein abstruses Sound-Effekte-Mischmasch erklingt. Das genügt, um einen kurzzeitig aus der allgemeinen Lethargie aufschrecken zu lassen... oder aus dem Tiefschlaf, sollte man aufgrund der akuten Aktionsarmut bereits sanft eingeschlummert sein. Die übrigen Szenen-Abfolgen werden von Pino Donaggios Score zugekleistert, der von sakralen Klanggebilden bis hin zu plumpen Synthie-Spielereien so ziemlich alle Bereiche abdeckt, aber trotzdem kaum je zu den präsentierten Bildern passen will. Die Qualität der F/X-Arbeiten liegt zudem einige Etagen unter den von Gianetto De Rossi konzipierten Splatter-Späßen, die schon so manchen Fulci-Knaller veredelt haben. So wirklich von Belang sind hier dann tatsächlich nur die Nackt-Szenen mit Rena Niehaus, von denen es leider zu wenige gibt.
4/10