Shock Waves vs. Die Nacht der reitenden Leichen
Eine achtköpfige Gruppe junger Frauen fahren samt VW Bus zu einer alten Villa, die Lana, eine Freundin geeerbt haben soll. Mit der Absicht das alte Stück zu renovieren und darin erstmal Party mit Metalband zu feiern,daran ist nicht mehr zu denken, denn bereits bei der Ankunft werden sie von einem seltsam, schrägen Naziopa als Butler verängstigt und schon bald trifft ein warnender Mönch ein, der von auferstehenden Templern und Nazizombies spricht.
Don't wake the dead ist Andreas Schnaas neuester Streich und ist rein qualitativ gesehen, für Schnaase Verhältnisse echt ein grosser Schritt nach vorne, denn rein optisch und in der Umsetzung wirkt das schon allemal wie eine verbesserte Amateurproduktion auf Independentniveau. Dafür sicherlich ein dickes Lob für diese minimalen Verbesserungen was die technische Umsetzung anbelangt, doch in der Story ist Don't wake the dead nicht viel mehr als unbeholfener Amateurhorror eines Fans, der unbedingt mal einen Zombiestreifen drehen wollte.
Und es scheint als hätte Herr Schnaas auf diesem Gebiet keine wesentlichen Fortschritte gemacht. Was auch eigentlich eher nicht schlimm sein sollte, denn diverse Fortschritte von anderen namhaften Amateurfilmern aus Deutschland gingen meines Erachtens, zumindest was den Unterhaltungsfaktor anbelangt nach hinten los. Allen voran natürlich Herr Ittenbach, von dem ich milde gesagt kein grosser Fan bin. Zumindest was Filme wie Beyond the Limits oder Familienradreber angebelangt.
So führt einen Don't wake the dead durch etliche Filmzitate und eben jene Darstellung dessen wirken dann doch irgendwo charmant. Die Ankunft der jungen Frauen erinnert an Tromas Hexenhaus - Blut für die Zombies nur zu gut, mit dem Hintergrund und den Zombies ist das allemal genauso parodisch dargestellt wie auch gleichermaßen und aufgrunddessen unterhaltsam. So auch mit Sicherheit die eigentliche Story rund um die auferstehenden Templer, die alle 66 Jahre erscheinen und sich das Blut der Jungfrauen nehmen.
Das erinnert dann nicht nur haargenau an De Ossorios Reitende Leichen, sondern ist dann in seiner Umsetzung genauso atmosphärisch dargestellt. Genial ist allerdings die Idee der Nazizombies, die neben den untoten Templern ebenfalls nach Rache dürsten. Filme wie Zombie Lake, Oase der Zombies und auch Shock Waves, machten diese Idee vor und so ist es auch nur mehr als symphatisch wenn Schnaas dies in seinen Film einbringt. Und auch wenn sich Don't wake the dead grundlegend durch die Filmgeschichte klaut, lässt das einen dann doch bloss kalt, denn wer hier ohnehin, bei einer solchen Produktion, die eh nach Schema F abläuft, sowas wie Innovation oder Niveau erwartet, ist entweder ein Träumer, hat total unrealisitsche Erwartungen oder befasst sich schonmal mit dem komplett falschen Genre.
Und so ist auch eben die nicht gerade talentierte Darstellung der Charaktere nebensächlich wie auch belanglos, denn zumindest ist es für diese Art Film mehr als ausreichend, wenn zumindest stellenweise mal das Acting und die Mimik passt. Für einen solchen Schundfilm, der sich vordergründig eh nur auf das Töten von Charakteren beschränkt, das Zeigen von Goreeffekten spezialisiert und ohnehin den etwas parodischen Unterhaltungsfaktor in den Vordergrund stellt, so kann man Schnaas absolut nicht vorwerfen, das in den Sand gesetzt zu haben. Schnaas Kameraarbeit ist zumindest gelungen, auch wenn einige Schnitte zu Lasten der Goreeffekte und der Atmosphäre gehen.
Leider ist es auch nur zu offensichtlich, wo meine vorliegende Fassung gekürzt wurde, denn leider erschien Don't wake the dead bisher nur in einer leicht gekürzten KJ - Version in den deutschen Kaufhausregalen. Doch auch so sprudelt der rote Lebenssaft noch sehr beachtlich, auch wenn hier die expliziten Szenen etwas vermindert wurden, ist das sehr unterhaltsam, auch weil es eben manchmal verdammt unbeholfen rüberkommt. Die Optik geht dabei echt in Ordnung, messen kann sich das mit Sicherheit mit durchschnittlichen Fernsehproduktionen, auch wenn Herr Schnaas echt noch an seiner Beleuchtung arbeiten sollte.
Desöfteren sind die Bilder einfach nur zu dunkel, was natürlich auf Kosten der Atmosphäre geht. Denn die ist bisweilen absolut vorhanden, vorallem wenn wir untote Templer aus den Gräbern steigen sehen oder ein etwas dicker Zombienazi in Richtung Kamera rennt. Gedreht wurde der Film auf Englisch, die deutsche Nachsynchronisation ist dabei ebenfalls den Verhältnissen entsprechend gut. Don't wake the dead ist zwar filmisch gesehen absoluter Nonsense, denn rein vom Spannungsbogen, auch von der fehlenden Innovation her und aufgrund des simplen Plots ist der komplette Film ein Ablauf altbekannter Klischees wie wir sie haufenweise kennen.
Da rennt die teilweise hysterische Meute durch das gruselig anmutende Schloss, ab und an geht mal einer drauf, zwischendrin wird mal gemaust und Titten gezeigt und um dann auch für alle nicht ganz so Ausgeschlafenen verständlich zu machen, dass sich Schnaas Version von Reitende Leichen + Nazizombies nicht ganz so ernst nimmt, wird noch ein Konzert der bisweilen eher untot anmutenden Metalband gezeigt, zu der dann genüsslich die Templer, verfaulten Nazis und spärlich bekleideten Naziollen headbangen. Sinn ergibt das zwar keinen, aber das tut der Rest eigentlich auch nicht.
Anmerkung zur Uncut - Fassung der Red Edition Reloaded:
Die Uncut Fassung ist 3 Minuten länger als die der verstümmelten Marketing / Sunfilm. Blutigspritzige Szenen, in denen zuvor beim Einschlag, beim Geschehen, beim expliziten Zeigen weggeblendet, bzw. geschnitten wurde, sind zu sehen. Das ändert zwar nichts an der Note 7/10 gibt aber immerhin einen besseren Eindruck für den Gorehound und 5% Extra auf der Skala.
Fazit:
Don't wake the dead ist als niveauloser, durschnittlich blutiger Partysplatter sicherlich geeignet. Wer einen ernsthaften und innovativen Horrorfilm erwartet, sollte die Finger von Schnaas neuestem Werk lassen. Wer deutschen Amateur / Independentregisseuren ohnehin abgeneigt ist, sollte darum eh einen Bogen machen, auch wenn sich Schnaas rein technísch gesehen echt verbessert hat.
66% (+5)