Review

KEINE Spoiler, nur Vergleiche mit anderen Filmen und eine Meinung zum Gesehenen, damit der geneigte Leser den Film inhaltlich voll auskosten kann. 


THE CAT AND THE CANARY (1978) ist die mit Abstand filmisch am besten funktionierende Umsetzung des John Willards Bühnenstückes, von dem ich die verfügbaren Verfilmungen (1927, 1939) gesehen habe. Die Vorgänger bleiben deutlich hinter THE OLD DARK HOUSE (1932) von James Whale zurück. Radley Metzger schaffte es tatsächlich knapp vor seinem Ruhestand, sowie dem anrollenden 1980er Mainstream Kino noch einmal eine solche Perle zu realisieren.

Daß Radley Metzger ein begnadeter Filmemacher ist, war schon am Niveau seiner 11 hochklassischen Erotikfilme* zu sehen. Schon damals gab es abgesehen von Just Jaeckin nicht viel Konkurrenz, nur dünne Luft.

Es tut mir richtig in der Seele weh, wie unterbewertet dieser Film heute ist. Hier muß ich unbedingt einschreiten und den "Rächer der Enterbten" spielen. Denn die Sehgewohnheiten vieler Film-Konsumenten scheinen sich mittlerweile auf oberflächliche, vordergründige, kurzweilige Unterhaltung zu beschränken. Auf elegante, schwungvolle Wortwechsel wie hier (Jazzer würden sagen mit Verve), legt offensichtlich kaum jemand mehr einen Wert.

Das hier agierende illustre Ensemble ist weniger schwarz-weiß gezeichnet als die Stereotypen aktueller Produktionen. Damit ist das konsumierende Massenpublikum der heutigen Zeit, mit seiner kaum mehr vorhandenen Aufmerksamkeit, sichtlich überfordert.

Bei manchen Kritiken hat man das Gefühl, wenn nicht grafisch etwas passiert (kein Blut fließt und nicht gefoltert wird), dann war der Film auch nichts. Bedauerlich, daß unsere Gesellschaft mittlerweile so medial abgestumpft und verroht ist. 

Meiner Meinung nach, ist das hier Gebotene, näher als jegliche farbige Konkurrenz am Schmunzel-Krimi Olymp. Ja, die Rede ist von den vier in den 1960ern von George Pollock gedrehten und von Margaret Rutherford verkörperten Miss Marple Filmen. 

Da braucht gar keine KNIVES OUT (2019) Fortsetzung, von Rian Johnson, versuchen dagegen anzustinken. Auch kein von Kenneth Branagh gedrehtes Remake alter Agatha Christie Filme. Denn sie alle scheitern am aktuellen Zeitgeist. 

Was hier erstrahlt, ist die authentische Eleganz einer vergangenen Zeit, die nicht auf Knopfdruck und mit Miemen von heute rezitierbar ist. Auch nicht für viel Geld. 

Bewertung 9 von mir um den Schnitt zu heben. Denn wenn die Rutherford Miss Marple Filme das Mass aller Dinge für "Schmunzel-Krimis" sind und bleibt, hätte Metzger sich hier für herrlich exzentrische Charaktere und Wortgefechte eine 8 verdient.

*hauptsächlich softe erotische Geschichten unter Radley Metzger  / aber auch 6 Einträge bei ofdb im Hardcore-Bereich, laut imdb nutzte er für Pornografie das Pseudonym Henry Paris.

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