Ponyo ist ein Goldfisch, der in einer Art Marmeladenglas stecken bleibt und von einem kleinen Jungen gerettet wird. Dieser kümmert sich gut um den Fisch, der von seinem Vater schließlich zurück ins Meer geholt wird, denn Ponyo ist die Tochter eines Zauberers und einer Seegöttin und verfügt über Zauberkräfte. Da sie jedoch mit aller Macht zu ihrem Freund zurück möchte, verwandelt sie sich in ein kleines Mädchen und flüchtet vor ihrem Vater, womit sie einen gewaltigen Sturm heraufbeschwört.
Immerhin vier Jahre war es her, dass Hayao Miyazaki seinen letzten Film "Das wandelnde Schloss" abgeliefert hatte. Dies ist nicht selbstverständlich, weil der japanische Kultregisseur, der in seinem Heimatland auch als solcher verehrt wird, bereits den Oscar gewann und das Animationsgenre geprägt hat, wie kaum ein anderer, schon seit Jahren ans Aufhören denkt und bereits 1997 erstmals erklärte, er würde seinen Nachfolgern Platz machen. Man kann auch in Bezug auf "Ponyo" einmal mehr froh darüber sein, dass Miyazaki nicht ernst gemacht hat.
So ist die klassische Zeichentrickanimation im Anime-Stil erneut gut gelungen, somit sehenswert und dies nicht nur deshalb, weil es zwischen den gängigen Computer-Animationen und CGI-Orgien eine gute Abwechslung liefert. Sondern auch deshalb, weil sich Miyazaki und seine Zeichner erneut einiges haben einfallen lassen und mit Liebe zum Detail ans Werk gehen. Die Hintergründe sind schön gestaltet, während besonders die Unterwasserwelten gut designt sind, was auch für die zahlreichen Tiere gilt, denen die Macher Leben einhauchen. Die Figuren sind derweil vielleicht ein bisschen zu stark verniedlicht.
Und dies ist eine Schwachstelle des gesamten Films. Hat es Miyazaki sonst eigentlich immer ausgezeichnet, dass er seinen kleinen Zuschauern auch mal brutalere Szenen, düstere Momente zugemutet hat, womit er auch Erwachsene stets auf ganzer Linie überzeugte, ist "Ponyo" unterm Strich arg kindgerecht ausgefallen, mitunter auch mal nah an kindischem Kitsch, wie man ihn eher aus dem Hause Disney kennt. Immer, wenn es mal etwas düsterer werden könnte, schlägt Miyazaki wieder einen unproblematischen, glatten Heile-Welt-Kurs ein, sodass "Ponyo" leider kaum an Fahrt aufnimmt.
Kompensiert wird dieser zentrale Fehler letztlich durch den Einfallsreichtum der Macher, der nicht nur auf die visuelle Komponente beschränkt bleibt. Die Story ist innovativ und thematisiert einmal mehr die Beeinträchtigung des ökologischen Gleichgewichts und dies unterm Strich einmal mehr gar nicht mal so schlecht. Zudem ist "Ponyo" zügig genug erzählt, sodass zumindest keine Längen entstehen und auch die musikalische Untermalung, einmal mehr von Joe Hisaishi, ist durchweg gelungen.
Fazit:
"Ponyo" ist für einen Miyazaki-Film recht kindgerecht und spannungsarm ausgefallen, aber dennoch sehenswert, weil er visuell liebevoll gestaltet ist und der Einfallsreichtum der Macher für Vieles entschädigt.
60%