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Endlich mal wieder was Brauchbares von John Woo. Nach „Face/Off“ (1997), einem der besten Action-Filme der 90er Jahre, ging bei ihm ja gar nichts mehr – und das war genau genommen auch der einzige Kracher, der ihm in Hollywood überhaupt gelungen ist. Nun hat er also in China ein 80 Mio. Dollar teures Historienepos gedreht, das in zwei Teilen veröffentlicht wird, und dessen ersten Teil ich jetzt gesehen habe. In den USA und vermutlich auch in Europa kommt das Werk auf zweieinhalb Stunden oder so zusammengestutzt in einem Film.

Man kann sicher nicht behaupten, dass dieser erste Teil von „Red Cliff“ ein Meisterwerk oder ein glänzendes Comeback ist, doch endlich kann Woo mal wieder zeigen, dass er viel mehr kann, als Verfilmungen von Philip K. Dick zu verhunzen oder Hollywood-Standardkost zu produzieren. Woos Film reiht sich in eine ganze Reihe von chinesischen Historien-Epen ein – alleine dieses Jahr gab es ja schon vergleichbare Kost mit „The Warlords“, „Three Kingdoms: Resurrection of the Dragon“ und noch einigen mehr. So wahnsinnig unterscheidet sich „Red Cliff“ auch gar nicht von jenen Werken, aber immerhin hat Woos Film nicht die gleiche triste „grau in grau“-Optik dieser Werke, und sein Film verfügt im Gegensatz zur Konkurrenz über wesentlich sympathischere Charaktere und wirkt lebendiger. Dennoch schafft Woo es nicht, sich qualitativ deutlich von z.B. „The Warlords“ (jedenfalls der ersten Hälfte jenes Films) abzuheben.

Der Grund dafür ist, dass „Red Cliff“ zwar in fast jeder Hinsicht durch hohes Niveau überzeugt, aber in fast keiner richtig begeistert. Die Optik ist opulent, aber trotzdem sieht man nicht immer, warum der Film doppelt bis dreifach so teuer war wie die Konkurrenzprodukte. Die Kampfchoreographie von Corey Yuen ist exzellent, aber sicher nicht besser als die von Tony Ching Siu-Tung in „The Warlords“ und anderen Filmen. Zudem muss man sagen, dass die Einzelkämpfe auf dem Schlachtfeld zwar tadellos inszeniert sind (auch mit der unvermeidlichen Woo-Zeitlupe), die Dynamik einer Massenschlacht in anderen Filmen wesentlich rasanter dargestellt worden ist. Als Beispiele seien dafür nur „Braveheart“, „Herr der Ringe“, die Eröffnungssequenz von „Der Soldat James Ryan“ oder auch einige Werken von Altmeister Akira Kurosawa genannt. Woos Film ist – nicht nur in den Action-Szenen – ein bisschen behäbig. Das gilt auch für den ziemlich Hollywood-lastig klingenden Score und die Kameraarbeit. Die Rasanz und Innovationskraft, die die besten Hongkong-Filme in den 80ern und frühen 90ern auszeichnete (und Woos damalige Filme waren ganz vorn mit dabei), fehlt nahezu gänzlich. Auch mit der visuellen Brillanz von „Hero“, „House of Flying Daggers“ oder „Tiger & Dragon“ kann „Red Cliff“ keinesfalls mithalten.

Dennoch bleibt festzuhalten, dass es sich bei „Red Cliff“ um einen wirklich guten Film handelt, bei dem ich hoffe, dass der zweite Teil das Niveau halten kann. Langweilig sind die 140 Minuten des ersten Teils jedenfalls zu keiner Sekunde gewesen, so dass ich nur jedem raten kann, sich die Langfassung anzuschauen und nicht auf die fürs westliche Publikum gekürzte Version zu warten. Diese wird den Film vermutlich nur auf die Action reduzieren und die Seitenhandlungen und Charakterentwicklung dafür vernachlässigen.

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