ALS INDEPENDENT-FILMKUNST GETARNTER, SURREALER PSEUDOSNUFF
Da haben wir ihn doch wieder, diesen amateurhaften, pseudo-realitätsnahen "Dogma"-Filmstil bestehend aus verschwommenen Super 8- und Homevideo-Aufnahmen. Diese erzählen hier nun in bisweilen recht alptraumhaften, surrealen Bildern die Geschichte des "Mutilation Man", der aufgrund einer durch den Mordinstinkt des eigenen Vaters traumatisierten Kindheit dazu neigt, mit einer selbstinszenierten Selbstzerstörungsperformance durch die Lande zu ziehen und aufgrund dessen zu dem Helden einer Horde Blut- und sensationsgieriger Freaks zu avancieren.
"The Mutilation Man" ist kein Film im herkömmlichen Sinne; eher eine unchronologische und mit nervenzerfetzenden Billigsynthieklängen unterlegte Collage im C-Movie-Stil fotografierter, symbolhafter Schockmomente, die in ihrer Gesamtheit offenbar so etwas wie eine "Geschichte" erzählen oder vielleicht sogar so etwas wie eine "Message" erkennen lassen soll.
Doch selbst wenn man Regisseur Andy Copp diese Intentionen gutmütig unterstellen würde und zunächst verdeckte Kritik auf eine verwahrlosende und sensationsgeile Gesellschaft vermutet, weiß Copp mit diesem Machwerk auf ganzer Linie zu enttäuschen, indem er es mit der Symbolhaftigkeit, mit welcher er jeden (mit weitaus mehr Gedankenarbeit verknüpften) David Lynch-Film ("The Lost Highway"; "Mulholland Drive") zu leicht konsumierbarer und für jedermann verständlichen Mainstreamkinokost degradieren würde, zu Ungunsten der eigentlichen Geschichte vollkommen übertriebe.
Eher ist die Intention Copps wohl in der Motivation zu suchen, in seinem Film-Erstling mit jeder Menge Blut und Gedärmen, Nacktheit, Kannibalismuseinlagen und Körperausscheidungen mal eben das "Most controversial & shocking Independent-Movie of all times" ausgeschissen haben zu wollen und möglichst alles mit den oben genannten Stilmitteln porträtiert, was ihm so an Ekligkeiten und Perversitäten in den Sinn kam.
Welche "Aussage" ausser dem absoluten Willen, um jeden Preis und auf Teufelkommraus zu schockieren steckt wohl sonst hinter Filmsequenzen, in denen z.B. eine nackte, gefesselte Frau im Erdkäfig vom Freakshowbetreiber zu dessen persönlichen Vergnügen mit frisch entnommenen Gedärmen beworfen wird, zumal beide Beteiligten im weiteren Filmverlauf nicht weiter in Erscheinung treten? Irgendwie kann ich mich da eher des Eindrucks nicht erwehren, Copp möchte vor allem jene Zuschauerklientel bedienen, denen Mondofilme wie "Afrika Addio" zu harmlos oder B-Movie-Schund der Marke "Cannibal Ferox" zu kopflastig erscheint und dementsprechend ansonsten am ehesten Pseudo-Snuff der Marke "Mordum" oder "August Underground" bevorzugt. Schnell noch ein paar eilig zusammengeschusterte Bibelquerverweise integriert, schon kann man diesen Pseudo-Snuff Mist auch noch als "symbolhafte Extremfilmkunst" rechtfertigen.
Nein, also wirklich da beschmieren sich anderthalb Stunden lang Filmstudenten (oder sowas in der Art) mit Kunstblut und Gedärmen, das ganze bildqualitativ auf Super-8 Film Niveau und mit leiernden Billigsynthies unterlegt... Eine Handlung ist wirklich kaum nachzuvollziehen, das ganze wirkt eher wie eine Aneinanderreihung möglichst verstörender Szenen.
Also, sick und krank und weiß der Geier noch was ist das Ding sicherlich, wenn man sich in der mentalen Verfassung befindet, das Teil wirklich von Anfang bis Ende durchstehen zu wollen; aber wenn das jetzt die neue filmische Kontroverskunst sein soll, dann mal gute Nacht...
Also ehrlich: Doch nicht jeder sinnentleerte und unverständliche Müllfilm, der mit großen Gesten, expliziten Ekelszenen und bemühter Symbolhaftigkeit versucht, seine Existenz zu rechtfertigen, ist dadurch automatisch gleich "Kunst"...
Mit anderen Worten: Regisseur Andy Copp gelang, indem er mit der Amateurkamera bewaffnet einigen Freunden befahl, sich gegenseitig mit soviel Blut und Ekligkeiten wie nur möglich zu beschmieren, ein null-atmosphärischer, großer Haufen Scheiße, der auf Schockmomente billigster Kajüte aufbaut und dafür auf eine erkennbare Handlung oder Botschaft weitestgehend verzichtet. Ach ja: Das gesamte Textskript dieses Films ist zudem extremst sonderschülerfreundlich gehalten und umfasst in etwa siebzehn verschiedene Wörter, die ganz im Stile der "Teletubbies" dann auch noch permanent wiederholt werden!
Warum Andrew Copp nach diesem in allen Belangen missratenen Filmeinstand auch noch die Gelegenheit geboten wurde, weiteres Zelluloid zu verschwenden, ist eines der großen Rätsel der Ungerechtigkeit des Filmbussiness.
Der reinste Filmschrott auf billigst produziertem Niveau also, der letztendlich lediglich Leuten zu empfehlen ist, die sich dringendst einer therapeutischen Behandlung unterziehen sollten oder eine passende Nebenbeibeschäftigung zum gemütlichen Pulsadern-Öffnen suchen! In die Tonne damit!!!
Den zweiten Punkt gibt's nur, weil Copp's Machwerk zumindest in Ansätzen etwas mehr Atmosphäre aufbauen kann als stilistisch ähnlich gelagerter, jedoch noch erbärmlicherer C-Movie-Dünnpfiff wie zum Beispiel Timo Roses "Psycho Jack", der den Film bezeichnenderweise über sein Label "SOI" in Deutschland veröffentlichte.