Die „Hägar, der Schreckliche“-Comic-Strips des US-Amerikaners Dik Browne fanden trotz irrsinniger Verbreitung nie eine Entsprechung in Form einer Zeichentrickserie. Im Jahre 1989 erschien ein 25-minütiger Zeichentrickfilm, der aus dem traurigen Anlass des Todes des Zeichners, der von seinem die Reihe weiterzeichnenden Sohn beerbt wurde, in US-amerikanisch-taiwanesischer Koproduktion vom erfahrenen Trickfilm-Regisseur Ray Patterson umgesetzt wurde.
Kurz vor dem Antritt einer langen „Geschäftsreise“, die natürlich in kriegerische Auseinandersetzungen führte, war für Wikingerhäuptling Hägar die Welt noch in Ordnung. Als er nach Hause zurückkehrt, muss er zu seinem Entsetzen jedoch feststellen, dass seine Kinder aus der Art schlagen: Tochter Honi ist nicht mehr mit dem starken und brutalen Olaf liiert, sondern hat mit Lute, einem schmächtigen, schöngeistigen Dichter und Sänger, angebändelt. Und Sohnemann Hamlet interessiert sich kaum noch für Krieg und Kampf, sondern steckt seine Nase lieber in Bücher und strebt nach Bildung…
Mit den beliebten, sich an ein älteres Publikum wendenden pointierten Comic-Strips hat dieser Zeichentrickfilm nicht übermäßig viel am Hut, denn sein Humor ist ein etwas anderer: Er nimmt Geschlechter- und Rollenklischees vor dem Hintergrund eines mittelalterlichen Wertekanons auf eine kindgerechte, familientaugliche Weise aufs Korn, wie man sie stilistisch aus vielen Kinder-Zeichentrickserien kennt. Dass die augenzwinkernde Aussage jedoch problemlos auch auf die heutige Zeit übertragbar ist, dürfte keinem erwachsenen Zuschauer entgehen, der nicht nur deshalb, sondern auch wegen manch gelungenen Gags und der kurzen, knackigen Inszenierung ebenso seinen Spaß daran haben dürfte. Schade ist jedoch, dass die Zeit zwar ausreicht, Hägars Familie vorzustellen und grob zu charakterisieren, für die Comics wichtige Nebencharaktere wie Sven Glückspilz jedoch diesbzgl. – trotz kurzen Auftauchens – hintenüberfallen. Dennoch insgesamt ein rasanter, kurzweiliger, weitestgehend gelungener und generationsübergreifender Spaß, der wie eine Pilotfolge für eine kindlichere Hägar-Serie wirkt, zu der es jedoch nie kam.